Kurze Atempause auf dem Schlachtfeld

Kurze Verschnaufpause in erbittertem Konflikt
Kurze Verschnaufpause in erbittertem Konflikt ©EPA
Die Panzer stehen still. Es sind keine Explosionen zu hören. Nach heftigen Kämpfen in den vorherigen Tagen gewährt die israelische Armee den Menschen in Gaza eine Atempause.

Drei Stunden haben sie am Mittwoch Zeit, Lebensmittel zu kaufen, in sicherere Viertel zu flüchten oder verletzte Angehörige im Krankenhaus zu besuchen. Danach gehen die erbitterten Kämpfe weiter.

Vor Bäckereien, Lebensmittelgeschäften und Trinkwasserbrunnen bilden sich Schlangen, mit Koffern bepackte Menschen machen sich auf die Suche nach einem sicheren Quartier. Bald schon leeren sich die Straßen wieder – denn Punkt 15.00 Uhr endet die Feuerpause.

Das vorübergehende Einstellen der Kämpfe von 12.00 bis 15.00 Uhr wurde in den örtlichen Radiosendern angekündigt. Außerdem verständigte die israelische Armee Einwohner von Gaza per SMS. Trotzdem haben nicht alle mitbekommen, dass sie nach den anhaltenden Kämpfen wenigstens für kurze Zeit wieder auf die Straße gehen können. “Ach wirklich?”, sagt Wael Haj Ahmad noch im Schlafanzug, als er auf die Kampfpause angesprochen wird. “Dann werde ich mal rausgehen, um ein Geschäft zu finden, das offen hat, und ein paar Konservendosen kaufen.” In den vergangenen Tagen hatte sich der 34-Jährige mit seiner Familie im Haus eingeschlossen.

Die längsten Schlangen während der Feuerpause bilden sich vor den Bäckereien. Die Fladenbrote finden reißenden Absatz, allerdings darf jeder Kunde nur eine begrenzte Zahl kaufen. “Ich habe kein einziges Stück Brot mehr, um meine Enkelkinder zu ernähren”, klagt der 70-jährige Mohammed Al-Najar.

Auch Zaher hat sein Lebensmittelgeschäft aufgesperrt und ist von einem Dutzend Kunden umringt. “Trotz der Engpässe habe ich meinen Laden aufgemacht, um die wenigen Grundnahrungsmittel zu verkaufen, die mir noch bleiben”, sagt er. Nach Ablauf der Feuerpause werde er sein Geschäft aber sofort wieder schließen. Dass die israelischen Angriffe weitergehen, steht für ihn außer Frage.

Vor dem Ende der Feuerpause müssen die Menschen in Gaza auch ihre Trinkwasservorräte wieder auffüllen. Vor einem Brunnen in Seitun, einem der am stärksten umkämpften Viertel von Gaza, stehen Frauen und Männer, Alte und Junge, um ihre Kanister zu füllen und sie auf Eselskarren zu laden. Andere nutzen die Feuerpause um nachzusehen, ob ihre Wohnhäuser nach den Bombardements der vergangenen Tage noch stehen. Oder um bepackt mit Koffern in ein sichereres Viertel zu fliehen. Die Hilfsorganisationen kümmern sich unterdessen darum, dass Lebensmittel und Treibstoff in den Gazastreifen gebracht werden. 80 Laster mit Hilfsgütern wurden nach Angaben der israelischen Armee losgeschickt.

Der Bedarf an Hilfsgütern in Gaza ist groß. “Wir haben weder Wasser, noch Strom, noch Lebensmittel”, sagt Mohammed Azzam. Der 45-Jährige lebt mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in Seitun. Außer der Frage, wie er innerhalb von drei Stunden alles Notwendige besorgen kann, beschäftigt ihn eine andere Sorge: “Ich habe Angst, dass nach dieser Pause eine noch größere Offensive und eine Invasion im gesamten Viertel folgt.”

Gegen 15.00 Uhr wirkt Gaza wieder wie ausgestorben. Kurz nach dem Ende der Feuerpause erschüttert ein Angriff Seitun. Zwei Menschen kommen ums Leben. Die Kämpfe gehen weiter.

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