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Meinungsklima in Österreich: Burnout ist eine ernst zu nehmende Krankheit

Österreicher setzen sich mit dem Thema Burnout auseinander.
Österreicher setzen sich mit dem Thema Burnout auseinander. ©Bilderbox.at (Symbolbild)
48% der unselbstständigen Erwerbstätigen werten "Burnout als eine ernst zu nehmende Krankheit durch Überlastung im Beruf, für die auch private Ursachen verantwortlich sind", so eine Kernaussage der vierten repräsentativen „Monster Jobwechsler Studie".

Für 33% der Befragten ist Burnout “eine schwerwiegende Krankheit, die sich durch steigenden Druck und Geschwindigkeit am Arbeitsplatz in Zukunft häufen wird”. Nur 12% finden, dass “Burnout eine Modeerscheinung ist und von den betroffenen Arbeitnehmern oft vorgeschoben wird”. „Die Mehrheit ist also der Meinung, dass von Burnout Betroffene, kein Tachinierer sind”, so Mag.(FH) Barbara Riedl-Wiesinger, Country Manager & Sales Director Monster Worldwide Austria GmbH. „Die Studie zeigt aber auch, dass die Bevölkerung weiter ist, als so manche politische Gruppe, die den Grund für Burnout nur in der Arbeitswelt orten.” Mit steigendem Alter und höherer Bildung wird Burnout “als schwerwiegende Krankheit gewertet, die sich durch Druck am Arbeitsplatz häufen wird”.

„Monster.at führt die Jobwechsler-Studie halbjährlich durch. Ziel der Studien ist es, die Trends bei den unselbstständigen Erwerbstätigen in Sachen Wechselbereitschaft festzustellen sowie mit einem Schwerpunkt – diesmal war es Burnout – ein brandaktuelles Thema aus der Arbeitswelt aufzugreifen”, erläutert Riedl-Wiesinger. „Insgesamt wurden 1.010 Österreicher Face-to-Face befragt; davon waren 451 unselbstständig erwerbstätig. Die Umfrage fand im Oktober 2013 statt. Wissenschaftlich wurde die Studie von IMAS International begleitet.”

Burnout ist in der Bevölkerung angekommen

„Burnout ist in der Bevölkerung angekommen”, ergänzt DDr. Paul Eiselsberg, Senior Reseach Director IMAS International. „Dies zeigt sich auch darin, dass sich berufsorientiere Menschen* rund um das Thema Burnout nicht anders äußern als Personen, die sich selbst als freizeitorientiert einstufen.” (*Die Differenzierung zwischen berufsorientierten und freizeitorientierten Personen wurde in der Umfrage durch eine Analyse der erstrebenswerten Lebensziele vorgenommen.)

Mit Burnout assoziieren die Österreicher primär zwei psychophysische Prozesse: “Überlastung bzw. Überforderung allgemein” (28%) und “Stress allgemein” (25%). Relativ häufig nennen sie auch “zu hohes Arbeitspensum” (14%), “Energie- und Antriebslosigkeit” (13%), einen “ausgebrannten Zustand” (13%) oder sogar “totale Erschöpfung, Zusammenbruch” (12%) und “Depressionen” (11%) sowie “Leistungs- und Termindruck” oder “Müdigkeit” (9%).

Für Mehrheit hat Druck am Arbeitsplatz zugenommen

41% der unselbstständig Erwerbstätigen vertreten “voll und ganz” die Ansicht, “dass die Belastungen am Arbeitsplatz in den letzten Jahren stark zugenommen haben, 46% stimmen dieser Aussage einigermaßen zu. 9% haben nicht den Eindruck, dass der Druck am Arbeitsplatz gestiegen ist. „Es gibt also nur wenige unselbstständige Arbeitnehmer, die nicht den Eindruck haben, dass der Druck am Arbeitsplatz gestiegen ist (9%)”, folgert Riedl-Wiesinger. „Ein Grund dürfte sein, dass immer mehr finden, dass alles schneller geworden ist, wobei auch die elektronischen Medien einen wesentlichen Teil zu dieser Beschleunigung beitragen.” Frauen sind merklich häufiger als Männer vorbehaltlos der Meinung, dass die Belastungen am Arbeitsplatz stark gestiegen sind.

Maßnahmen zur Burnout-Prävention

Um Burnout vorzubeugen, werden von den Arbeitnehmern am häufigsten als “besonders wichtig” genannt “viel Schlaf” (70%) sowie eine “gute Abgrenzungsfähigkeit zum eigenen Job” (69%). An dritter Stelle steht ein weiterer “privater” Punkt, der vor einer möglichen Erkrankung schützt: “ein intaktes, harmonisches Familienleben” (58%).

“Wenig Stress im Büro, also ein gut zu bewältigendes Arbeitspensum” wird an vorderer Stelle als “besonders wichtige” Präventivmaßnahme zur Vermeidung von Burnout gesehen, ebenso die persönliche “Fähigkeit sich selbst gut entspannen zu können” (je 55%), 53% verweisen auf die hohe Bedeutung des “geringen Termindrucks” und auf die Wichtigkeit der “Anerkennung der Arbeitsleistung” (51%). 49% setzen auf “viel Bewegung und Sport” und 48% auf eine “sinnvolle Freizeitgestaltung mit genügend Erholungsphasen” zur Burnout- Prävention.

Frauen messen den “privaten” Aspekten zur Vermeidung von Burnout teilweise deutlich mehr Gewicht bei als Männer. Natürlich gibt es auch berufs- und bildungsspezifische Eigenheiten, die sich in demografischen Unterschieden niederschlagen. Bei einfachen Jobs (in Abhängigkeit von einfacher Bildung) ist die Abgrenzung davon sicherlich weniger ein Thema, auch etwa Stress oder richtige Arbeitseinteilung.

„Burnout wird von Interessengruppen vereinnahmt”

„In Österreich wird das Thema Burnout von Interessengruppen vereinnahmt”, konstatiert Prim. Dr. Kurosch Yazdi von der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. „Je nach Interessenlage wird für die Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite argumentiert. Letztlich liegt aber die Verantwortung für Burnout bei beiden Gruppen.” Der Arbeitgeber habe eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer, und der wiederum muss auch auf seine Gesundheit achten. „Das Burnout-Syndrom wird wissenschaftlich nicht als Krankheit gesehen, sondern gilt im ICD-10 (International Classifikation of Diseases der Weltgesundheitsorganisation) als ein Problem der Lebensbewältigung, also ein schädlicher
Faktor, der zu einer Erkrankung führen kann, aber nicht muss”, so Yazdi. Wie die Behandlung erfolgt, hängt von der Art der Erkrankung ab (z.B. Depression, Angststörung, Schlafstörung, …). Yazdi definiert zwei Wege aus dem Burnout: „Einerseits kann der Arbeitgeber Strukturen schaffen, in denen der Arbeitsstress erträglich bleibt, wie z.B. adäquate Arbeitsanforderung, wertschätzendes Arbeitsklima oder Anerkennung der Arbeitsleistung. Auf der anderen Seite kann der Arbeitnehmer aktiv auf die Erhaltung seiner Gesundheit achten, wie z.B. durch Entspannung, Ernährung, Sport, Schlaf sowie Vermeidung von schädigenden Einflüssen wie übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum und sich im Bedarfsfall rechtzeitig professionelle Hilfe holen bei z.B. der Arbeitsmedizin, dem Hausarzt, durch Coaching etc. Langfristig ist aber immer eine Balance zwischen Stress und Erholung anzustreben.”

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