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Leiche Abu Nidals angeblich gefunden

Der weltweit gesuchte palästinensische Top-Terrorist Abu Nidal (65) ist nach einem palästinensischen Zeitungsbericht tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.

Die Tageszeitung „Al Ayam“ (Ramallah) meldete am Montag, der Führer der Terrorgruppe „Fatah-Revolutionärer Rat“ habe offenbar Selbstmord begangen. Dafür gab es von palästinensischer Seite keine offizielle Bestätigung.

Die Gruppe „Fatah-Revolutionärer Rat“ von Abu Nidal, die einst vom US-Außenministerium als „gefährlichste Terrororganisation mit dem weitesten Aktionsradius“ charakterisiert worden ist, wird für Anschläge in mehr als zwanzig Ländern, darunter auch für die Ermordung des Wiener SPÖ-Stadtrats und Präsidenten der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft, Heinz Nittel, am 1. Mai 1981, das Attentat auf die Wiener Synagoge mit zwei Toten im August 1982 und die Anschläge in den Flughäfen von Wien und Rom (Dezember 1985) verantwortlich gemacht.
Abu Nidal („Vater des Kampfes“), mit bürgerlichem Namen Sabri al Banna, war 1973 aus der von Yasser Arafat geführten stärksten PLO-Teilorganisation „Fatah“ ausgeschlossen und von einem PLO-Gericht in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden. Nach der Anerkennung des Existenzrechts Israels durch die Palästinensische Befreiungsorganisation hatte Abu Nidal zur Ermordung Arafats aufgerufen, dem er „Hochverrat“ am palästinensischen Volk und an der arabischen Welt vorwarf. Geboren wurde Abu Nidal vermutlich in Jaffa. Nach der Gründung des Staates Israel floh seine Familie nach Gaza.

Der Anschlag der Abu-Nidal-Gruppe auf den israelischen Botschafter in London, Shlomo Argow, der das Attentat als Krüppel überlebte, bot Israel 1982 den Anlass für seine Libanon-Invasion. Prominentestes Mordopfer Abu Nidals innerhalb der PLO war Issam Sartawi, Träger des Kreisky-Menschenrechtspreises, der Kontakte zur israelischen Linken unterhielt und 1983 während einer Tagung der Sozialistischen Internationale (SI) in Portugal im Kugelhagel von Attentätern starb.

1987 wurde Abu Nidal aus Syrien, einige Jahre später aus Libyen ausgewiesen. Der Iran und der Sudan hatten wiederholt bestritten, ihm Unterschlupf gewährt zu haben. Nach französischen Geheimdienstinformationen hat Abu Nidal mehrere arabische Golf-Monarchien erfolgreich erpresst, die ihm, um von Anschlägen verschont zu bleiben, hohe Geldsummen zur Verfügung gestellt haben sollen. 1998 hatte es geheißen, der Führer der Terrorgruppe leide an Leukämie und werde in Ägypten behandelt. US-Regierungsbeamte hatten die Vermutung geäußert, Abu Nidal sei bei Saddam Hussein im Irak untergetaucht.

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