Landschaftsraum im Dorf

Hineingeschnitten die Terrasse erweitert den Wohn- Essraum und schafft Verbindung zum Garten.
Hineingeschnitten die Terrasse erweitert den Wohn- Essraum und schafft Verbindung zum Garten. ©Cyril Müller
Lingenau. Maßstab, Form, Material – stimmig fügt sich der neue Baukörper des Einfamilienhauses Reimair in ein kleines Siedlungsgebiet in der Bregenzerwälder Gemeinde Lingenau ein.
Bilder: Einfamilienhaus Reimair

Kurz vor Hittisau noch einmal scharf abbiegen. Dann geradeaus. Der Weg zum Haus der Familie Reimair ist nicht schwer zu erklären und doch versteckt sich der neue Bau in zweiter Reihe. Kaum einsehbar von der dicht befahrenen Straße schlängelt sich die Zufahrt weit nach hinten, ehe die Einfahrt zum Vorplatz des Gebäudes Bewohner(innen) wie Besucher(innen) noch einmal einen kleinen Anstieg abverlangt.

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Struktur einer kleinen Siedlung, etwas abseits des Dorfzentrums, wurde von den jungen Bauherren hier ein Einfamilienhaus auf elterlichem Grund errichtet. Angewandte Nachbarschaftshilfe erfuhr das Paar bei Baumeister Jürgen Hagspiel, der selbst nur wenige Meter weiter wohnt und das Grundstück schon lange aus dem täglichen Blick aus dem Fenster kannte. Die Wunschliste der Bauherren war nicht allzu lang, aber wohl überlegt. „Schon bevor wir die Planung wirklich angegangen sind, haben wir uns mit unseren Wünschen und Bedürfnissen beschäftigt.

Behagliches Wohnklima durch Licht, Holz und bewusste Planung.
Behagliches Wohnklima durch Licht, Holz und bewusste Planung. ©Behagliches Wohnklima durch Licht, Holz und bewusste Planung.

Aktionen wie ‚kumm ga luaga‘ der Vorarlberger Holzbaukunst oder auch die Lektüre der Baukulturgeschichten in der Samstagsbeilage der Vorarlberger Nachrichten haben uns unterstützt. Schauen und fragen hilft, die eigenen Vorstellungen zu konkretisieren“, weiß Evelin Reimair, die für die Hypo Landesbank Vorarlberg, den heurigen Bauherrenpreis betreute. „Viele Fragestellungen waren mir als Bauherrin selbst gut bekannt und ich habe mich im Nachhinein öfter selbst wieder erkannt.“

Blick in die Weite: das Wohnen im ersten Stock sorgt für beste Aussicht. Entspannter Alltag in unkomplizierter und angenehmer Atmosphäre.
Blick in die Weite: das Wohnen im ersten Stock sorgt für beste Aussicht. Entspannter Alltag in unkomplizierter und angenehmer Atmosphäre. ©Blick in die Weite: das Wohnen im ersten Stock sorgt für beste Aussicht. Entspannter Alltag in unkomplizierter und angenehmer Atmosphäre.

Kritierum für die Planung war u. a. die Lage im Dorf. „Wir wollten ein Haus, das gut in die Umgebung passt und helle, freundliche Räume zum Wohlfühlen. Der Baustoff Holz war uns sympathisch.“ Ein wichtiges Thema war die Aufteilung der Räume in offene und geschlossene Zonen. „Wir haben länger zwei getrennte Haushalte geführt. Das gemeinsame Wohnen war uns daher besonders wichtig und trotzdem wollten wir genügend Rückzugsräume schaffen und natürlich auch Raum für Gäste.“

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2_4_VAI_HausReimairLingenau_Cyril_PM_9500 ©Viel Holz, aber nicht nur: leichtes, modernes Wohngefühl durch Reduktion auf wenige, aber bewusst gewählte Materialien.

Die gedankliche Vorarbeit half bei der Planung. Ein kompakter, schnörkelloser Baukörper entstand. Als Dachform wurde ein Satteldach gewählt – die Anpassung an die Umgebung stand hier im Vordergrund. Der langgestreckte Riegel wurde längs in den Hang hineingesetzt. Die Fassade wurde mit Hilfe des Nachbarn Philip Herburger in Eigenarbeit geschindelt.Im Sinne einer einheitlichen Gestaltung wurde auch der Innenraum mit geplant. Gerade Linien, Reduktion bei der Materialwahl, Blicke in die weite, liebliche Landschaft des Bregenzerwaldes bestimmen die Räume. Hier wird gewohnt, gelebt, der Alltag mit Familie und Freunden geteilt – ungezwungen, aber niemals banal.

»“Wir wollten ein Haus, das gut in die Umgebung passt und helle, freundliche Räume zum Wohlfühlen.” (Evelin und Johannes Reimair)«
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Corrected by Zoli ©Nachbarschaftliche Gesprächsbasis. Das Bauherrenpaar Reimair in Diskussion mit ihrem Planer.

Betreten wird das Gebäude von der Rückseite her. Entlang eines schmalen Flurs säumen sich die einzelnen Räume zu einer kleinen Folge. Zwei Kinderzimmer, das Elternschlafzimmer und ein separates Bad, Sanitärräume, ein Abgang in den Keller, eine weitere Tür, die ebenerdig in die Garage führt – „diesen Komfort habe ich mir gewünscht“, so der Bauherr. Hölzerne Stufen führen ins lichtdurchflutete Obergeschoß, das neben offenem Koch-, Ess- und Wohnraum auch noch einen weiteren Raum für Gäste oder Büro beherbergt. „Am schwersten fiel uns die Entscheidung, das Gelände nicht zu begradigen und das Gebäude wirklich in die Landschaft zu setzen.

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2_6_VAI_HausReimairLingenau_Cyril_PM_9521 ©Treppe ins Licht – der offene Wohnraum im Obergeschoß ist durch ein langes Fensterband besonders hell.

Abgeleitet von dieser Entscheidung haben wir nun den gesamten Wohnbereich in den ersten Stock gelegt. Statt direktem Gartenzugang führt unser Koch-, Ess- und Wohnraum nun auf eine großzügige Terrasse, die mittels einer kleinen Treppe in den umliegenden Garten führt. Im Garten selbst gibt es nochmals einen kleinen Sitzbereich.“ „Die Hanglage des Grundstücks war auch bautechnisch eine Herausforderung“, ergänzt Jürgen Hagspiel.

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Corrected by Zoli ©Baumeister und Nachbar Jürgen Hagspiel plante das Gebäude. Die Einbettung des Riegels in das abschüssige Gelände war ihm besonders wichtig.

„Eine Begradigung des Geländes wäre ein massiver Eingriff in den gesamten Landschaftsraum gewesen. Das Bauen im Bregenzerwald verlangt von uns mehr als nur das Errichten einzelner Gebäude. Diese Verantwortung müssen sich die Gemeinden, Planer und Bauherren teilen.“

Daten & Fakten

Objekt: Einfamilienhaus in Lingenau
Eigentümer/ Bauherr: Evelin und Johannes Reimair
Planung: Jürgen Hagspiel, Lingenau
Statik: plan drei, Egg
Fachplaner/ Ingenieure: Installationsplanung: Siegfried Steurer, Andelsbuch
Planung: 6/2012–12/2012
Ausführung: 3/2013–12/2013
Grundstücksgröße: 659 m²
Wohnnutzfläche: 152 m²

Bauweise: Holzbau; Fassade: Schindeln Fichte; Heizung: Luftwärmepumpe mit Solaranlage; Fenster: Holzfenster geölt und dreifach verglast; Boden: lasiertes Parkett

Ausführung: Baumeister: Sohler Bau, Lingenau; Zimmerei: Gerhard Bilgeri, Riefensberg; Installateur: Siegfried Steurer, Andelsbuch; Fenster: Kurt Flatz, Alberschwende; Elektro: Willi, Andelsbuch; Dach: Hagspiel, Lingenau; Tischler: Künzler, Bizau

Energiekennwert: 41 kWh/m² im Jahr

Quelle: Leben&Wohnen – die Immobilienbeilage der “Vorarlberger Nachrichten”
Fotos: Cyril Müller

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

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