Libanon bittet "ganze Welt" um Hilfe

Der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora hat die internationale Gemeinschaft um Unterstützung bei der Entwaffnung der schiiten Hisbollah-Miliz gebeten.

„Die ganze Welt soll uns helfen, die Hisbollah zu entwaffnen“, sagte der sunnitische Premier der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Donnerstag. „Die Hisbollah ist ein Staat im Staat geworden. Wir wissen das sehr wohl, und es ist ein großes Problem.“ Es sei „ein offenes Geheimnis“, dass die pro-iranische Organisation „sich nach den politischen Vorstellungen aus Damaskus und Teheran richtet“. Der Libanon sei zu schwach, um sich gegen die syrische Vorherrschaft zu verteidigen.

Vor einer Entwaffnungsaktion müsse Israel seine „verbrecherischen Bombardierungen“ des Libanon einstellen, sagte Siniora. „Solange die Angriffe andauern, können wir nichts tun, und die Lage wird nur noch schlechter.“ Mit ihren Angriffen auf Zivilisten treibe Israel der Hisbollah nur neue Sympathisanten zu. Selbst Teile der libanesischen Bevölkerung, die den Milizen sonst nichts abgewinnen könnten, sympathisierten inzwischen mit der radikalen Bewegung.

Angesichts der anhaltenden israelischen Luftangriffe auf den Libanon hat die EU-Kommission zehn Millionen Euro Soforthilfe für die Versorgung der Bevölkerung zugesagt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Durao Barroso erklärte am Donnerstag bei einem Besuch in der finnischen Stadt Pori, die EU wolle ihre „Solidarität mit den Zivilisten zum Ausdruck bringen, die unter diesem furchtbaren Konflikt leiden“. Barroso hielt sich zu Gesprächen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Matti Vanhanen in Pori auf. Finnland führt derzeit den EU-Ratsvorsitz. Mit bilateralen Hilfen ihrer Mitgliedstaaten, Zuschüssen aus dem Gemeinschaftshaushalt und Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB) ist die EU der wichtigste Geber des Libanon. Das Assoziationsabkommen zwischen dem Libanon und der Europäischen Union trat im April in Kraft. Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik (V) sagte am Mittwoch in Liechtenstein, die EU sei „diplomatisch voll engagiert“, um an der Lösung des Konfliktes mitzuwirken.

Frankreich hat unterdessen die von Staatspräsident Jacques Chirac angekündigten humanitären Flüge mit Hilfsmaterial für den Libanon begonnen. Ein Flugzeug mit 40 Stromaggregaten, medizinischem Gerät, Medikamenten, einer Anlage für Wasseraufbereitung und Lebensmitteln war am Donnerstag auf dem Flug nach Larnaka auf Zypern. Unter den etwa 50 Passagieren sind Ärzte und Rotkreuzmitarbeiter.

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