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Libanon: Syrien schließt Truppenabzug ab

Nach fast drei Jahrzehnten hat Syrien seine Militärpräsenz im Nachbarland Libanon am Sonntag praktisch beendet. Der letzte große Konvoi sollte das libanesische Gebiet noch im Laufe des Tages verlassen.

Das sagte ein syrischer Offizier am Sonntag. Einige wenige Soldaten würden noch bis zur offiziellen Abschiedszeremonie in der Bekaa-Ebene an diesem Dienstag im Land bleiben. Das Ende des Truppenabzugs soll dabei mit einer Militärparade begangen werden.

In einem Stützpunkt bei Deir el Ahmar im Bekaa-Tal, der letzten verbliebenen größeren Garnison, waren Soldaten nach Angaben von Augenzeugen dabei, Dokumente zu verbrennen und Gerät zu verladen. Ein Regierungsfunktionär in Damaskus sagte: „Innerhalb der nächsten Stunden werden alle Soldaten den Libanon verlassen haben. Was dann noch zurückbleibt, wird am Dienstag an der offiziellen Verabschiedung teilnehmen“. Diese findet in einem Stützpunkt im grenznahen Ort Rajal statt. Bei einem Appell libanesischer Einheiten soll die Rolle gewürdigt werden, die die Syrer in dem Land spielten, wie ein Offizier mitteilte.

Syrien war im September vergangenen Jahres vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgefordert worden, seine Militärpräsenz im Libanon zu beenden, die vor 29 Jahren während des libanesischen Bürgerkriegs begonnen hatte. Zum Zeitpunkt des Ratsbeschlusses waren 14.000 syrische Soldaten im Libanon stationiert. Die Vereinten Nationen und die USA drangen darauf, dass die Syrer vor der für den 29. Mai angesetzten libanesischen Parlamentswahl abgezogen sein müssten. Mit dem Abzug reagierte Syrien auch auf heftige Proteste der libanesischen Opposition und zunehmenden internationalen Druck nach der Ermordung des früheren libanesischen Regierungschefs Rafik Hariri am 14. Februar.

In der Grenzstadt Andschar, dem Sitz des Chefs des syrischen Militärgeheimdienstes im Libanon, schien am Sonntag noch alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Im Stützpunkt Deir el Ahmar jedoch rollten nach Augenzeugenberichten 15 Panzer auf Tieflader, Soldaten verbrannten Papiere, rissen Mauern ab und verluden Munition auf Lastwagen. Den Berichten zufolge waren am Samstag mindestens zehn syrische Stellungen im Nordteil des Bekaa-Tals geräumt worden. Dutzende Lastwagen transportierten Soldaten ab, auch mindestens 150 Panzerfahrzeuge mit angehängten Geschützen und Raketenwerfern passierten die Grenze nach Syrien.

Hariris Sohn Saad Hariri sagte am Samstag dem amerikanischen Fernsehsender CNN, er werde bei der Wahl Ende Mai kandidieren. Er beabsichtige, die Bestrebungen seines Vaters fortzuführen, der einen freien und unabhängigen Libanon angestrebt habe. Zugleich bekundete er „volles Vertrauen“ in von den UN geführte Ermittlungen über den Bombenanschlag in Beirut, der seinen Vater das Leben kostete.

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