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Mein Ferrari, mein Fahrrad: Millionenräuber mit Doppelleben

Er fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit und beklagte sich über seinen Hungerlohn. Doch in der Garage hatte Toni M. einen Ferrari stehen.

Und auf einem Dutzend Bankkonten hatte der Fahrer eines Geldtransporters 100.000 Euro verteilt. Vergangene Woche räumte der 39-jährige seine Konten, säuberte seine Wohnung von allen Spuren und verschwand mit 11,6 Millionen Euro aus einem Geldtransporter. Jetzt versucht die Polizei, das perfekte Doppelleben des Franzosen mit Wurzeln in Serbien aufzuklären. Im Internet wächst unterdessen die Fangemeinde des “Jahrhundertdiebs”.

“He Toni, hast Du einen Platz in Deinem Transporter?”, fragen Fans. Auf Facebook schreiben sich viele “Freunde” auf der Seite “Tony M.., er ist geflohen, er hat alles begriffen” ein. Toni sei “stärker als Tony Montana”, der Held des Gangsterfilms “Scarface”, schreibt ein Bewunderer. Clevere Geschäftemacher nutzen die “Tonimanie” bereits, um selbst Geld zu machen. So bietet die Website http://www.abrutishirt.com Hemden mit Tonis Konterfei und der Aufschrift “Bester Fahrer 2009”.

Trotz seiner Größe von 1,80 Meter und 100 Kilogramm Gewicht wirkte Toni offenbar unscheinbar. Er war zurückhaltend bis schweigsam und wohnte in einem ärmlichen Haus. Alkohol trank er nie. Als er noch verheiratet war, sprang er ab und zu für seine Frau an der Bar eines Portugiesen-Cafes im südostfranzösischen Villeurbanne ein. Wenn er ein Auto brauchte, fuhr er mit einem alten Peugeot 406. Mehr war nicht drin bei 1.700 Euro Gehalt. Toni sei bescheiden und “überhaupt kein Spieler”, sagt seine Ex-Frau.

Den Ferrari bekamen Tonis Nachbarn nie zu sehen. Der gehörte zu seinem zweiten Leben. In dem war Toni Unternehmer. Er dealte mit Luxusautos und war Miteigner einer Immobiliengesellschaft. Doch diese Geschäfte machte Toni am anderen Ende von Frankreich, zumeist per Internet und Telefon. Schließlich meldete er den Ferrari als gestohlen und plante seinen großen Coup: den ersten Diebstahl eines Geldtransporters durch seinen Fahrer in Frankreich.

Die Tat hätte eigentlich gar nicht möglich sein dürfen. Nach den  Regeln der Transportgesellschaft darf ein Fahrer nie alleine mit dem Schlüssel für den Laderaum im Transporter bleiben. Außerdem dürfen maximal sieben Millionen Euro geladen werden. Und es war verboten, bei einem Geldtransport von der Zentralbank zur Zentrale noch bei Kunden zu halten. Doch Toni hatte die Schlüssel, im Laderaum waren 11,6 Millionen Euro und seine beiden Kollegen stiegen unterwegs aus, um Formulare bei einem Kunden auszufüllen. Der unscheinbare Toni hatte dafür gesorgt, dass ihm zwei Neulinge zugeteilt wurden.

“Genial und ohne Gewalt, Hut ab”, schreibt ein Toni-Fan in einem Internetforum. Die Polizei geht davon aus, dass Toni längst im Ausland ist. Doch selbst wenn er gefasst würde: Er riskiert nicht allzu viel. Weil er keine Gewalt angewendet hat, drohen Toni maximal drei Jahre Haft wegen Diebstahls. “Der Staat könnte von ihm Rechenschaft für seinen Lebenswandel abverlangen”, sagte ein hoher Polizeifunktionär dem “Figaro”. “Doch wenn er sich in einem Steuerparadies niederlässt, hat er lange Ruhe.”

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