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"Loverboy": Prostitution statt erster Liebe

Warnung vor der "Loverboy"-Methode.
Warnung vor der "Loverboy"-Methode. ©apa/dpa
Bei der "Loverboy"-Methode spiegeln die Täter minderjährigen Mädchen eine Liebesbeziehung vor, treiben sie so in eine emotionale Abhängigkeit, um sie dann in die Prostitution zu führen. Oft entstehen diese vermeintlichen Liebesbeziehungen über soziale Netzwerke. In Deutschland bekommt das Thema nun erhöhte Aufmerksamkeit.

"Loverboys sind Zuhälter, die minderjährige Mädchen im Alter bereits ab zwölf Jahren in die Prostitution zwingen", zitiert der Gutachter Jürgen Antoni. "Loverboys sprechen von der großen Liebe, machen großzügige Geschenke, schleichen sich in den Freundeskreis ein, suchen sich ihre Opfer vor Schulen, in der Nähe von Jugendtreffs oder im Web. Opfer sind Mädchen aus ganz normalen Familien."

Täter meist junge ausländische Männer

Die Täter sind laut Antoni junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren, meist ausländischer Herkunft, die gezielt nach minderjährigen Mädchen suchen, um sich ihr Vertrauen zu erschleichen. Später erfolgt die Ausbeutung in Form von Zwangsprostitution.

Oft geben die vermeintlichen Freunde vor, sie seien existenzbedrohend verschuldet und bräuchten die Hilfe der Mädchen. Sie isolieren ihre Opfer Schritt für Schritt von Familie und Freunden. Wenn es den Mädchen und jungen Frauen oft erst nach Monaten oder Jahren gelinge, sich aus den emotionalen Fängen des "Loverboys" zu befreien, würden sie oft aus Angst und Scham keine Anzeige erstatten, so Antoni. Dementsprechend gebe es auch wenige Prozesse in dem Bereich.

Mädchen schützen Täter

Sandra Norak wurde bekannt für ihren Kampf gegen "Loverboys" und Prostitution. Sie glaubte an die große Liebe, doch ihr "Loverboy" machte sie zur Prostituierten. Sechs Jahre schaffte Norak für ihn an, dann konnte sie sich aus den heimtückischen Fängen des vermeintlichen Freundes befreien. "'Loverboys' sind Menschenhändler. Sie sind keine Freunde, sie sind keine Lebensgefährten, sondern sie sind Täter ...", warnt Norak in einem Bericht für den nordrhein-westfälischen Landtag.

Ein Kernproblem sei auch das bei vielen Betroffenen fehlende Opferbewusstsein. Sie betrachteten die Prostitution häufig als Freiwilligkeit. Das führe dazu, dass die Mädchen ihre Ausbeuter sogar schützten. "Eine Opferaussage zu bekommen ist hier nahezu unmöglich", sagt Norak. Wenn dann noch Drohungen und Gewalt durch den "Loverboy" und seine möglichen Gehilfen ins Spiel kämen, werde es noch schwieriger, eine Aussage zu bekommen.

Eltern, Betroffene und Sachverständige fordern bereits in Schulen die Aufklärung junger Mädchen über die "Loverboy"-Methode. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Meldungen von Opfern und Angehörigen gestiegen, heißt es in der Stellungnahme der Elterninitiative für "Loverboy"-Opfer. Betroffen seien junge Mädchen in Städten, aber auch Landkreisen. Der Gutachter Jürgen Antoni empfiehlt ein breit angelegtes Aufklärungskonzept in den Schulen schon ab der siebten Klasse.

(DPA/Red.)

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