Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Mehr als 280 Tote bei Grubenunglück: Empörung wächst - Trauer um tote Kumpel

Nach Grubenunglück entlädt sich Hass auf Erdogan. Trauer um 280 tote Kumpel.
Nach Grubenunglück entlädt sich Hass auf Erdogan. Trauer um 280 tote Kumpel. ©AP
Nach dem Grubenunglück mit mehr als 280 Toten ist der türkischen Regierung eine Welle der Empörung entgegengeschlagen.
"Er muss da wieder runter"
Retter im Kampf gegen die Zeit
Überlebende verlassen Bergwerk
Proteste nach Grubenunglück
Trauer um tote Kumpel
Erdogan-Berater tritt auf Mann ein

Entrüstung löste ein Berater von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aus, er soll am Ort der Katastrophe auf einen Demonstranten eingetreten haben. In Soma kam es zu herzzerreißenden Szenen, als Familien tote Kumpel beerdigten. Dutzende Bergleute waren noch eingeschlossen.

Erdogan-Berater tritt auf Demonstranten ein

Berater Yusuf Yerkel hatte Erdogan am Mittwoch bei einem Besuch in Soma begleitet. Dabei war es zu Buh-Rufen und Protesten gegen Erdogan gekommen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten.

Türkischen Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdogan angegriffen und beleidigt habe.

Erdogan: “Solche Unfälle passieren ständig”

Erdogan hatte die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in seinem Land nach einem Besuch am Katastrophenort heruntergespielt. “Solche Unfälle passieren ständig”, sagte er. “Ich schaue zurück in die englische Vergangenheit, wo 1862 in einem Bergwerk 204 Menschen starben.” Am Donnerstag besuchte Staatspräsident Abdullah Gül Soma.

Noch immer Bergleute eingeschlossen

Das Grubenunglück vom Dienstag ist das schwerste in der Geschichte der Türkei. Es ist zugleich das schlimmste weltweit seit fast 40 Jahren. Wie viele Bergleute noch in der Zeche eingeschlossen sind, war am Donnerstag unklar. Am Mittwoch hatte Erdogan die Zahl auf 120 geschätzt.

Opposition forderte Prüfung der Unglückszeche

Türkische Medien berichteten, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition zurückgewiesen, die Sicherheit an der Zeche zu überprüfen. Die Proteste gegen die Regierung dauerten am Donnerstag an. In der westtürkischen Küstenmetropole Izmir ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund 20.000 Demonstranten vor, wie türkische Medien berichteten. Mehrere Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen.

Gewerkschaft: “Massenmord”

In der Hauptstadt Ankara und in der Metropole Istanbul hatten schon am Mittwochabend Tausende Menschen wegen des Grubenunglücks den Rücktritt der Regierung gefordert. Die Polizei ging auch dort mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten vor. Gewerkschaften kritisierten, es habe sich nicht um einen Unfall, sondern um “Massenmord” an den Arbeitern gehandelt. Im ganzen Land wehten die Flaggen auf halbmast.

Feuer in der Zeche lodert noch immer

Zwei Tage nach der Katastrophe war der Brand in der Zeche immer noch nicht unter Kontrolle. “Es sieht so aus, als wenn das Feuer kleiner geworden wäre”, sagte Energieminister Taner Yildiz. “Die Kohlenmonoxidwerte in dem Bergwerk beginnen zu fallen.”

Grubenunglück fordert 282 Todesopfer

Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Regierung auf 282. Seit Mittwochabend seien aus dem Kohlebergwerk keine Kumpel mehr lebend geborgen worden, sagte Energieminister Yildiz. Die Bergungsarbeiten würden fortgesetzt.

Kumpel starben an Kohlenmonoxid-Vergiftung

Der Betreiber des Bergwerks, Soma Komur Isletmeleri, teilte mit, die Bergleute seien an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Die genaue Ursache des Unglücks sei aber noch unklar. Zunächst war von einem Defekt an einer elektrischen Anlage die Rede. Ein Ingenieur sagte später, eine ungenutzte Kohlelagerstätte habe sich erhitzt. Das dabei entstandene Kohlenmonoxid sei durch die Schächte und Stollen gezogen.

Stichwort Kohlenmonoxid-Vergiftung
Das giftige Kohlenmonoxid (CO) ist ein brennbares, fast geruch- und geschmackloses Gas. Es entsteht bei Bränden in geschlossenen Räumen. Wer hohen Konzentrationen davon ausgesetzt ist, kann innerhalb weniger Minuten sterben. Schon geringe Mengen führen dazu, dass das Blut deutlich weniger Sauerstoff transportiert.

Bei einer Vergiftung kommt es zu Atemnot, Husten, Verwirrtheit, Erbrechen und Herzversagen. Wer gerettet wird, leidet mitunter noch Monate später an Gedächtnisstörungen, Lähmungen oder Schwindel. Zur Therapie einer Vergiftung kann eine Sauerstoffüberdruckbehandlung eingesetzt werden.

Nach Angaben der Regierung wurden bei dem Unglück 80 Menschen verletzt. Energieminister Yildiz sagte, 27 davon würden noch im Krankenhaus behandelt. Vor dem Spital von Soma, wo fast jede Familie mit dem Bergwerk verbunden ist, versammelten sich Tausende Menschen. Sie warteten auf Informationen über ihre Angehörigen und Freunde. Über Lautsprecher an den Straßen wurden die Namen der Toten und Details der Beerdigungen bekannt gegeben.

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren nach Yildiz’ Angaben 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Beim bis dahin schwersten Bergwerksunglück in der Türkei im Jahr 1992 waren 263 Menschen ums Leben gekommen.

Mit der Hilfe von Freiwilligen seien mehr als 200 Gräber ausgehoben worden, sagte ein Totengräber auf dem Friedhof des Ortes. Mehrere Beerdigungen fanden parallel statt. Lastwagen brachten die Särge zum Friedhof. Angehörige, darunter viele Kinder, weinten vor den Gräbern.

Weltweite Trauer – Welle der Solidarität

Das Grubenunglück in der Türkei löste weltweit Trauer aus. Mehrere Länder boten der Türkei Hilfe an. In der Türkei kommt es immer wieder zu tödlichen Grubenunfällen. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren Verstöße gegen Sicherheitsregeln oder es wurden veraltete Arbeitsgeräte eingesetzt.

Explosionen, Feuer, Wasser: Schwere Grubenunglücke weltweit

Die Arbeit von Bergleuten ist gefährlich. Schon Tausende kamen bei Unglücken unter Tage ums Leben – schuld sind oft Sicherheitsmängel. Immer wieder jedoch konnten Kumpel aus der Tiefe befreit werden.

August 2010: In der Atacama-Wüste in Chile werden 33 Bergleute in einer Kupfer- und Goldmine verschüttet. Mitte Oktober werden alle einzeln mit einer Rettungskapsel an die Erdoberfläche gebracht.

Juni 2010: Eine Methangasexplosion bringt eine Kohlegrube südlich von Medellin in Kolumbien teilweise zum Einsturz. Mindestens 73 Menschen kommen ums Leben.

Mai 2010: Bei einer Methangas-Explosion in einer westsibirischen Kohlegrube werden mehr als 60 tote Bergleute geborgen, mehr als 20 bleiben vermisst. Gut 280 Bergleute können den Schacht kurz nach der Explosion verlassen.

Mai 2009: In einer südafrikanischen Goldmine südwestlich von Johannesburg bricht ein Feuer aus. 82 illegal tätige Goldgräber kommen ums Leben.

Dezember 2007: Nach einer Gasexplosion in einer Kohlegrube im Norden Chinas melden die Behörden 105 Tote. Die meisten Opfer starben den Angaben zufolge an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

November 2007: Nach einer Gasexplosion in einem Kohlebergwerk der ostukrainischen Stadt Donezk kommen mehr als 100 Bergleute ums Leben. Über 350 Kumpel können aus der Tiefe gerettet werden.

August 2007: Nach einem Dammbruch wird ein Kohlebergwerk in der ostchinesischen Provinz Shandong überflutet. Mehr als 170 unter Tage eingeschlossene Arbeiter haben keine Überlebenschance. Mehr als 580 Bergleute werden gerettet.

Februar 2005: Beim schwersten Grubenunglück in China seit Jahrzehnten kommen in der nordöstlichen Provinz Liaoning mindestens 214 Kumpel ums Leben. Auf ein Grubenbeben folgte eine Gasexplosion.

(APA/red)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Mehr als 280 Tote bei Grubenunglück: Empörung wächst - Trauer um tote Kumpel
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen