Max Häusle: Richtig Fallen durch Hinfallen erlernen

Ob Werbedreh in Hollywood oder Tauchkurs - es muss Können gezeigt werden.
Ob Werbedreh in Hollywood oder Tauchkurs - es muss Können gezeigt werden. ©Privat
Rankweil - Der Rankweiler Max Häusle ist bis dato der einzige Österreicher, der im „British Stunt Register“ aufgenommen wurde. Er hat von Profis in Los Angeles gelernt und mit ihnen zusammengearbeitet.

Von: Bella Koeck (NEUE)

James-Bond-Filme liebte er schon als Kind. Immer und immer wieder hat er diese angeschaut. Im Laufe dessen hörte Max Häusle erstmals vom Beruf des Stuntmans. „Ich habe dann immer weiter darüber recherchiert und angefangen, auf diesen Beruf hin zu trainieren“, erzählt der Rankweiler.

Im heimischen Turnverein begann er beim Trampolinspringen, Stunts nachzustellen. Zudem war der gebürtige Feldkircher stets gerne draußen und hat da alles Mögliche ausprobiert: Fahrradschanzen wurden gebaut und natürlich überall herumgekraxelt. Dabei seien öfter mal ein Handgelenk, ein Fuß oder die Nase zu Bruch gegangen. „Meine Eltern fragten dann scherzhaft nach, ob ich noch genug Punkte auf meinem Zehner-Block fürs Röntgen hätte“, erinnert er sich und lacht. Auch eine unglücklich ausgegangene Partie Fangenspielen gehört zur „Bilanz der Katastrophen“ in der Volksschule – da hatte ein Zahn einer Mitschülerin in seiner Backe gesteckt. „Da staunten sogar die Ärzte, als sie das Röntgenbild gesehen haben.“

Bei ihm sei es wohl weniger der Ehrgeiz zu siegreichen Wettkämpfen gewesen, der ihn in Kindheitstagen beflügelt habe, sondern eher sein enormer Bewegungsdrang. Jedoch habe er Sport im Allgemeinen und den Leichtathletikverein im Speziellen stets gemocht. Nach der Sporthauptschule in Rankweil wechselte Häusle an die HTL in Bregenz. „Ich wollte ja Stuntman werden, und eine Voraussetzung für die damals einzige Stuntschule war eine abgeschlossene Ausbildung in einem technischen Beruf“, erklärt er seine Entscheidung für die HTL. Schade nur, dass es jene Stuntschule nach seinem Abschluss nicht mehr gegeben hat.

©Bild: Bella Koeck

Neues ausprobieren

Schulisch gesehen war Häusle ein „enfant terrible“, das dem Unterricht nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenkte. Das lag daran, dass er nebenher immer neue Sachen ausprobieren wollte. „So kam es vor, dass ich schon mal eine Woche ‚krank‘ gewesen bin, um einen Fallschirmkurs zu besuchen“, verrät er. Eine Klassenstufe zu wiederholen, sei jedoch für ihn nicht in Frage gekommen, da er so schnell als möglich fertig werden wollte, um eben seinem Traumberuf weiter nachgehen zu können.

Als 15-Jähriger hatte Häusle das erste Mal mit Stuntmen – Thomas Vogel und Peter Salzmann, die bei „Alarm für Cobra 11“ arbeiteten – zusammen trainiert. „Nach dem Bundesheer wurde ich in ein Schweizer Stuntteam aufgenommen, in dem ich viel lernen durfte.“ Der Gründer sei einige Jahre vor seiner Zeit nach Los Angeles ausgewandert und sei dort als gut gebuchter Stuntman etabliert gewesen, erinnert sich Häusle. Ein weiteres Schweizer Teammitglied sei ebenfalls nach L.A. ausgewandert. Das waren dann für ihn Ansprechpersonen, die ihm Kontakte vermittelten. Für einige Monate ging er deshalb nach Los Angeles, um mit Berufskollegen aus Hollywood zu trainieren und zu arbeiten.

„Nach der Zeit in Los Angeles konzentrierte ich mich dann voll und ganz auf das Training für das British Stunt Register und arbeitete hauptsächlich an deutschen Produktionen. Dabei habe ich mit einigen coolen Leuten, wie etwa Michael Bully Herbig und dem Rapper Cro, zusammenarbeiten dürfen“, erzählt Häusle. Besonders fasziniere ihn, dass kein Dreh wie der andere sei. „Ich kann mir eigentlich keinen anderen Beruf vorstellen, der so abwechslungsreich ist“, ist er sich sicher.

Richtig fallen

Das British Stunt Register wurde 1973 von führenden Stuntleuten in Großbritannien gegründet. Ziel ist es, einen Pool aus Stuntmen/ Stuntwomen sowie Stuntkoordinatoren und Second Unit Directors für Produktionen auf höchstmöglichem Standard zur Verfügung stellen zu können. Mit weltweit nur gut 300 Mitgliedern ist dies eine eng vernetzte Community. Max Häusle hat es als erster und bisher einziger Österreicher in das sogenannte UK-Stuntregister geschafft. „Die Aufnahme ins Register ist sehr aufwendig. Es gibt eine Auswahl an Disziplinen, von denen man sich sechs aussuchen muss.“ In diesen Disziplinen würden anschließend Prüfungen abgelegt beziehungsweise Lizenzen erworben.

Häusles Disziplinen waren Kickboxen (mindestens Braungurt), Klettern (Ausbildung zum Kletterinstructor in Großbritannien), Tauchen (mindestens ­Divemaster) sowie Prüfungen im Geräteturnen, Trampolinspringen und Zehn-Meter-Turmspringen. Zusätzlich mussten 60 Tage als Komparse oder Schauspieler vor der Kamera gearbeitet worden sein.

Obgleich Häusle schon vieles erreicht und einige internationale Erfolge gefeiert hat, ist es nach wie vor einer seiner größten Träume, einmal bei einem Bond-Film zu arbeiten. Durch die Aufnahme ins Stunt-Regis­ter sei er diesem Traum einen Riesenschritt nähergekommen. „Filme sind meine Leidenschaft und ich kann mir für die Zukunft kein anderes Berufsfeld vorstellen.“ Der 25-Jährige hat noch einiges vor. Die nächsten Jahre möchte er sich auf jeden Fall bei den großen Produktionen als Stuntman etablieren, so weiter die Welt bereisen und Neues entdecken. „Ich würde auch irgendwann sehr gerne mal selber einen Actionkurzfilm hier bei uns auf die Beine stellen, um zu zeigen, dass in Österreich gute Action möglich ist.“

©Bild: Privat

Bodenständigkeit

Trotz all dem ist der Vorarlberger bodenständig geblieben. Seit drei Jahren studiert er in Innsbruck Sportwissenschaften, schreibt gerade an der Bachelorarbeit. Zum Glück zählen für ihn seine Freundin, der Umgang mit Freunden und seine Familie. Es gebe nichts Besseres, als wirklich richtige Freunde um sich zu haben. Traurig mache ihn Neid. „Ganz besonders dann, wenn jemand den Menschen, die sowieso schon alles verloren haben, noch das letzte Hemd neidig ist.“

Welche Tipps kann der Stuntman Eltern geben, deren Sprösslinge das richtige Fallen erlernen wollen? Häusle betont, dass Bewegung das A und O ist. Ob im Sportverein oder privat – das mache keinen Unterschied. „Und richtig fallen lernt man durch fallen.“ Kinder sollten auf Bäume kraxeln und sich beim Skaten Schürfwunden holen. „Kinder halten einiges aus und sollten von den Eltern nicht vor jedem kleinen Risiko behütet werden.“ Für ihn sei es super gewesen, dass er seine Familie und viele Freunde hinter sich gewusst habe, die seinen ungewöhnlichen Berufswunsch stets unterstützt hätten.

Zur Person

Max Häusle geboren: 12. April 1993 in Feldkirch Wohnort: Rankweil Familie: Ledig Beruf: Stuntman und Student Hobbys: Natur, Sport jeglicher Art Motto: „Lass dir von absolut niemandem sagen, was du erreichen kannst und was nicht. Wenn man ein Ziel hat und mit Leidenschaft hart daran arbeitet, ist so gut wie alles möglich.“ An Vorarlberg schätzt er: Berge/Natur, alles in der Nähe, und dass man sich untereinander kennt. Feldkirch bedeutet für ihn: Lustige Abende/Nächte mit Freunden verbringen. Kontakt: max.haeusle@gmx.at Instagram: stuntmax.austria

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