Kurden und Armee blasen zum Gegenangriff auf IS

Kurdische Kämpfer feiern Teilerfolge
Kurdische Kämpfer feiern Teilerfolge
Im Nordirak gehen kurdische Peshmerga-Milizen und irakische Spezialeinheiten der Armee nach wochenlangen Abwehrkämpfen zum Angriff auf die jihadistische Gruppe Islamischer Staat über. Mit Hilfe der US-Luftwaffe hätten Kämpfer der Extremistengruppe Islamischer Staat vom Mossul-Staudamm vertrieben, berichtete das staatliche Fernsehen am Montag. Auch der Iran mischt angeblich mit.

Laut einem Bericht der Zeitung “Al-Sharq al-Awsat” nahmen die kurdischen Einheiten auch mehrere Dörfer in der Nähe der Talsperre ein. Nach Informationen von Basnews kommen die Peshmerga nur langsam voran, weil sie die Gegend nach versteckten Sprengsätzen absuchen müssen. Zwei kurdische Soldaten seien bei der Explosion von Sprengkörpern ums Leben gekommen und fünf weitere verletzt worden.

Der Vorsitzende des Parlaments der nordirakischen Provinz Ninawa, Bashar Kiki, sagte der Zeitung “Al-Sharq al-Awsat”, er erwarte, dass die Kurden ihre Angriffe auf die Extremisten in den nächsten Tagen fortsetzten, um auch die Sinjar-Region zu befreien. Nach dem Vormarsch der Terrorgruppe waren von dort Hunderttausende Menschen geflohen, die meisten von ihnen Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden (Jesiden).

Befreiung der Millionenstadt Mossul

Das nächste Ziel sei die Befreiung der Millionenstadt Mossul selbst, kündigte ein Sprecher der Antiterror-Einheiten in Bagdad an. Fortschritte zeichneten sich bei der Bündelung der Kräfte gegen die jihadistische Gruppe Islamischer Staat (IS, vormals ISIS/ISIL) ab: Die Kurden kündigten an, sich an der Bildung einer neuen irakischen Regierung zu beteiligen.

Zwar widersprach eine der IS-Gruppierung nahestehende Medienorganisation via Twitter der Darstellung zur Einnahme des strategisch wichtigen Staudamms. Allerdings bekräftigte auch Iraks Außenminister Hoshiyar Zebari die geglückte Einnahme des Staudamms, der für die Stromversorgung vom Mossul und der Region eine entscheidende Rolle hat. “Die neue Taktik schneller Überraschungsangriffe hat sich als erfolgreich erwiesen und wir sind entschlossen, diese neue Angriffstaktik mit Hilfe der Aufklärung durch die Amerikaner fortzusetzen”, sagte der Sprecher der Antiterror-Einheiten.

14 Luftangriffe auf IS-Kämpfer

Die USA hatten am Sonntag mit 14 Luftangriffen auf IS-Kämpfer den Vorstoß begleitet. Nach US-Angaben wurden dabei zehn mit Waffen versehene Fahrzeuge, sieben Humvee-Geländefahrzeuge sowie zwei gepanzerte Mannschaftstransporter beschädigt oder zerstört. Zudem wurde eine Straßensperre der Jihadisten aus der Luft angegriffen. Die US-Regierung sprach von begrenzten Einsätzen in enger Abstimmung mit der irakischen Regierung.

Während Washington damit begonnen hat, die kurdischen Kämpfer im Nordirak mit Waffen und Munition auszustatten, liefert Teheran laut internationalen Medienberichten neben technischem Know-how vor allem die Elitetruppen der Revolutionsgarden. Die US-amerikanischen Flugzeuge seien nicht die einzigen Transportflieger, die mit Waffen die Kurden im Nordirak ansteuerten, heißt es in den Berichten unter Verweis auf geheimdienstliche Kreise. Auf dem Flughafen im nordirakischen Erbil landeten auch ständig iranische Flieger. Die Jets, die ohne Schriftzüge inkognito unterwegs seien, würden ihre Fracht in einem Hangar etwas abseits des zivilen Flughafens entladen.

Österreich befürwortet Waffenlieferungen

Nach den USA erklärte auch Großbritannien, keine Bodentruppen in den Irak zu entsenden. “Großbritannien wird nicht in einen weiteren Irak-Krieg verwickelt werden”, erklärte Premierminister David Cameron in London. In Berlin war die Frage von Waffenlieferungen an die Kurden im Norden des Irak immer noch offen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte eine Regierungssprecherin. Die Peshmerga klagen, den IS-Jihadisten an militärischer Ausrüstung unterlegen zu sein und fordern Waffen und andere Rüstungsgüter für den Kampf gegen die Gruppierung. Österreich befürwortet Waffenlieferungen, konzentriert sich aber nur auf humanitäre Hilfslieferungen.

Abgesandte der kurdischen Verwaltung aus dem autonomen Gebiet im Nordirak wollen sich nach Angaben von Außenminister Zebari an den Verhandlungen zur Bildung einer neuen irakischen Regierung beteiligen. Der scheidende Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte sich mit den Kurden im Streit um Haushaltsmittel und Öl überworfen. Der Schiit Maliki soll mit der Benachteiligung von Sunniten erst die militärischen Erfolge des ebenfalls sunnitischen IS ermöglicht haben.

(APA)

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