Meinungsforscher wollen keine Schelte hören

Vorhersagen werden immer schwieriger
Vorhersagen werden immer schwieriger
Fast schon Ritual am Tag nach der Wahl ist das Meinungsforscher-Bashing, wenn das Wahlergebnis deutlich von den zuvor publizierten Umfragen abweicht. Die Politik-Plattform "Neuwal.com" hat das für die BP-Wahl auch schon detailliert aufgearbeitet. Aber die Zunft wehrt sich: Die Wähler seien immer schwerer einzuschätzen.

Keine der veröffentlichten Umfragen kam auch nur in die Nähe der 36,4 Prozent (vorläufiges Ergebnis ohne Briefwahl) von FPÖ-Kandidat Norbert Hofer zeigt die Übersicht von Neuwal.com. Maximal 24 Prozent wurden ihm von den Instituten zugebilligt. Der Grüne Alexander Van der Bellen wiederum war konstant überbewertet: Bis zu 30 Prozent trauten ihm die Institute zu, am Schluss immerhin noch 25 Prozent. Immerhin – einmal, schon im März, platzierte ihn eine IMAS-Umfrage für die “Kronen Zeitung bei 19 Prozent. 20,38 Prozent wurden es dann am Wahltag für den Professor.

Etwas zu hoch bewertet wurde stets SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer, für Andreas Khol (ÖVP) wurden zuletzt recht realistische Werte ermittelt. Beide landeten bei 11,18 Prozent. Ebenfalls tendenziell überschätzt, wenn auch nicht durchgehend, wurde Irmgard Griss.

IFES: Immer mehr kurz Entschlossene

Es gebe immer mehr kurz Entschlossene, sagte Eva Zeglovits (IFES) am Sonntagabend in der ORF-Sendung “Im Zentrum”. “Von diesen Wählerinnen und Wählern können wir in den Umfragen gar keine Meinungen haben, weil sie sie selber noch nicht haben.” Auch der Politikwissenschafter Peter Filzmaier verwies auf die späte Wahlentscheidung. Umfragen könnten so ohnehin immer nur eine “Momentaufnahme” sein.

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer hält auch die laute Kritik an der Umfrage-Branche für nicht unbedingt glaubwürdig. Denn die Medien selbst griffen ja stets freudig zu Umfragen. “Die, die heute über die Umfragen schimpfen und morgen auch so titeln, werden übermorgen schon wieder anrufen und bitte eine neue Umfrage bestellen”, sagte er “Im Zentrum”. Intern durchgeführte Umfragen hätten gezeigt, dass das Ergebnis zum Wahlschluss hin tatsächlich etwas realistischer abgebildet wurde, sieht auch er im unentschlossenen Wähler einen Knackpunkt.

Der Politikwissenschaftler Fritz Plasser sieht auch die Medien in der Verantwortung. Denn die Ergebnisse der Umfragen würden oft “dramatisiert, zugespitzt”, kritisierte er am Montag im ORF-Radio. “Hier wird defacto kaum Rücksicht genommen, wie sensibel diese Daten sind.”

Kaum Vergleichswerte

Die Meinungsforscher hätten es diesmal auch schwer gehabt, auf Vergleichswerte zurückzugreifen, gibt außerdem Peter Hajek (Public Opinion Strategies) zu bedenken. Nur für Hundstorfer und Khol, die “alten Bekannten”, habe es die gegeben. Und: Die Befragungsstichproben könnten wohl optimiert werden, auch mit Augenmerk auf die jeweilige Erreichbarkeit nach Altergruppe (von Festnetz über Handy bis Internet). “Wir fliegen im Nebel gerade auf Sicht”, so Hajek.

Debatte um Veröffentlichungsverbot von Umfragen

Nicht zum ersten Mal keimt auch eine Debatte über ein Veröffentlichungsverbot für Umfragen ab einem gewissen Zeitraum vor der Wahl. So etwas wurde in der Vergangenheit mit Hinweis auf internationale Vorbilder schon öfter gefordert – realistisch in Angriff genommen wurde es dann aber nie. (APA)

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