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Kostenloses Camping für Demonstranten

Kostenloses Camping und Gelegenheit zum Einkaufsbummel: Saloniki (Thessaloniki) empfängt die für den EU-Gipfel angemeldeten Demonstranten mit offenen Armen.

Die Stadtväter hoffen, dass die Gegenveranstaltungen nicht allzu viele radikale Globalisierungskritiker aus dem Ausland anziehen, sondern dass sich die Bewegung vor wenigen Wochen in Evian erst einmal verausgabt hat. Zudem tagen die EU-Staats- und Regierungschefs 150 Kilometer vom Ort entfernt in einer abgeschirmten Hotelanlage. Doch US-Diplomaten ist die Strategie der Offenen Stadt nicht ganz geheuer. Denn US-Einrichtungen sind bei griechischen Extremisten als Ziel von Aktionen oder gar Anschlägen überaus beliebt.

Um die Aufmerksamkeit der europäischen Öffentlichkeit streiten in der nordgriechischen Metropole zwei einheimische Bewegungen. Hinter der „Aktion 2003“ steht die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), die marxistisch-leninistisch orientiert und organisiert ist. Am Griechischen Sozialforum wiederum beteiligen sich die großen sozialistischen Gewerkschaften und das Linksbündnis „Synaspismos“ (SYN) aus Linkssozialisten und ehemaligen Eurokommunisten sowie ATTAC und andere länderübergreifende Gruppierungen.

„Aktion 2003“ hat sich das „Nein zum Euro-Imperialismus“ auf die Fahnen geschrieben. Zu ihrem „Volksgipfel“ werden 50.000 Teilnehmer erwartet. Geplant sind überdies ein anti-imperialistisches Jugendcamp und ein Marsch zum US-Konsulat am Samstag. Das Sozialforum genießt die Unterstützung der Gewerkschaft des Öffentlichen Dienstes, die für Freitag zum Streik aufgerufen hat, damit möglichst viele ihrer Mitglieder an der geplanten Demonstration teilnehmen können. Statt pauschal „Nein zu EU, NATO und den USA“ zu sagen, plädiert das Forum eher „Für ein anderes Europa“.

Beide Bewegungen wollen gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften vermeiden. Vor allem die KKE hat ihre Anhänger fest im Griff. Die Stadt bietet unter dem Motto „Gastfreundschaft – Respekt“ kostenlose Shuttles, Lebensmittelversorgung und vier Campingplätze für 30.000 Demonstranten an. Die Handelskammer hat ihre Mitglieder aufgerufen, die Geschäfte offen zu lassen. Zur Vorbeugung wurden die Geschäftsleute jedoch auch aufgefordert, ihre Telefonnummern zu hinterlassen, um rechtzeitig gewarnt werden zu können. Viele von ihnen installierten Gitter und Rollos, um ihre Auslagen schützen zu können, falls doch alles anders kommt.

Denn neben Terroranschlägen fürchtet die Polizei den so genannten „Schwarzen Block“ aus ein- bis zweitausend gewaltbereiten Demonstranten, die von Gipfel zu Gipfel reisen. 15.000 Polizisten, Soldaten und Angehörige der Küstenwache wurden aufgeboten. Die Umgebung des Konferenzzentrums Porto Carras ist im Umkreis von drei Kilometern gesperrt. Schiffe patrouillieren vor der Küste. Die EU-Chefs werden mit Hubschraubern vom Flughafen Saloniki zum Gipfelort gebracht.

Was die europäischen Regierenden an Protest nicht abbekommen, landet womöglich auf der Schwelle der US-Einrichtungen in der nordgriechischen Stadt. Die Deeskalationsstrategie der Stadtväter sei „interessant, aber riskant“, gibt ein US-Diplomat zu bedenken. Einen ersten Vorgeschmack bekam er bereits in der vergangenen Woche:
Unbekannte zündeten den Geldautomaten der Filiale einer US-Bank in Saloniki an.

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