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Londoner Kriminalitätsrate erschreckend

Die Kriminalität nimmt bedrohliche Ausmaße an. Prominente fürchten sich - Selbst Bürgermeister Livingstone fühlt sich in London nicht mehr sicher genug.

Dröhnende Schiffssirenen über der Themse, schaurige Schreie und die etwas blecherne Durchsage: „Hier spricht Edgar Wallace.“ So kennen Millionen im deutschsprachigen Raum London – nebelig, unheimlich und bevölkert von Dunkelmännern. Das Paradoxe ist: Als Edgar-Wallace-Filme wie „Der Hexer“ oder „Die toten Augen von London“ in den sechziger Jahren gedreht wurden, war die britische Hauptstadt ein im internationalen Vergleich sehr sicherer Ort. Heute, da der größte Ballungsraum Europas vor allem als bunte Trendmetropole bekannt ist, hat die Kriminalität bedrohliche Ausmaße angenommen.

Vor wenigen Tagen gab sogar Bürgermeister Ken Livingstone (57) zu:
„Ich fühle mich (hier) nicht so sicher wie in New York.“ Jeden Tag werden auf Londons Straßen 160 Menschen ausgeraubt. Im Szeneviertel Camden Town – das jährlich 14 Millionen Touristen anzieht – ist die Mordrate inzwischen genauso hoch wie in Johannesburg oder Moskau. Ende August suchten Touristen in Todesangst Deckung, als Killer aus einem Auto heraus das Feuer auf einen Mann eröffneten. Eine Straße in Hackney, dem gefährlichsten Pflaster von London, hat wegen zahlreicher tödlicher Schießereien den Beinamen „Mörder-Meile“ bekommen.

Auch Prominente bleiben nicht verschont. Zuletzt wurden aus der Wohnung der Popsängerin Björk (36) wertvolle Aufnahmegeräte gestohlen, während sie nebenan schlief. Bei Madonna (44) nahmen die Täter gleich noch den Wagen mit. Die Sängerin Geri Halliwell (30) lebt im Hotel, seit ihre Wohnung im Szene-Viertel Notting Hill ausgeraubt und die Wände mit obszönen Sprüchen beschmiert worden sind. „Denver-Biest“ Joan Collins (69) klagt: „Ich fühle mich nicht einmal sicher, wenn ich die paar hundert Meter von meiner Wohnung zum Friseur um die Ecke gehe.“

Liz Hurley (37), die auf der Straße von einer Jugendbande überfallen wurde, rät anderen Frauen: „Grundsätzlich Turnschuhe tragen!“ Dann könne man schnell wegrennen. Von den Politikern fordert das Model: „Wir brauchen dringend mehr Polizei auf den Straßen.“ Die Metropolitan Police, besser bekannt als Scotland Yard, hat 27.000 Bobbys für die Sieben-Millionen-Stadt – 40.000 müssten es nach Meinung der Polizei-Gewerkschaft eigentlich sein. Bürgermeister Livingstone hofft, die Polizeistärke in den nächsten vier bis fünf Jahren auf 35.000 aufstocken zu können.

Der „Rote Ken“ wünscht sich das London seiner Kindertage nach dem Krieg zurück, als Eltern ihre Kinder noch unbesorgt auf der Straße oder im Park spielen ließen. „Am beunruhigendsten finde ich, dass jetzt in mehr als der Hälfte aller Fälle, in denen die Polizei eine Sache vor Gericht bringen will, die Zeugen so viel Angst haben, dass sie die Aussage verweigern.“

Opernregisseur Sir Jonathan Miller (68) aus Camden fühlt sich an Charles-Dickens-Romane wie „Oliver Twist“ aus dem 19. Jahrhundert erinnert: „Schon damals gab es Gegenden in London, die man besser mied.“

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