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Mauer auf Zypern wird durchlässiger

29 Jahre nach der türkischen Militärintervention und der Teilung Zyperns bröckelt die „Mauer“ zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Mittelmeerinsel.

Die Behörden der nur von der Türkei anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“ erlauben von diesem Mittwoch an Besuche von Bürgern beider Teile im jeweils anderen, wie am Dienstag Medien beider Seiten übereinstimmend berichteten.

Die Teil-Öffnung gilt als Folge des starken Drucks, unter dem Türkenführer Rauf Denktas seit der Unterzeichnung des EU-Beitrittsvertrages durch den zypriotischen Staatspräsidenten Tassos Papadopoulos steht. Nach dem am 1. Mai 2004 wirksam werdenden Beitritt – völkerrechtlich tritt die ganze Insel der Union bei – wird das politische und rechtliche Regelwerk der EU in dem seit 1974 von türkischen Truppen besetzten Norden nicht gelten.

Die zypriotische Regierung will eine „neue Seite“ im Verhältnis zum türkischen Norden aufschlagen und eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um eine wesentliche Verbesserung des Lebensstandards der türkischen Zyprioten herbeizuführen. Das betonte Außenminister Georgios Iacovou in einem am Montag von der türkischen Zeitung „Radikal“ in Ankara veröffentlichten Interview. „Diese Maßnahmen stellen den Beginn einer neuen Politik dar“, betonte Iacovou. Sie sollen Anfang Mai bekannt gegeben werden.

Die Regierung in Nikosia plant unter anderem, den Export von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Norden über den griechischen Süden zu ermöglichen. Türkische Zyprioten sollen künftig im Süden arbeiten, Touristen sich frei zwischen den beiden Teilen der Mittelmeerinsel bewegen können und Abschlüsse von türkischen Hochschulen anerkannt werden.

Die UNO-Volksgruppen-Verhandlungen waren im März am Widerstand des Führers der türkischen Zyprioten, Denktas, gegen den Wiedervereinigungsplan von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gescheitert. Der Plan sieht einen Bundesstaat mit ungeteilter Souveränität aus zwei autonomen Gebietseinheiten für die griechische und die türkische Bevölkerungsgruppe vor.

Der griechische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Costas Simitis hatte am Samstag in Nikosia die Türkei zur Lösung der Zypern-Frage aufgerufen. Dies würde nach seinen Worten auch den Weg der Türkei in die EU ebnen. Die griechischen Zyprioten hatten Simitis als „Architekten“ des Beitritts Zyperns zur EU gefeiert. Simitis war auch mit Vertretern türkisch-zypriotischer Parteien, jedoch nicht mit Denktas zusammengetroffen.

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