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Leben unter Denkmalschutz

Ein Haus mit viel Geschichte und eine Aussicht wie im Bilderbuch. Hermann Boss ließ sich vom Reiz des Alten verzaubern.

Hätte er für sich ein Haus gebaut, würde er „sehr modern“ wohnen. DI Hermann Boss logiert auch jetzt nicht schlecht, aber eben weniger modern. Zumindest von außen betrachtet. Immerhin schlummern in den Mauern seiner Herberge an der Bregenzer Inselstraße ehrwürdige 323 Jahre. Außerdem steht das Objekt unter Denkmalschutz. Die Tatsache, dass es sich um einen der wenigen erhaltenen und nachweisbaren Profanbauten der Barockbaumeister Johann Georg und Michael Kuen handelt, rechtfertigt laut Denkmalamt seine Erhaltung. Auch Hermann Boss hat sich vom Reiz des Alten verzaubern lassen.

Doch was heißt in diesem Fall schon profan. Der dreistöckige, steingemauerte Komplex mit seinen Giebeln strahlt dank mustergültiger Renovierung hoheitsvolle Würde aus. Und er hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Haus diente zuerst als Spital, dann wurde die Stadtkaserne dort eingerichtet. Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm schließlich die Finanzverwaltung das Gebäude. Vor vier Jahren dann begann der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser das Familiensilber der Republik zu verscherbeln.

Auch das Haus Inselstraße 8 in Bregenz stand zum Verkauf. Hermann Boss legte ein Angebot und erhielt den Zuschlag. „Ich baue sehr gerne Neues“, versichert der Architekt. Aber: „Alte Bauten haben ein Flair, das man bei neuen nie herbringt.“ Abgesehen davon erledigte sich damit die Frage, etwas Eigenes errichten zu müssen. „Das war auch von Vorteil“, meint Boss.

Relativ unkompliziert

Mit dem Umbau fackelte er nicht lange. Schon nach knapp sechs Monaten konnte er in das ausgebaute Dachgeschoss einziehen. Hier liegt ihm in geradezu atemberaubender Weise der See buchstäblich zu Füßen. Auch ein Blickfang sind die alten Holzbalken, um die herum Hermann Boss seine Vorstellungen von modernem Wohnen wenigstens in kleinem Stil realisieren konnte. Da keine großen baulichen Veränderungen anstanden, gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt relativ unkompliziert. „Das Dachgeschoss sollte zwar im Urzustand erhalten bleiben, aber dann wäre es nicht bewohnbar gewesen“, erzählt Hermann Boss. Schließlich durfte er doch Zwischenwände einziehen und Wandverbauten vornehmen.

Lohnende Kompromisse

Ein weiteres Zugeständnis war der Einbau eines Lifts. Kein Luxus in Anbetracht von neun Wohnungen und dem steten Ruf nach Barrierefreiheit. Im Gegenzug akzeptierte der Bauherr die Gaupen so wie vom Bundesdenkmalamt vorgeschrieben. Wiewohl ihm eine moderne Variante zugegebenermaßen lieber gewesen wäre. „Aber in solchen Dingen muss man Kompromisse eingehen“, sagt Hermann Boss. Es hat sich gelohnt.

ZUR PERSON

DI Hermann Boss Geboren: 24. Februar 1964 in Bregenz
Wohnort: Bregenz
Beruf: Architekt
Hobbys: Architektur, Reisen, Golfen

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