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"Machen Schüler schon gymnasialreif"

Hauptschulen wie Doren sind stolz. Ihre Lehrer brauchen keine "kollegialen Aufpasser". Heinrich Vögel unterrichtet an der „Talente-Hauptschule“ Doren. Seit 30 Jahren.

Er hatte eben Schularbeit. Mathematik. „In der drittenKlasse, dritte Leistungsgruppe geh ich das ganz langsam an: Bruchrechnen, Zahlenstrahl . . .“

Heinrich Vögel unterrichtet an der „Talente-Hauptschule“ Doren. Seit 30 Jahren. Und „es macht mir immer noch Freude“. Jeden Herbst erwartet er „neue Gesichter, andere Klassen“. Nein, er würde nicht tauschen wollen.

Auswählen können

Wenngleich er die Unterschiede mitunter bedauert. Seine Tochter besucht die fünfjährige Tourismusfachschule in Bezau: „Die konnten aus 70 Anmeldungen 30 aussuchen.“ Das kann er nicht. Er will sich nicht beklagen. Aber die Kollegen am Gymnasium „würden sich anschauen“, wenn sie mit denselben Schülern

arbeiten müssten. Und doch haben er und seine Kollegen unter diesen Bedingungen seit jeher Schüler „gymnasialreif gemacht“: Die gingen dann in die HTL und in die HAK. Dass er das jetzt auf einmal nicht mehr können soll, will ihm nicht einleuchten.

Wunschfigur Turm

Vögel spielt gern Schach. Müsste er eine Figur verkörpern, wählte er den Turm. „Der Turm kann gerade ziehen. Er kommt spät zum Einsatz. Im Endspiel aber ist er eine Traumfigur.“

Wie wird wohl die Rolle der Hauptschulen aussehen im „Endspiel“ um die Gesamtschule? „Das werde ich nicht mehr erleben“, ist Vögel überzeugt und erleichtert. „Die Schulreform wird Jahrzehnte dauern.“ Aber auch er glaubt, dass sich die Hauptschule auf Dauer dem Wunsch der Eltern nach offizieller Gymnasialreife ihrer Kinder nicht wird verschließen können.

Zuhören ja, aber . . .

Und er hätte auch gar kein Problem damit, wenn Mathematiklehrer vom Gymnasium „mal zuhören, wenn wir Hauptschullehrer uns besprechen“. Wenn das „Vorarlberger Modell“ allerdings vorsieht, dass Gymnasiallehrer an die Hauptschule kommen und ihm sozusagen in der Klasse zur Seite stehen, dann ist das der einzige Augenblick im Gespräch, der das Lächeln in seinem Antlitz gefrieren lässt. „Bis jetzt haben wir das auch alleine hinbekommen“, sagt er knapp. Und er hätte als passionierter Schachspieler auch in dieser Partie lieber selber den ersten Zug getan. Nur leider hat diesmal ein anderer eröffnet.

ZUR PERSON

Heinrich Vögel

Beruf: Hauptschullehrer
Geboren: 2. März 1951 in Sulzberg
Ausbildung: Volksschule, Landwirtschaftliche Fachschule, Aufbaugymnasium Stams, PädAk
Laufbahn: ein Jahr Sonderschule in Bregenz, dann HS Doren

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