Mindestens 84 Tote bei Anschlag in südfranzösischem Nizza

Behörden schlossen Anschlag nicht aus - TV-Sender: Mindestens 30 Tote.
Behörden schlossen Anschlag nicht aus - TV-Sender: Mindestens 30 Tote. ©Twitter
Der mutmaßliche Anschlag von Nizza mit Dutzenden Toten hat nach Worten von Frankreichs Staatschef Francois Hollande eindeutig einen terroristischen Hintergrund. Der "terroristische Charakter" des Angriffs könne nicht geleugnet werden, sagte der sichtlich erschütterte Präsident in der Nacht zu Freitag in einer Fernsehansprache. "Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht."
Nizza: Attacke am Nationalfeiertag
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Bei der Attacke mit einem Lastwagen auf Passanten in Nizza sind nach neuen Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen. 18 Menschen seien sehr schwer verletzt worden, sagte Cazeneuve Freitagfrüh in Nizza. Zudem gebe es rund 50 Leichtverletzte. Zuletzt war von über 80 Todesopfern die Rede gewesen Unter den Toten seien auch “mehrere Kinder”. In der Region um Nizza sei Terrorwarnstufe ausgerufen worden. Am Freitag um 9.00 Uhr soll das Sicherheitskabinett im Elyseepalast zusammenkommen.

Fahrer wegen allgemeiner krimineller Vergehen bekannt

Bei dem Lkw-Fahrer, der den Anschlag verübte, handelt es sich nach Angaben aus Polizeikreisen um einen 31-jährigen, in Tunesien geborenen Franko-Tunesier. Er sei der Polizei wegen allgemeiner krimineller Vergehen bekannt gewesen. Ins Visier der Geheimdienste sei er aber nicht geraten. Der Nachrichtensender BFMTV berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der Mann nicht politisch radikalisiert gewesen sein soll.

Hollande: “Geißel des Terrorismus”

“Wir müssen alles tun, um gegen die Geißel des Terrorismus kämpfen zu können”, sagte Hollande in seiner Fernsehansprache weiter. Der nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 verhängte Ausnahmezustand solle erneut um drei Monate verlängert werden, kündigte der Präsident an. Das Parlament solle darüber in der kommenden Woche entscheiden. Eigentlich hätte der Notstand Ende Juli auslaufen sollen. Hollande stellte zudem in Aussicht, den Kampf gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) im Irak und in Syrien zu verstärken.

Augenzeuge: “Absolutes Chaos”

Der weiße Lastwagen fuhr kurz nach Ende des Feuerwerks gegen 23.00 Uhr mit großer Geschwindigkeit in die Menschen, die sich auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais versammelt hatten. “Wir sahen, wie Leute getroffen wurden und wie Gegenstände umherflogen”, berichtete ein Augenzeuge. Die Menschen rannten in Panik auseinander. “Es war das absolute Chaos.” Auf der Uferpromenade lagen nach der Attacke Dutzende Tote aufgereiht, bedeckt von weißen Tüchern.

Fahrer erschossen – hatte Schusswaffe bei sich

Laut Staatsanwaltschaft riss der Lastwagen auf einer Strecke von zwei Kilometern Menschen um. Der Angreifer wurde erschossen. Fotos zeigten den Lastwagen mit durchschossener Windschutzscheibe. Auch die Reifen des Fahrzeugs waren durchschossen. Laut Hollande gebe es bisher keine Hinweise auf Komplizen.

In dem Lkw wurden Waffen gefunden. Regionalpräsident Christian Estrosi sagte, der Fahrer habe eine Schusswaffe bei sich gehabt, als er erschossen worden sei. In dem Lastwagen seien zudem “schwere Waffen” gefunden worden, sagte der konservative Politiker, ohne nähere Angaben zu machen. Mehrere Lokalpolitiker gaben gegenüber Medien an, der Täter hätte auch auf die Menge geschossen. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog umgehend die Ermittlungen zu der Attacke an sich. Ermittelt wird wegen terroristischer Morde und Bildung einer terroristischen Vereinigung, wie die Behörde mitteilte.

Regionalpolitiker Estrosi rief indes die Bürger auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. “Bleiben Sie bis auf weiteres daheim”, schrieb er auf Twitter. Auch die Präfektur des Departements Alpes-Maritimes rief die Bürger auf, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben. Der Tatort wurde weiträumig abgeriegelt.

Notrufnummer eingerichtet

Im französischen Außenministerium wurde indes eine Notrufnummer (+33143175646) für Angehörige eingerichtet. Das Soziale Netzwerk Facebook aktivierte eine Funktion, mit der Menschen in der Region ihren Freunden mitteilen können, ob sie in Sicherheit sind. Mit dem Schlagwort PortesOuvertesNice (offene Türen Nizza) können Internet-Nutzer nach Zuflucht in Nizza suchen. Unter anderem auf Twitter wurde der Hashtag in der Nacht zum Freitag tausendfach verbreitet.

Über Opfer vorerst nichts bekannt

Über die Opfer war vorerst nichts bekannt. Das Außenministerium in Wien steht laut APA-Anfrage mit der Botschaft in Paris und mit Nizza in Kontakt. Ob Österreicher von dem mutmaßlichen Anschlag betroffen waren, ist vorerst noch unklar.

International verurteilten Staats-und Regierungschefs die Tat. US-Präsident Barack Obama sprach von einem offenbaren “schrecklichen Terroranschlag” und bot Frankreich Unterstützung an. EU-Ratspräsident Donald Tusk zeigte sich erschüttert: “Wir stehen vereint mit den Menschen und der Regierung Frankreichs in ihrem Kampf gegen Gewalt und Terrorismus.”EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach von einem “Terror-Akt”.

(APA)

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