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Lauberhorn "fuchst" und gibt Abfahrtselite Aufgaben auf

4.465 Meter Ideallinie auf dem Lauberhorn liegen für die Elite bereit und rund ein Dutzend Anwärter auf den Abfahrtssieg am Samstag hofft auf den großen Coup. Die Favoritenrolle allerdings will niemand haben, das Gros übte sich im Abschlusstraining in vornehmer Zurückhaltung und ließ unbeantwortet, ob gewollt oder ungewollt.

Und nach der Kombiabfahrt gab es viele ratlose Gesichter. Das österreichische Skiteam ist nach dem Debakel 2009 in Wengen auf Wiedergutmachung aus, der 18. Platz aus dem Vorjahr durch Georg Streitberger als beste rot-weiß-rote Platzierung soll ein Ausrutscher gewesen sein.

Die Schweiz spielt beim großen Klassiker mit Didier Cuche, Didier Defago und Carlo Janka ein Trio aus, Österreich versucht mit Michael Walchhofer, Klaus Kröll und Mario Scheiber dagegen zu halten, Italien hofft auf Peter Fill und Werner Heel, die USA auf den wiedererstarkten Bode Miller, der Slowene Andrej Jerman möchte seinen Bormio-Erfolg bestätigen, der Schwede Hans Olsson darf sich vielleicht Außenseiterchancen ausrechnen. Miller hat auf dem Lauberhorn 2007 und 2008 die Abfahrt gewonnen, im Vorjahr (17. Jänner) landete er hinter Defago an zweiter Stelle, es war zugleich sein bisher letzter Podestrang im Weltcup. Nach der Bestzeit auf der verkürzten Kombiabfahrt ist er für Samstag brandgefährlich.

“Es bringt nichts, im Training Bestzeit zu fahren, man muss so viel tun und fürs Rennen perfekt vorbereitet zu sein”, sagte Walchhofer und damit einer, der es wissen muss. Trotz jeweils einer Trainingsbestzeit vor den bisherigen Saison-Abfahrten hat es mit dem Sieg im Olympiawinter in dieser Disziplin noch nicht geklappt, die Plätze 4, 5, 5 und 3 gilt es zu toppen. Ein verpatztes Abschlusstraining gibt aber auch einen Walchhofer zu denken (“Ich bin beunruhigt. Aber mich beunruhigt öfters was und deshalb beunruhigt es schon wieder nicht mehr”), und der Faststurz in der Kombi war auch nicht gerade das, was man Selbstvertrauentanken nennt.

“Es hat mir den Ski verschlagen und ich bin auf dem Schuh ausgerutscht. Das ist natürlich nicht die schnellste Lösung. Es hat mich hier jetzt dreimal nicht richtig mögen, es fuchst noch ein bisserl. Und leichter wird es auch nicht werden”, sagte der 34-Jährige, der im ersten Training gestürzt war. Vor einem Jahr hat der Salzburger nach einem “fatalen Fehler” beim Brüggli-S (Kernen-S) nur den 26. Platz belegt. “Da habe ich richtig abgekristelt. Das Brüggli-S ist meine wichtigste Passage. Das muss ich entsprechend gut erwischen und vor allem den Schwung mit raus nehmen. Das ist meine persönliche Schlüsselstelle.” Es sage im Vorhinein aber wenig, ob man Favorit sei oder nicht.

Während die Österreicher davon sprechen, dass es “in erster Linie” (Walchhofer) die Schweizer seien, die es auf ihrem Heimterrain zu schlagen gilt, spielen die Eidgenossen den Ball liebend gerne zurück. Sicher, mit zwei Saisonsiegen und weiteren vier Podestplätze gegenüber einem zweiten und einem dritten Platz für den ÖSV ist das ein Leichtes. Von den Schweizer Topfavoriten hielt im Kombi-Speedbewerb nur Janka als Zweiter hinter Miller mit, Cuche hatte eineinhalb Sekunden Rückstand und wollte erst einmal “analysieren”, Defago hatte mehr als zweieinhalb aufgebrummt bekommen. Eine niedere Startnummer am Samstag ist sicher ein Vorteil, da sind sich die Topleute einig, doch auch einige hohe Nummern fuhren am Freitag noch vorne rein, was die Verwirrung mancherorts perfekt machte.

“Leider ist es nicht nur das Lauberhorn, das mir in meiner Sammlung noch fehlt. Darum will ich mir auch nicht den Kopf zerbrechen, ob es geht oder nicht. Man braucht auch Glück und es sind viele Athleten da, die etwas dagegenhaben, dass ich da vorne lande”, sagte Cuche, der aber vor allem auch seinen engeren Landsmann Defago als großen Konkurrenten nennt: “Natürlich auch Didier, der hat sicher eine große Chance, er fährt auch sensationell seit Bormio.”

Für Cuche ist “Langentrejen” nach dem “Kernen-S” und vor dem Hanneggschuss eine entscheidende Passage, dort sind zum Bedauern der Rennläufer keine Kameras installiert, mittels Helikopter werden heuer Bilder geliefert. “Da sind fünf, sechs Kurven hintereinander, vor zwanzig oder mehr Jahren ist es dort mehr oder weniger geradeausgegangen bis zum Hanneggschuss. Aber es ist nicht nur diese Stelle, es gibt viele zum Zeitgutmachen und leider auch zum Zeitverlieren.”

Eine persönliche Rechnung mit der Lauberhornabfahrt offen hat Klaus Kröll, der sich im Vorjahr im Training einen Handwurzelknochenbruch zugezogen hat und im Rennen gleich beim ersten Tor ausrutschte. Nach einer bisher nicht optimal verlaufenen Saison hat er jetzt wieder das richtige Gefühl. “Ich spüre es wieder, es ist wieder wie im Vorjahr. Es wird ein schwieriges Rennen, das ist sicher. Es ist nicht nur die Länge, sondern auch die Piste. Es wird unruhig werden. Und je besser man drauf ist, desto besser übersteht man dann auch schwere Sachen.” Kröll nutzte die Kombiabfahrt zum Training, der 22-jährige Joachim Puchner als Sechster war bester Österreicher.

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