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Mega-Prozess gegen Karadzic

Dem heute 64-jährigen ehemaligen Präsidenten der bosnischen Serbenrepublik werden Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 in elf Fällen vorgeworfen.

Darunter sind zwei umfangreiche Fälle von Völkermord – das Massaker an bis zu 8000 muslimischen Bosniern im Sommer 1996 in der UN-Schutzzone Srebrenica sowie gezielte Massenmorde zur Vertreibung der muslimischen und kroatischen Bevölkerung aus den serbisch kontrollierten Orten Bosnien-Herzegowinas – damals bekannt und geächtet als ethnische Säuberung. Daneben wird Karadzic für gezielte Massenvergewaltigungen, Folter und Freiheitsberaubungen verantwortlich gemacht.

„Eindeutige Beweise“

Die Staatsanwaltschaft ist zuversichtlich, die Schuld des Angeklagten umfassend und überzeugend nachweisen zu können. „Wir haben ein entschlossenes Team von Staatsanwälten, das dem Gericht eindeutige Beweise präsentieren wird“, sagt der Chefankläger des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Serge Brammertz. Der mit Spannung erwartete Prozess beginnt am kommenden Montag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

409 Zeugen

Dem Bosnienkrieg fielen nach unterschiedlichen Schätzungen bis zu 200.000 Menschen zum Opfer. Der Prozess und eine Verurteilung Karadzics zur Höchststrafe – lebenslange Haft – sei für die Opfer und ihre Angehörigen „außerordentlich wichtig“, sagt der aus Belgien stammende UN-Chefankläger. „Man versteht das sehr gut, wenn man zum Beispiel mit einer Zeugin spricht, deren gesamte Familie ermordet wurde.“ Angesichts des enormen Umfangs und der großen Bedeutung des Verfahrens istkaum vor Ende 2012 mit einem Urteil zu rechnen. Die Anklage will 409 Zeugen gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher aufbieten.

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