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Kosovo: Unruhen mit zahlreichen Toten

Serbische Protestierende haben in der Nacht zum Donnerstag die islamischen Gotteshäuser in der Hauptstadt Belgrad und der Industriestadt Nis angegriffen.

Die fast 500 Jahre alte einzige Moschee Belgrads sei niedergebrannt worden, berichteten Augenzeugen. Gleichzeitig wurden im Kosovo selbst mehrere serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster angezündet, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammten. Bei den blutigen Unruhen zwischen Serben und Albanern sind seit Mittwoch rund 20 Menschen getötet worden, berichtete der Belgrader Sender „B-92″.

Allein am Mittwochabend seien bei den Ausschreitungen im Kosovo mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen, hieß es inoffiziell aus dem Krankenhaus in Pristina. Offiziell lag die Zahl der Toten bei acht. Der Berater des Kosovo-Regierungschefs Illyr Dedaj sprach hingegen von rund 20 Getöteten. Die Zahl der Verletzten betrage mehr als 200, darunter auch 16 französische und dänische Soldaten, gab die internationale Friedenstruppe KFOR bekannt.

Hunderte jugendliche Randalierer hätten die beiden historischen Gebäude zerstören können, weil die Regierung zu wenig Polizei eingesetzt habe, berichteten die Medien. Selbst der orthodoxe Bischof Amfilohije Radovic konnte die aufgebrachte Menge vor der Belgrader Moschee nicht stoppen. „Dies ist eine Schande”, sagte der Belgrader Mufti Hamdija Jusufspahic im Sender „BK TV”.

Am Dienstagabend waren drei albanischstämmige Kinder in der Stadt Kosovska Mitrovica ertrunken. Kosovo-Albaner beschuldigten Serben, die Kinder ertränkt zu haben. Die darauf folgenden Angriffe seien wiederum Reaktion auf die Übergriffe „albanischer Extremisten” im Kosovo, bei denen am Mittwoch serbische Kirchen, Klöster und zahlreiche Häuser zerstört wurden, hieß es. Tausende Serben versammelten sich in verschiedenen Städten, um gegen die Ausschreitungen gegen ihre Landsleute im Kosovo zu demonstrieren.

Soldaten der multinationalen Kosovo-Truppe KFOR und UN-Polizisten hatten vergeblich versucht, die Unruhen mit Tränengas und Gummigeschossen zu beenden. In Belgrad seien mehrere Dutzend Polizisten verletzt worden. Der Innenminister Dragan Jocic rief über das Fernsehen zu Ruhe und Ordnung auf.

Der serbisch-montenegrinische Verteidigungsminister Boris Tadic erklärte indessen dem TV-Sender „B-92″, dass die Sicherheitslage aufmerksam beobachtet werde. Die serbisch-montenegrinischen Streitkräfte an der administrativen Grenze zu der von der UNO verwalteten Provinz seien auf jede eventuelle Gefahr vorbereitet. Sie würden allerdings keine Schritte ohne Koordination mit der UNO-Mission (UNMIK) und den internationalen Friedenstruppen im Kosovo (KFOR) unternehmen, erklärte der Minister.

Der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica und der albanischstämmige Regierungschef des Kosovo, Bajram Rexhepi, riefen UNO und NATO auf, für Ruhe zu sorgen. Das Kosovo, offiziell Provinz Serbien-Montenegros, steht seit dem Ende des Kosovo-Kriegs 1999 unter UNO-Verwaltung. Zurzeit sind im Kosovo noch 18.500 Soldaten aus 35 Ländern stationiert. Etwa 500 davon aus Österreich.

Die Lage im Kosovo-Einsatzbereich der österreichischen KFOR-Soldaten hat sich unterdessen beruhigt. Wie der Presseoffizier der Österreicher, Major Karl Krainer, der am Mittwochabend telefonisch mitteilte, hätten sich die Demonstrationen der Kosovo-Albaner wieder aufgelöst. Die österreichischen Soldaten sind im Camp Casablanca unweit von Suva Reka stationiert.

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