"Krisenmodus", "Grenzen erreicht": Vorarlbergs Spitäler erneut am Limit

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Die steigenden Infektionszahlen machen sich bei den Spitälern bemerkbar: Die Lage ist alarmierend, die Aussichten für die Krankenhäuser düster.
Aktuelle Lage der Spitäler
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Die Vorarlberger Krankenhäuser sehen sich in der Corona-Pandemie erneut "am Limit". Das betont der Direktor der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, am Dienstag. Aktuell sehe man sich gezwungen, einzelne Operationen zu verschieben, doch könne sich das täglich ändern. Die Vorzeichen seien schlechter als vor einem Jahr. Ebenfalls an der Grenze - oder schon darüber - sah sich das Pflegepersonal.

Von Triage-Situation "weit entfernt"

Derzeit befinde man sich in der dritten von sechs Eskalationsstufen, aber auch schon bei der dritten handle es sich um eine kritische. Werde die vierte Stufe erreicht, drohten unter anderem massive Einschränkungen der Operationskapazitäten. In der momentanen Situation werde der Umfang des OP-Programms an die verfügbaren Kapazitäten angepasst, stellt Fleisch fest. Reduziert würden planbare, nicht dringliche Operationen. Wie viele oder welche Eingriffe von einer Verschiebung bedroht sind, stand laut Fleisch am Dienstag nicht fest. Klar war hingegen: "Von einer Triage-Situation sind wir weit entfernt."

Fleisch (rechts) beim Mediengespräch am Dienstag. Bild: VOL.AT/Mayer

27 von 68 Intensivbetten frei

Am Dienstag waren in den Vorarlberger Krankenhäusern noch 27 von 68 Intensivbetten frei verfügbar, die Zahl der Normalbetten für Corona-Patienten sollte schrittweise von 112 auf 205 erhöht werden. Noch kein Thema sei die Aktivierung des Notversorgungszentrums auf dem Messegelände in Dornbirn, so Fleisch. Darüber nachzudenken sei aber jedenfalls in der vierten Eskalationsstufe.

113 Mitarbeiter fallen aus

In den Spitälern wurden aktuell 95 Corona-Erkrankte behandelt, 15 davon auf den Intensivstationen. Elf der 15 Intensivpatienten waren nicht geimpft, vier mussten beatmet werden. 113 Krankenhaus-Mitarbeiter fielen aus, weil sie mit dem Coronavirus infiziert waren, elf weitere befanden sich in Quarantäne.

Fleisch appelliert an die Bevölkerung, das Spitalspersonal zu schützen - vor einer Infektion ebenso wie vor Überlastung. "Wer sich impfen lässt, lässt Vorsicht und Rücksicht walten", betont Fleisch. Dass alle Patienten, die in der vierten Welle auf einer Vorarlberger Intensivstation verstorben sind, keinen Impfschutz aufwiesen, ließ der Krankenhausbetriebs-Direktor unkommentiert.

Impfunwillige nicht erwünscht

Während sich Fleisch mit der Landespolitik sehr zufrieden zeigt ("Es gibt ein großartiges Einvernehmen"), zeigt er bezüglich impfunwilligen Spitalsmitarbeitern wenig Verständnis. Derzeit sind etwa 700 von 6.000 Beschäftigte ungeimpft. Kommt die Impfpflicht, müsste man die Übergangsfristen beachten, so Fleisch. Er glaubt, dass die Situation dennoch bewältigbar wäre. Auf lange Sicht seien impfunwillige Kolleginnen und Kollegen an den Vorarlberger Krankenhäusern aber nicht erwünscht.

Intensivkoordinator Wolfgang List. Bild: VOL.AT/Mayer

"Haben als Gesellschaft versagt"

Der Intensivkoordinator des Landes Vorarlberg, Wolfgang List, stellt fest, dass sich die Altersstruktur der Corona-Intensivpatienten verändert hat. Waren zu Beginn der Pandemie insbesondere die Senioren betroffen, so sei die Mehrzahl der zu Betreuenden nun jünger als 60 Jahre. List verweist diesbezüglich ebenfalls auf die Impfquote, die bei den Über-80-Jährigen zwischen 80 und 90 Prozent liege. Er halte es für müßig, noch immer die Wirksamkeit der Impfung diskutieren zu müssen. "Zutiefst enttäuscht" zeigt sich List über die Solidarität der Gesellschaft. Habe man vor einem Jahr noch Anerkennung für das Geleistete erhalten, so interessiere heute niemanden mehr, wie es auf den Intensivstationen zugehe. Aus der Solidarität sei keine Impfbereitschaft geworden. "Wir haben als Gesellschaft versagt", so List. Er sehe "mit ein wenig Grauen" in die nächsten Wochen.

Grenzen "erreicht, teilweise überschritten"

Bertram Ladner, Pflegedirektor am Krankenhaus Dornbirn, berichtet von großer Anspannung in den Pflegeteams, Zeit zum Durchschnaufen habe es in den vergangenen 20 Monaten keine gegeben. Das Durchhaltevermögen schrumpfe von Welle zu Welle. "Wir sind eine hohe Arbeitsbelastung gewöhnt, aber es gibt Grenzen. Die sind erreicht, teilweise überschritten", verdeutlicht Ladner.

(APA/VOL.AT)

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