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Lovgate

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Seine Zeugung erfolgte an einem Freitagabend nach einem Seelenrosenkranz für die Klimakranken des letzten Monats, an dem der Schuster Franz als Mitglied der Sebastiansbruderschaft einerseits und die hübsche Dorle andererseits teilnahmen.

Er betete auf der Männerseite, sie fünf Reihen weiter vorne auf der Weiberseite, sodass er sie ständig von hinten beobachten und dabei still erschauern konnte. Amors Pfeil hatte ihn angebohrt. Dieser Umstand führte dazu, dass sein gemurmeltes „Gegrüßtseistdumariavolldergnade“ nicht als keusches Gebet zum Himmel aufstieg, sondern bei Dorle hängen blieb. „Den du o Jungfrau vom Heiligen Geist empfangen hast“, betete er. „Den du o Jungfrau vom Heiligen Franz empfangen hast“, dachte er. Die jungfräuliche Dorle wurde damit, an Stelle der heiligen Maria, unheiliges Ziel der Anbetung des Schuhmachers. Die freudenreichen Geheimnisse des Rosenkranzes machten ihm Lust: „Den du, o Jungfrau, im Tempel gefunden hast“, betete er. „Den du, o Jungfrau, in der Oberdorfer Kirche gefunden hast“, dachte er.

An Stelle der Vereinigung des Heiligen Geistes mit der Maria, war die Lust auf Vereinigung Franzens mit Dorle gerückt. Eine Kraft, der, selbst wenn tausend Höllen drohten, niemals zu widerstehen ist, fühlte Franz und es wuchs, was Sünde war. Und Dorle? „Gebenedeit unter den Weibern“? Dorles Gefühle sind bis heute nicht bekannt und können daher nicht berichtet werden.

Die betende Sebastiansbruderschaft aber, diese seltsame religiöse Vereinigung, der seit über hundert Jahren jeweils hundert Frauen und Männer angehören, bewirkte damit eine Schubumkehr des Keuschen hin zu der sich eine knappe Stunde später vollziehenden Zeugung eines kleinen Wesens.

Treiber Amor ausgeliefert suchten beide am Ende der Andacht eilig den Ausgang und nahmen sich stumm an der Hand, um die kirchliche Ferne zu suchen. Es war klar, was zu geschehen hatte. Der unmittelbar in der Nähe der Kirche sich befindliche Zanzenberg bot sich zum Samen-Download an. Sie eilten hinauf und taten das, wozu sie der Rosenkranz stimuliert hatte, auf feuchter Erde zwischen zwei großmächtigen Buchen voller Lust und Seligkeit solange, bis der Schuster Franz mit zwei mächtigen Grunzern den kleinen Tod (le petit mort) starb und damit zum Vater eines Wurms wurde: „Wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit“ sagte er und Dorle Dorli drauf: „Amen“.

Dem kleinen Wurm gaben sie den Namen Lovgate. Kaum geboren verbreitete sich der Wurm rasant. Er vervielfältigte sich selbst und gründete die W32/Lovgate family of bad worms that spread via email, network shares and filesharing networks. Little bad Lovgate erschien stets unverhofft zum Ärger des Besitzers. Und wenn er nicht gestorben ist, wurmt er noch heute. Der Volk sagt:„Da ist der Wurm drin!“

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