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Kroatien: Israel ernennt erstmals Botschafter

Israel hat zum ersten Mal einen eigenen residierenden Botschafter für Kroatien ernannt. Die Leitung der Mission soll Shuel Merom übernehmen, sagte Galit Ronen, Sprecherin des israelischen Botschafters in Wien.

Israels diplomatische Vertreter in Wien waren seit 1998 in Kroatien mitakkredidiert.

Merom wird demnach im August in Kroatien eintreffen. Wie HINA berichtete, wird die israelische Botschaft in Zagreb zunächst in einem Hotel untergebracht sein. Demnach wird noch nach einem Botschaftsgebäude und einer Residenz gesucht. Die Wiener Botschaft werde in Zukunft außer für Österreich nur noch für die Slowakei und Slowenien zuständig sein, hieß es am Freitag aus der Botschaft.

Die Nachricht von der Ernennung kam nur wenige Tage nach dem Besuch des kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader in Israel, bei dem er mit seinem Amtskollegen Ariel Sharon zusammentraf. Es war der ersten Besuch eines Zagreber Regierungschefs in dem Land.

Kroatien und Israel nahmen erst im September 1997 diplomatische Beziehungen auf, nachdem sich die kroatische Regierung für Verbrechen an Juden im Zweiten Weltkrieg entschuldigt hatte. Kroatien war damals ein formal unabhängiger Satellitenstaat Hitler-Deutschlands und Italiens unter der Führung der faschistischen Ustascha-Bewegung.

Eine weitere Bedingung Israels für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen soll auch eine Neuauflage eines Buches des kroatischen Staatsgründers und ersten Präsidenten Franjo Tudjman ohne ursprüngliche antisemitische Passagen und ohne Auschwitz-Leugnung gewesen sein. In dem 1989 veröffentlichten Werk hatte Tudjman unter anderem gemeint, die Zahl von sechs Millionen während des Zweiten Weltkriegs ermordeter Juden sei weit überzogen.

Unter Tudjman vertieften sich die bilateralen Kontakte kaum, zumal auch der Fall des in Argentinien aufgespürten kroatischen Kriegsverbrechers Dinko Sakic das Klima belastete. Sakic war Kommandant des Konzentrationslagers Jasenovac, wo Schätzungen zufolge 600.000 Serben, Juden und Roma ermordet wurden. Erst auf ausländischem Druck erließ Zagreb einen Haftbefehl, beantragte von Bueno Aires die Auslieferung Sakics, der seit 1947 in Südamerika gelebt hatte und machte ihm den Prozess.

Zu einem Tauwetter zwischen Israel und Kroatien kam es erst 1999 nach dem Tod Tudjmans unter dessen Nachfolger Stjepan (Stipe) Mesic, der sich bei einem Besuch in Israel für die Verbrechen, die unter dem Ustascha-Regime zwischen 1941 und 1945 begangen wurden, entschuldigte. 2003 stattete der israelische Präsident Moshe Katzav Kroatien einen Besuch ab.

Weiterhin offen ist der Fall des mutmaßlichen Chefs der faschistischen Ustascha-Polizei in der zentralkroatischen Stadt Pozega, Milivoj Asner (91) , der sich im Zweiten Weltkrieg Verbrechen an Serben und Juden schuldig gemacht haben soll. Asner hält sich offenbar in Österreich auf.

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