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Libanon: Kämpfe zwischen Armee und Islamisten

Nahr al-Bared/Beirut - Die libanesische Armee und palästinensische Islamisten haben sich am Freitag um das Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Nordlibanon erneut Kämpfe geliefert.

Krankenhausangaben zufolge wurden zwei Soldaten leicht verletzt. Nach Darstellung der Armee eröffneten Kämpfer der Extremistengruppe Fatah al-Islam in der Früh das Feuer. Die Soldaten hätten daraufhin zurückgeschossen. Ein Armeesprecher dementierte Berichte, wonach die Streitkräfte die Stellungen rund um das Lager verstärkten, um Nahr al-Bared zu stürmen.

Begleitet von heftigem Artilleriefeuer rückten allerdings zahlreiche Panzer der libanesischen Streitkräfte auf das palästinensische Flüchtlingslager bei Tripoli vor. Dort halten sich seit 13 Tagen Mitglieder der islamisch-fundamentalistischen Miliz Fatah al-Islam verschanzt. Am Nordrand des Lagers wurden rund 50 Schützenpanzer und Kampfpanzer in Stellung gebracht. Über dem Lager stiegen dichte Rauchwolken auf, Brände brachen aus.

Der Fernsehsender LBC berichtete, Soldaten hätten versucht, das Büro der Fatah al-Islam im Nordosten des Lagers einzunehmen. Kabinettsminister Ahmed Fatfat erklärte im Sender Al-Arabiya, Soldaten seien unter Beschuss von Heckenschützen geraten und hätten darauf reagiert. Die Stellungen der Heckenschützen seien offenbar zerstört worden. Ein an der Aktion beteiligter Soldat sagte, die Einheit befinde sich im Häuserkampf und rücke langsam vor. Der palästinensische Gesandte im Libanon, Abbas Saki, äußerte nach einem Treffen mit Ministerpräsident Fouad Siniora die Hoffnung, dass die Miliz zur Kapitulation gebracht werde.

Ein AFP-Reporter berichtete, die Armee halte Journalisten von den Lagereingängen fern. Am Donnerstagabend hatte Armeekommandant Michel Suleiman die Stellungen der Soldaten besucht.

Die rund 250 Mitglieder der islamisch-fudamentalistischen Miliz halten sich in den engen Gassen des Flüchtlingslagers verschanzt. Nach drei Tagen schwerer Kämpfe wurde eine Waffenruhe vereinbart. Dennoch kam es seitdem täglich zu sporadischen Schießereien.

Die libanesische Regierung sagt der Gruppe, die sich erst im vergangenen Jahr formiert hatte, Verbindungen zur früheren Ordnungsmacht Syrien nach. Die Ideologie der sunnitischen Extremisten ist mit dem Gedankengut des Terrornetzwerkes Al-Kaida vergleichbar. Die Regierung hat die militanten Islamisten aufgefordert, sich zu ergeben. Die Armee darf auf Grund eines Abkommens aus dem Jahr 1969 das Palästinenser-Lager nicht betreten. Die Lage sei schwierig, meinte ein Geistlicher, der zusammen mit anderen zwischen beiden Seiten vermittelt.

Seit Ausbruch der Kämpfe am 20. Mai wurden rund 60 Milizionäre, 32 Soldaten und mindestens 20 Bewohner des Lagers getötet. Von den rund 40.000 Bewohnern des Palästinenser-Lagers sollen sich noch etwa 6.000 dort aufhalten. Viele der Geflohenen sind nun im nahe gelegenen Beddawi-Camp, wo Hilfsorganisationen die Menschen versorgen.

Die internationale Hilfsorganisation CARE zeigte sich in einer Aussendung besorgt über das Schicksal der Flüchtlinge, die in dem umkämpften Palästinenser-Lager zurückgeblieben sind – meist Alte, Kranke und Behinderte. Nahrungsmittel und Wasser zu den Zurückgebliebenen zu bringen, sei ein riskantes Unterfangen geworden. „Die Müllberge werden immer höher und die Gefahr von Seuchen nimmt damit stark zu“, so Harriet Dodd, die Leiterin von CARE Jordanien, von wo aus die Hilfsmaßnahmen koordiniert werden.

Am Donnerstag wurden 20 festgenommene Fatah-al-Islam-Kämpfer des Terrorismus angeklagt. Ihnen droht die Todesstrafe.

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