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Matura und Covid: "Werden von der Regierung im Stich gelassen"

Die diesjährigen Maturanten haben es nicht leicht. Viele blicken mit Sorgen und Ängsten in die Zukunft.
Die diesjährigen Maturanten haben es nicht leicht. Viele blicken mit Sorgen und Ängsten in die Zukunft. ©Symbolfoto: APA
Die Schulen sollen erst am 24. Jänner wieder öffnen können. Vor allem die Maturanten kämpfen mit Sorgen und Ängsten, wenn sie einen Blick in die Zukunft - und vor allem ihren Abschluss - werfen.
Schulen wieder im Distance-Learning

Ursprünglich sollte der Präsenzunterricht an Österreichs Schulen mit Montag, 18. Jänner wieder aufgenommen werden. Nun verschiebt sich der Schulstart aber um eine Woche. Währenddessen begann am Donnerstag der Distance-Learning-Unterricht wieder. Für viele bedeutet das Stress und Ungewissheit. VOL.AT hat bei Vorarlberger Maturanten nachgefragt, wie sie der Reifeprüfung entgegensehen.

"Ein ungutes Gefühl"

Noah (19)

Noah (19) aus Dornbirn besucht die HAK Lustenau und sollte dieses Jahr die Reifeprüfung ablegen. Allerdings blickt er wegen der Corona-Pandemie mit Ängsten und Sorgen dem Abschluss entgegen. "Der Lockdown und die damit verbundene Verlängerung ist die einzig richtige Entscheidung, um die hohen Infektionszahlen herunterzubringen. Ich persönlich finde Lockdowns gut, wenn sie einen Sinn haben, bisher schien das alles aber ziemlich planlos abzulaufen. Auch das Freitesten hätte mir ganz und gar nicht gefallen, denn damit greifen sie meiner Meinung nach massiv in die Grund- und Freiheitsrechte der Bürger ein. Sie hätten damit Bürger bevorzugt, die sich testen lassen", so der Maturant.

"Ich habe natürlich auch einige Ängste und Sorgen bezüglich der Matura. Einerseits bringen wir in diversen Fächern den Stoff nicht durch der zur Matura kommt, andererseits schafft es das Bildungsministerium nicht uns zu informieren wie es nun aussieht", kritisiert Noah die aktuelle Situation. "Wir Maturanten haben mit dem 3. Lockdown nun zwei volle Monate Distance-Learning. Das kann doch nicht wahr sein, dass wir den gleichen Stoff zur Matura können müssen, wie alle anderen Maturanten, obwohl wir bisher praktisch 2 Monate weniger Schule hatten. Da fühle ich mich nach jetzigem Stand unwohl, wenn man bedenkt dass wir im 4. Schuljahr auch 4 bis 5 Monate im Home-Schooling waren und auch dort etwas an Stoff verpasst haben. Wir werden von der Regierung schlichtweg im Stich gelassen. Das finde ich ganz ehrlich gesagt eine Frechheit. Man weiß nicht was morgen ist, das ist echt ein ungutes Gefühl, vor allem für die Maturanten."

Es stellt sich die Frage, ob den Maturanten mit einer Verschiebung der Reifeprüfung geholfen wäre. "Verschiebungen bringen rein gar nichts. Hier braucht es gezielte Maßnahmen wie die Maturanten es vergangenes Jahr hatten. Beispielsweise nur Deutsch, Mathe und eine Fremdsprache zu maturieren. Das wäre für mich ein faires entgegenkommen seitens des Bildungsministeriums", erzählt Noah abschließend.

Angelina (18)

Angelina, 18, HLW Marienberg: "Sorgen und Ängste bezüglich Matura gibt es bei mir sehr wohl. zum Beispiel, dass wir den Stoff nicht durchbringen oder ihn niemand versteht. Wir sind jetzt seit März im Home-Schooling und hatten kaum Schularbeiten. Anfangs war alles ziemlich chaotisch, die Lehrer wussten nicht wie vielen Aufgaben sie uns geben konnten, jeder hat gefühlt zehn Arbeitsaufträge ins Netz gestellt. Jetzt ist zwar alles viel organisierter, allerdings wird es langsam richtig zäh. Mir fehlt die Motivation morgens aufzustehen und mich hinzusetzen. Hinzu kommt jetzt auch noch das Lernen nach dem Home-Schooling, da wir bald wieder Schularbeiten schreiben. Meine Klasse war in diesem Schuljahr insgesamt 6 Wochen in der Schule, im Oktober mussten wir zusätzlich noch 10 Tage in Quarantäne. Bei uns allen ist die Luft langsam raus."

Flora (18)

Flora, 18, BAfEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) Feldkirch: "Wir wollen wieder einen normalen Alltag, der Jugend wird einiges weggenommen durch die Corona-Pandemie. Anfangs war ich schon ein bisschen überfordert, weil wir die Arbeitsaufträge auf verschiedenen Plattformen bekamen. Vor allem in Mathematik war es für mich schwierig, den Stoff über Videokonferenzen zu erlernen. Grundsätzlich finde ich den Präsenzunterricht viel angenehmer, da Home-Schooling viel aufwendiger ist und die sozialen Kontakte fehlen. Da die Jahresnote in die Maturanote miteinbezogen wird, mache ich mir aber keine allzu großen Sorgen. Im Gegensatz zu den Maturanten vom vergangenen Jahr hatten wir allerdings viel weniger Schule, weshalb es eigentlich nur gerecht wäre, wenn man die mündliche Matura ausfallen lassen würde. Ich war dieses Jahr 8 Wochen in der Schule und hatte 6 Wochen Home-Schooling. Aber irgendwie wird das alles schon funktionieren. Ich bin zuversichtlich, dass im Sommer alles wieder besser wird."

Laura (19)

Laura, 19, Aufbaulehrgang (AUL) an der HLW Marienberg: "Die Maturanten fühlen sich im Stich gelassen. Wir hängen in der Luft und niemand weiß so richtig wie es weitergeht, ich habe große Ängste vor der Matura. Wir haben so viele Fragen, die uns niemand beantworten kann. Komen wir überhaupt durch das Schuljahr? Oder dürfen wir überhaupt zur Matura antreten? Findet die Matura überhaupt statt? Und falls ja, in welcher Form? Alles was man tun kann ist jetzt fleißig mitlernen und alle Aufgaben erfüllen, die von einem erwartet werden. Für mich ist das Home-Schooling extrem anstrengend. Zuhause lernt man viel weinger, man ist immer abgelenkt. Jeder Lehrer will einfach nur sein Fach durchbringen - das heißt, man sitzt doppelt so lange, wie in der. Wir bekommen sehr viele Arbeitsaufträge und fühlen uns gestresst. Ich war insgesamt 7 Wochen in der Schule. Die schriftliche Matura wurde bereits um ein paar Wochen verschoben - jetzt können wir auf diese zwar mehr lernen, aber dafür haben wir dann bei der mündlichen Matura das Problem, dass wir weniger Zeit zum Lernen haben. Das ganze Jahr war eine einzige Katastrophe für mich."

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(VOL.AT)

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