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"Marmaduke" - Lechzen nach der Lassie-Dame

Welpen sind total niedlich. Wächst so ein Fiffi aber zu Kalbsgröße heran wie die Dogge Marmaduke, ist schnell Schluss mit putzig. Erschwerend kommt hinzu, dass der tierische Antiheld der am 15. Juli anlaufenden Hundekomödie in den Flegeljahren steckt.
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Als seine Menschenfamilie aus der gemütlichen Provinz ins schicke Los Angeles umzieht, wo Herrchen eine Stelle als PR-Fachmann für Hundefutter antritt, wird der pubertierende Vierbeiner zur wandelnden Katastrophe.

Zuletzt zeigte der Erfolgsfilm “Marley & Ich”, dass Hundekomödien eine sichere Bank in Hollywood sind. Deshalb verwundert es eigentlich, dass die “Marmaduke“-Comics, eine amerikanische Institution, erst jetzt verfilmt wurden. Seit 1955 veröffentlicht der mittlerweile 86-jährige Zeichner Brad Anderson seine lakonischen Cartoons über die Macken einer dänischen Dogge. Regisseur Tom Dey (“Zum Ausziehen verführt”) reduziert den Witz der Vorlage leider auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Tierkomödiengenres: Vermenschlichung, Dauergequassel, und Sachbeschädigung.

Marmaduke, im Original stumm, labert in einem fort und wird zur schlichten Kopie eines unsicheren männlichen Teenagers, dessen Problemlagen aus zig Highschoolfilmen bekannt sind. Als Neuankömmling auf der Hundewiese wird er von der Außenseiter-Clique aufgenommen, würde aber lieber zur coolen Rassehunde-Gang gehören, die vom Macho-Rüden Bosco angeführt wird. Mit Hilfe von Hauskater Carlos, der wie die “Shrek”-Katze einen deftigen Latino-Akzent hat, profiliert er sich als unerschrockener Katzenjäger und pirscht sich an Boscos Freundin, die seidige Lassie-Dame Beverly an. Bis er erkennt, dass er der Falschen nachschnüffelt, geht sehr viel zu Bruch.

Mitsamt computeranimierten Hundesurfens und wilder Hauspartys in Herrchens Abwesenheit sind diese erzieherischen Lektionen zumindest für große Zuschauer so lustig wie Gassigehen bei Regen. Denn statt sich auf Situationskomik, Tiercharaktere und Dialogwitz a la “Mr. Dolittle” zu konzentrieren, versuchen die fantasielosen Drehbuchautoren angestrengt, eine familiengerechte Botschaft unterzubringen. So wird Herrchen sowohl von seinem obsessiv hundeliebenden Chef (der unterforderte Charaktermime William H. Macy) wie der vernachlässigten Familie unter Druck gesetzt und muss sich in einem dramatischen Showdown als Super-Daddy beweisen.

Furzwitze und ein brutales Katzenwerfen sind ebenfalls wenig geeignet, Sympathie für das treudoofe Riesenbaby Marmaduke hervorzurufen. Auch die deutsche Synchronisation – im Original vertont Owen Wilson aus “Marley & Ich” den schwer erziehbaren Wauwau – mit dem nölig klingenden Christian Ulmen erzeugt keine Heiterkeitsstürme. Kinder unter sechs Jahren werden hier gelegentlich was zum Lachen finden – Große aber dürfte die plump auf Turbulenz getrimmte Familienhundkomödie sowohl von der Anschaffung eines Hundes wie von Kindern abhalten.

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