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Kranz am Denkmal niedergelegt

Estland - Der estnische Regierungschef Andrus Ansip hat am Gedenktag für den Sieg über Nazi-Deutschland vor 62 Jahren einen Kranz an dem umstrittenen sowjetischen Kriegerdenkmal niedergelegt.

Ansip wollte damit die Kriegstoten sowie die Opfer von Verbrechen und Unterdrückung während der Besatzung ehren, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Es war das erste Mal seit der Unabhängigkeit Estlands von Moskau 1991, dass ein estnischer Ministerpräsident einen Kranz an dem Ehrenmal niederlegte. Die Verlegung des Denkmals in Tallinn hatte die Beziehungen zwischen Estland und Russland unlängst schwer belastet.

Bei der Zeremonie auf einem Militärfriedhof am Rande der Hauptstadt waren weitere Regierungsmitglieder und ausländische Diplomaten anwesend. Der russische Botschafter Nikolai Uspenski verweigerte seine Teilnahme. Russland hatte erklärte dies mit der Begründung, das Ende des Zweiten Weltkrieges einen Tag später zu feiern.

Der „Bronzene Soldat“ war erst kürzlich aus der Innenstadt auf den Militärfriedhof verlegt worden, ein Schritt, der die größte Krise zwischen Russland und Estland seit der Unabhängigkeit ausgelöst hatte. Für die baltische Republik symbolisiert das Denkmal die fast 50-jährige sowjetische Besatzungszeit. Bei nächtelangen Krawallen in Tallinn waren ein junger Russe getötet und mindestens 150 Menschen verletzt worden.

Die Polizei in Estland wurde deswegen zum 62. Jahrestag des alliierten Sieges über Hitler-Deutschland wegen befürchteter Ausschreitungen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Um Zusammenstöße zwischen Angehörigen beider Bevölkerungsgruppen möglichst zu vermeiden, gelten in weiten teilen Estlands Versammlungsverbote, der Verkauf von Alkohol ist bis Freitag früh untersagt.

Regierungstreue Jugendliche in Russland setzten ihren Protest gegen Estland am Dienstag indes fort. Sie forderten Ladenbesitzer in St. Petersburg auf, estnische Produkte aus den Regalen zu nehmen. Eigenen Angaben zufolge brachten sie an Geschäften rund eintausend Aufkleber an, die Wehrmachtsoldaten vor dem Hintergrund der estnischen Flagge zeigen.

Die russische Bahn kündigte unterdessen am Dienstag an, dass sie den Verkehr von Personenzügen zwischen St. Petersburg und Tallinn einstellen werde. Die Bahngesellschaft RZD begründete die Einstellung zum 26. Mai damit, dass es auf der Strecke nicht genügend Passagiere gebe und dass sich der Betrieb nicht lohne.

Im Nachbarland Litauen demonstrierten rund 2000 Menschen, unter ihnen auch Ministerpräsident Gediminas Kirkilas und dutzende von Abgeordneten, ihre Solidarität mit Estland. „Heute sagen wir sehr deutlich: Unsere Länder sind zusammen“, erklärte der Regierungschef.

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