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Langes Warten auf Notarztheli

Nenzing, Bregenz - Durch einen Fehler beim Notruf musste eine Verletzte am Schillerkopf bei Nenzing wegen eines "Zahlendrehers" bei einer Telefonnummer 90 Minuten auf Hilfe warten.

Der simple “Zahlendreher” hat in den vergangenen Tagen ziemlichen Wirbel in der Landeswarnzentrale ausgelöst. Die Ursache: ein missglückter Rettungseinsatz in Nenzing. Es war ein Notruf, wie er in Vorarlberg zigmal im Jahr vorkommt: ein Alpinunfall in unwegsamem Gelände. So geschehen Samstagmittag, als eine 14-jährige Lindauerin mit einer Gruppe des Alpenvereins auf dem Schillerkopf bei Nenzing unterwegs war und sich schwer verletzte – die „VN“ berichteten. „Das Mädchen stürzte drei Meter tief in freiem Fall und rutschte anschließend 50 Meter über ein Geröllfeld“, hieß es seitens der Polizei. Zunächst bestand der Verdacht auf schwere Kopfverletzungen, was sich zum Glück nicht bestätigte. Die Schülerin liegt mit einem Beckenbruch im LKH Feldkirch. Der Einsatz war eigentlich eine Routinealarmierung, doch der Notruf am Schillerkopf verursachte viel Aufregung am Samstag und Klärungsbedarf im Nachhinein. Beim Alpenverein in Lindau wundert man sich, warum es so lange dauerte, bis der Rettungshelikopter landete. Laut dem Leiter der Jugendgruppe, Klaus Harder, der die Bergsteiger begleitete, vergingen ca. 90 Minuten, bis Hilfe am Unglücksort eintraf. In Gestalt des Eurocopters „C5“ aus Tirol, nicht in der des praktisch vor der „Haustür“ des Schillerkopfs stationierten „C8“.

Fehler bei Übermittlung

90 Minuten warten – ein extremer Unterschied zu den maximal 15 Minuten, die sonst üblich sind. Wertvolle Zeit, in der es im schlimmsten Fall um ein Menschenleben geht. Die „VN“ fragten den Leiter der Landeswarnzentrale Bernhard Kiener nach den Ursachen für die missglückte Rettungsaktion. „Der Notruf ist über die Nummer 112 bei der Polizeibezirksleit- stelle in Bludenz eingegangen, nicht direkt bei der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle. Offenbar ist dann bei der Übermittlung der Daten von der Polizei an die Leitstelle in Feldkirch ein Zahlendreher bei der Handynummer der Alpinistengruppe passiert. Der Einsatzort ist nicht ganz klar gewesen und die Gruppe war nicht erreichbar. Das Ganze ist sehr bedauerlich, wir sind derzeit dabei, der Sache auf den Grund zu gehen. Dazu werde ich auch in den nächsten Tagen den Fall mit der Polizei auswerten“, so Kiener.

Fieberhafte Suche

Während das verletzte Mädchen am Schillerkopf auf Hilfe wartete, versuchten die Mitarbeiter der Leitstelle in Feldkirch fieberhaft, den Aufenthaltsort der Gruppe herauszufinden, auch die Bergrettung rückte zur Suche aus. „Nach etwa einer Stunde meldete sich der Begleiter der Jugendlichen dann wieder per Handy und wir konnten den Tiroler Helikopter schicken, der „C8“ war gerade in einem anderen Einsatz“, schildert Kiener. Bis zum Eintreffen des „C5“ aus Zams vergingen abermals 20 Minuten. Man müsse genau klären, wie man solche Fehler in Zukunft vermeiden könne. „Es ist nicht überall in den Leitstellen Standard, dass ein ausführliches automatisches Protokoll vom Anruf erstellt wird, in dem die Handynummer gespeichert und abrufbar ist“, so der Chef der Landeswarnzent­rale. Er sehe die Möglichkeit, an diesem Punkt anzusetzen und Verbesserungen zu erreichen. „Klar ist aber auch, dass wir über 100.000 Einsätze im Jahr abwickeln, dieser Fall ist eine negative Ausnahme.“

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