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"Kulturhauptstadt Europas 2004"

Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Überall in Genua wird derzeit gebaut und renoviert, um Museen und Ausstellungsräume herauszuputzen.

Die ligurische Hafenmetropole macht mobil für das kommende Jahr, wenn sie als „Kulturhauptstadt Europas“ auf hunderttausende Besucher hofft. Höhepunkt des Mega-Events soll eine große Rubens-Ausstellung im Palazzo Ducale sein. Für Genua ist dies auch eine Gelegenheit, um die Erinnerung an die dramatischen Ereignisse von 2001 vergessen zu machen: Damals verwüsteten Globalisierungsgegner während eines G-8-Gipfels die halbe Stadt, ein junger Demonstrant wurde erschossen.

Insgesamt sollen rund 200 Millionen Euro investiert werden, weitere 30 Millionen Euro sind für die Organisation der verschiedenen Veranstaltungen veranschlagt. „Unser Ziel ist es, die Effekte für Genua auch über das Jahr 2004 hinaus dauerhaft zu machen und der Stadt ein neues Gesicht zu verleihen, das alle Aspekte berücksichtigt: Seefahrt, Tourismus, Kunst, Wissenschaft und Industrie“, sagt Genuas Bürgermeister Giuseppe Pericu.

La Superba, die Stolze, nennen die Italiener Genua. Größe und Ansehen verdankt die Hafenstadt ihrer glorreichen Vergangenheit als Seemacht. Heute besitzt die Stadt, die rund 700 000 Einwohner zählt, den größten Handelshafen Italiens, prachtvolle Paläste zeugen vom Ruhm früherer Zeiten. Wie andere Hafenmetropolen wirkt sie jedoch auf den ersten Blick schmutzig, in einigen Stadtteilen ist der Verfall unübersehbar. Dennoch hat Genua vor allem kulturell einiges zu bieten und ist häufig Gastgeber von internationalen Messen, Kongressen und Festivals.

Insgesamt wurden für das Jahr als „Kulturhauptstadt Europas“, das Genua sich mit der französischen Stadt Lille teilen wird, rund 800 Projekte eingereicht; 110 kamen bis heute in die engere Auswahl. Zu den kulturellen Höhepunkten des Events zählen neben der Rubens-Schau auch die Einweihung des „Museums des Meeres und der Seefahrt“ sowie das Musik-Festival „Paganiniana“, zu dem sich junge Violinisten aus der ganzen Welt treffen werden. Genua war schließlich auch die Geburtsstadt von Geigen-Genie Niccolo Paganini (1782-1840).

Medien in Italien sprechen bereits von einer „einmaligen Chance“ für die Stadt. Dennoch erwarten sich Experten keine Wunder. Wichtig sei vor allem, dass das internationale Ansehen gestärkt und die Lebensqualität in Genua verbessert werde, schrieb eine Zeitung. Stefano Zara, Präsident des Industrieverbandes, bringt es auf den Punkt: „Ich glaube, wir können schon zufrieden sein, wenn wir es irgendwie schaffen, Genua international ein neues Image zu verschaffen.“ Dabei setze man besonders auf eine deutliche Zunahme des Tourismus – das dritte Standbein der Stadt neben Industrie und Hafen.

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