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Mailänder Modesommer 2006

So italienisch waren die Mailänder Designer lange nicht mehr. Sie haben sich in ihren Männerkollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2006 auf ihr eigenes Vermächtnis besonnen: Ästhetik gepaart mit Lässigkeit.

Stil ist wieder in. Das machten die am Donnerstagabend zu Ende gegangenen Defilees der Milano Moda Uomo deutlich.

Wer könnte diese Tendenz besser umsetzen als Giorgio Armani? Der Mailänder Stardesigner revolutionierte in den achtziger Jahren die Männermode und wurde zum Synonym des italienischen Stils. Die von steifen Einlagen befreiten Sakkos, die kragenlosen Hemden, das T-Shirt zum Anzug – all seine Erfindungen tauchten in der Modenschau am Donnerstag wieder auf.

Armani inspiriert sich an Armani: Italienischer kann Mode nicht sein. Die Sakkos sind schlank, die Hosen fallen leger am Bein entlang. Verzichtet Armani auf die Krawatte, wählt er doch zumindest ein Einstecktuch. Er lässt konsequent die Strümpfe weg, die Füße stecken dafür in lässig-edlen Schuhen. Sein Farbbild kommt ohne Härten aus, alles fließt in Harmonie.

Doch wenn das Bild, das die sonst gern zu Übertreibungen neigenden Shows boten, auch gefällig war, so fehlte es an ganz neuen Impulsen, die sich die Besucher von dieser Art Veranstaltung eigentlich erhoffen. Überraschungen boten die Kollektionen vor allem im Detail.

So propagiert unter anderem Prada wieder den Anzug mit Dreiknopfsakko. Und das, obwohl die Branche gerade bemüht ist, dem Mann die kurze, knackige Zweiknopfvariante schmackhaft zu machen. Auch in ihrer am Abschlusstag vorgeführten jungen Linie Miu Miu schließt Miuccia Prada die Blazer wieder höher. Einige ihrer Hemden zeigte sie sommerlich ärmellos. Farbe taucht fast ausschließlich bei Mustern auf, ansonsten dominieren neutrale Töne.

Am Abend wechselt der Mann in die Smokingjacke und wählt dazu ein weißes T-Shirt. Akzente setzen Accessoires. So wird etwa unter die Krawatte ein um den Hals gebundenes Tuch geknotet. Das wichtigste Accessoire für die Messebesucher hingegen war ein kleiner Handventilator, der an den Eingängen zu den Shows verteilt wurde. So ließen sich die etwa 40 Grad Außentemperatur dann etwas besser ertragen.

Leinen, Seide, Baumwolle und zartes Sommerleder führen die Materialien an. Zwischen diese Natürlichkeit mischt sich hin und wieder ein Hauch von Technostoffen wie Nylon. Groß heraus kommt im nächsten Sommer der Seesucker, eine gerade an heißen Tagen sehr angenehm zu tragende, gekräuselte Baumwolle im typischen Streifenmuster. Zum Star der Laufstege avancierte der weiße Anzug, gern auch noch mit einem weißen Hemd kombiniert. Einhellige Meinung der Fachwelt: Wird sich bei den „Bleichgesichtern“ nördlich der Alpen sicher nicht durchsetzen.

Die Modehäuser, die sich in der neuen Saison an einem maritimen, mediterranen Leitbild orientieren oder die einen Jet-Set-Stil pflegen wie Roberto Cavalli und Valentino, kommen am großflächigen Weiß allerdings nicht vorbei. Das weitere Farbbild wird vor allem von Pastelltönen und anderen gebleichten Schattierungen beherrscht, ganz stark etwa bei Donatella Versace und ihrem Miami-Look. Offen getragene Hemden, Lederwesten auf nackter Haut, hier und da etwas dezente Transparenz präsentieren den Mann als Verführer.

Safarijacke und Polohemd wiederum weisen den Weg in eine eher hochwertige Sportivität. Strickoberteile ziehen sich durch praktisch alle Themenbereiche. Am Fuß verliert der Sportschuh an Bedeutung – der Mann trägt im Sommer 2006 Slipper und Mokassins.

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