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Lehre in Sachen Soziales

Oliver Natter fordert seine Schüler auch außerhalb der Klasse.
Oliver Natter fordert seine Schüler auch außerhalb der Klasse. ©VOL.At/Philipp Steurer
Der Berufsschullehrer Oliver Natter setzt sich mit seinen Schülern für die Schwächsten ein.

„Ich bin Idealist. Es ist mir ein Anliegen, den jungen Leuten soziales Bewusstsein beizubringen“, antwortet der Berufsschullehrer Oliver Natter auf die Frage, warum er seine Schüler für soziale Projekte begeistern will. Mit seiner Klasse besuchte er vergangenen Mittwoch junge Flüchtlinge in der Caritas-Zentrale in Feldkirch. Die Asylwerber erzählten von ihren Erlebnissen in ihrer Heimat und dem Gefühl, allein in einem fremden Land zu sein. Umgekehrt berichteten Olivers Schüler von ihren Lehrberufen. Oliver hofft, den Lehrlingen etwas mehr Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Menschen zu vermitteln.

„Gutmensch“ und „Snob“

Oliver unterrichtet seit 14 Jahren an der Berufsschule Dornbirn Rechnungswesen, Wirtschaftskunde, politische Bildung und Englisch. Mit seiner Arbeit ist er glücklich. In Innsbruck studierte Oliver Betriebswirtschaft und Politikwissenschaft. „Bei den BWL-Studenten war ich der linke Gutmensch, bei den PoWi-Studenten der Snob“, sagt Oliver und lacht. Nach dem Studium wollte er in einer Bank arbeiten. „Eine Professorin ermutigte mich aber, Lehrer zu werden – die Entscheidung habe ich nicht bereut.“

Lehrlinge voll dabei

Vor zwei Jahren begann der Vater von drei Kindern sich mit seinen Schülern bei der youngCaritas zu engagieren. Warum? „In der Generation, die ich jetzt unterrichte, war ‚Behinderter‘ ein Schimpfwort – das kann nicht sein. Deshalb wollte ich sie mit Menschen mit Behinderung zusammenbringen.“ Seitdem wird jedes Jahr gemeinsam gebastelt. Der Elan, den einige seiner Schützlinge bei den Projekten an den Tag legen, überrascht Oliver immer wieder. „Die Klasse ist bunt gemischt und nicht immer leicht zu unterrichten. Aber draußen sind gerade die schwierigsten Schüler oft die liebsten und engagiertesten im Umgang mit anderen Menschen.“

Hilfe für Armenien

Derzeit liegen ihm vor allem zwei Projekte am Herzen: Die Armenien-Hilfe und ein Sozialzertifikat für Lehrlinge. „In Armenien ist die Situation für Menschen mit Behinderung schlecht. Die Caritas unterstützt ein Tageszentrum, in dem 30 Kinder betreut werden. Momentan herrschen in dem Land –30 Grad – das macht den laufenden Betrieb sehr teuer. Zudem platzt das Heim aus allen Nähten. Ein Neubau muss her.“ Die Jugendlichen verteilten deshalb im Messepark Kaffeegutscheine. An einem Nachmittag sammelten sie so 617 Euro für das Tageszentrum in Armenien. Mit dem Sozialzertifikat will Oliver allen Lehrlingen soziale Themen nahebringen. „In Workshops sollen sie Vorurteile hinterfragen. Indirekt verbessern sie ihre Teamfähigkeit und Kommunikation – Fähigkeiten die sie überall brauchen können.“

Zur Person

Oliver Natter Geboren: 22.12.1972 Wohnort: Wolfurt Familie: verheiratet, drei Kinder Beruf: Berufsschullehrer

(VN/wp)

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