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Loewy: "Parteinahme im Bürgerkrieg dient nur der Verlängerung"

Dr. Hanno Loewy, Direktor Jüdisches Museum Hohenems, zu Gast bei "Vorarlberg LIVE"
Dr. Hanno Loewy, Direktor Jüdisches Museum Hohenems, zu Gast bei "Vorarlberg LIVE" ©Screenshot VOL.AT
Dr. Hanno Loewy, Direktor des jüdischen Museums Hohenems, hat bei "Vorarlberg LIVE" am Montag über den gerade eskalierenden Nahost-Konflikt und Österreichs Solidarisierung mit Israel gesprochen.
Kurz hisst israelische Fahne

Er glaubt nicht, dass einseitige Loyalität in einem Bürgerkrieg irgendetwas hilft, meint Hanno Loewy im Gespräch mit Marc Springer, und spricht damit das Hissen der israelischen Fahne auf dem Bundeskanzleramt in Wien an. Wenn Österreich solidarisch mit den Menschen vor Ort sein will, dann soll es versuchen Vermittlungsbemühungen zu starten, ist Loewy überzeugt. Eine einseitige Parteinahme trage nur zur Verlängerung des Konflikts bei.

Wenn man unbedingt mehr Fahnen auf dem Bundeskanzleramt wolle, dann könnten dort ja auch die israelische und die palästinensische Fahne nebeneinander wehen, so der Direktor des jüdischen Museums Hohenems.

Das Problem des Staates Israel

Israel begreift sich, historisch begründet und verständlich, meint Loewy, als jüdischer Staat. Damit hat er sich ein Problem geschaffen, dass nicht lösbar sein wird. Israel muss es schaffen ein Staat für alle seine Bürger zu werden, auch die christlichen und muslimischen Teile der Bevölkerung. Der Konflikt wird weiter schwelen, solange die Frage wie die Menschen in der Region zusammenleben können, nicht angegangen wird. Dass die internationale Gemeinschaft die Lösung des Nahost-Konflikts nach wie vor in einer Zwei-Staaten-Lösung sieht, hält er für eine Fehleinschätzung

Als schlimm empfindet es Loewy, dass in Europa und der westlichen Welt eigentlich nur auf den Konflikt geachtet wird, und nicht darauf, was es in der israelischen Zivilgesellschaft religionsübergreifend an Kommunikation und Zusammenleben vielfach gibt.

Antisemitismus in Österreich

2020 haben sich antisemitische Übergriffe in ÖSterreich laut Statistik fast verdoppelt. Zwei Aspekte hebt Loewy im Interview dabei besonders hervor: Die Zahl der Übergriffe habe wohl auch deswegen zugenommen, weil die Aufmerksamkeit dafür stetig steige. Solange diese Aufmerksamkeit nicht einseitig auf bestimmte Teile der Gesellschaft gerichtet ist, sei das auch gut so.

Antisemitismus erlebe man in Zeiten des Krieges auf besonders wütende, manchmal auch gewaltsame Weise, was besonders gefährlich sei. Antisemitismus erlebe man aber immer wieder im Alltag, so Loewy. Mit Ressentiments gegenüber Juden in der Gesellschaft könne man aber leben, meint Loewy, wenn damit nicht auch noch politisches Kleingeld gemacht werde, spricht er die aktuelle politische Situation in Österreich an. Im Moment habe man in Österreich den Eindruck, dass es starke politische Kräfte gebe, nicht zuletzt in der Regierung, die das Thema Antisemitismus benutzt um Ressentiments gegen Migranten, Flüchtlinge oder Muslime zu pflegen. Das trage wiederum nur dazu bei den Konflikt zu schüren.

Die Sendung "Vorarlberg LIVE" ist eine Kooperation von VOL.AT, VN.at, Ländle TV und VOL.AT TV und wird von Montag bis Freitag, ab 17 Uhr, ausgestrahlt. Mehr dazu gibt's hier.

(VOL.AT)

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