Mehrjährige Jugendstrafen für geplanten Bombenanschlag gefordert

Im Prozess um den geplanten Bombenanschlag auf ein Volksfest in Rellingen bei Hamburg hat die Staatsanwaltschaft mehrjährige Jugendstrafen für die zwei Angeklagten gefordert. Vor dem Landgericht Itzehoe beantragte sie am Mittwoch eine Verurteilung wegen Verabredung zum Mord und zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie wegen anderer Delikte.

Die beiden hätten den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen.

Der mutmassliche Haupttäter, der 20-jährige André M., soll demnach für fünf Jahre und drei Monate in Haft. Die Staatsanwaltschaft billigte ihm verminderte Schuldfähigkeit wegen einer schweren abnormen Persönlichkeitsstörung zu und beantragte die dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie. Für den 19-jährigen Angeklagten Kevin W. forderte die Staatsanwaltschaft drei Jahre und neun Monate Jugendstrafe.

Die mutmasslichen Bombenbastler aus dem Kreis Pinneberg, die seit 27. September 2007 in Untersuchungshaft sind, waren zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alt. Sie sollen geplant haben, im Zentrum des Rellinger Apfelfestes am 29. September Sprengstoff zur Explosion zu bringen.

Neben der Vorbereitung eines Anschlags werden den Angeklagten zahlreiche weitere Delikte zur Last gelegt, unter anderem unerlaubter Waffenbesitz, Nötigung, Brandstiftung und Sachbeschädigung. So sollen sie einen Zigarettenautomaten gesprengt, einen VW-Transporter angezündet, Buttersäure in zwei Wohnhäusern verschüttet und die Reifen von 148 Fahrzeugen zerstochen haben. Laut Staatsanwaltschaft begingen sie die Taten aus Frustration, Langeweile und Unzufriedenheit mit ihren persönlichen Lebensumständen.

Zwtl: Angeblich nicht ernst gemeint

Die jungen Männer waren am 25. September im Haus eines der beiden Tatverdächtigen festgenommen worden. Dort stellte das Landeskriminalamt Gegenstände sicher, darunter Substanzen zur Produktion von Sprengstoff. Drei Jugendliche hatten die Polizei über die Anschlagspläne informiert.

Die Angeklagten hatten bestritten, dass sie die Pläne ernst gemeint hätten. Der Verteidiger von André M. forderte Freispruch vom Vorwurf der Verabredung zum Mord und zur Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Für die übrigen Delikte beantragte er zwei Jahre und acht Monate Jugendstrafe sowie die Unterbringung des Angeklagten in einem jugendpsychiatrischen Krankenhaus. Die Verteidigerin von Kevin W. forderte ebenfalls Freispruch vom Hauptvorwurf. Für die übrigen Delikte sei eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung ausreichend, sagte sie.

Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte die Anwendung des Jugendstrafrechts empfohlen, weil bei den Angeklagten eine Reifeverzögerung festzustellen sei.

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