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Kroatischer Minister in Wien verhaftet

Der frühere kroatische Vize-Verteidigungsminister und General Vladimir Zagorec wurde am Dienstagabend in Wien verhaftet. Dies bestätigten das Innen- das Justizministerium der APA.

Die Verhaftung auf Grund eines von Kroatien ausgestellten internationalen Haftbefehls erfolgte durch Beamte des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Zagorec, einst sehr enger Vertrauensmann des kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman, wird Veruntreuung von Staatsgeldern in einer Höhe von Dutzenden Millionen Euro zur Last gelegt.

“Ausschließlich politische Motive

Die Anwaltskanzlei Lansky, Ganzger & Partner, die die Vertretung von Zagorec übernommen hat, erklärte gegenüber der APA, dass ihr Mandant noch am Mittwoch dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden soll. Entschieden werde, ob Zagorec in Haft bleibt oder gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wird. Hinter den Anschuldigungen der kroatischen Behörden vermutet die Anwaltskanzlei „ausschließlich politische Motive“. Die kroatische Anlagebehörde werfe ihm vor, „im Jahr 2000 Schmuck, der angeblich als Garantie für Waffenlieferungen an das Verteidigungsministerium dienen sollte, unterschlagen zu haben“, teilte die Kanzlei mit.

Als Haftgrund, der „völlig absurd“ sei, werde Fluchtgefahr „vorgeschoben“. Zagorec lebe auf Grund einer aufrechten Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligung seit 2000 mit seiner Familie in Österreich. „Die kroatischen Behörden haben immer gewusst, wo er wohnt und hatten sogar seine Handynummer. Hinter all diesen Anschuldigungen der kroatischen Behörden stehen ausschließlich politische Motive“, teilte die Anwaltskanzlei mit. Zagorec vertraue vollkommen auf die österreichische Justiz und kooperiere mit dieser „zu 100 Prozent“.

Gegen Zagorec war vorige Woche in Zagreb ein internationaler Haftbefehl ausgestellt worden. Das zuständige Gericht begründete die Anordnung mit Fluchtgefahr und Gefahr der Beweisfälschung. Weder Zagorec, gegen den ein Auslieferungsverfahren vorliegt, noch sein Anwalt Kresimir Krsnik waren bei der am Freitag anberaumten Verhandlung erschienen. Krsnik bestätigte, dass Zagorec seit dem Jahr 2000 in Wien lebt.

Der General war während des jugoslawischen Bürgerkrieges (1991-1995) mit der Beschaffung von Waffen für die kroatische Armee beauftragt. Damals galt ein UNO-Embargo für Waffenexporte in die jugoslawischen Teilrepubliken, so dass die Geschäfte illegal abliefen. Als Vertrauensmann von Tudjman soll er unkontrolliert über Millionenbeträge verfügt haben. Er soll während des Krieges über schwarze Auslandskonten – davon angeblich 77 in Österreich – aus geheimen Waffendeals für die kroatische Armee 360 Millionen Dollar (274 Mio. Euro) bewegt haben, berichteten Medien.

Seit der vergangenen Woche veröffentlichten kroatische Medien mehrere aktuelle Fotografien, die Zagorec in Wien zeigen sollen. Berichtet wurde, dass der Ex-Vize-Minister gefälschte Dokumente besitzen und auch verwenden soll, unter anderem auf den Namen Franjo Rudelic lautend.

In die Schlagzeilen geriet die Familie Zagorec auch vor drei Jahren: Der damals 16-jährige Sohn des Generals, Tomislav Zagorec, wurde Ende Februar 2004 entführt und vier Tage später, nach der Bezahlung von 750.000 Euro durch den Vater, wieder freigelassen. Für diese Tat wurde Hrvoje Petrac, ein mutmaßlicher Fluchthelfer des wegen Kriegsverbrechen vor dem UNO-Tribunal angeklagten kroatischen Generals Ante Gotovina, Ende des Vorjahres zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Petrac hatte im Prozess unter anderem angegeben, dass er für Zagorec illegale Geldtransaktionen auf ein BAWAG-Konto in Graz vorgenommen habe. Er erklärte, dass auf dem Konto in Graz 35 Millionen US-Dollar (26,7 Mio. Euro) gelegen seien. Zagorec wies diese Darstellung zurück.

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