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Kosovo: Lage etwas beruhigt

Nach tagelangen Angriffen von Albanern gegen die serbische Minderheit hat sich die Lage in der von der UNO verwalteten südserbischen Provinz Kosovo etwas entspannt.

Auch über Nacht seien keine gewaltsamen Zwischenfälle gemeldet worden, sagte UNO-Sprecher Derek Chapell. Am Samstag trafen weitere internationale Soldaten, darunter 58 aus Österreich, zur Verstärkung des KFOR-Kontingents im Kosovo ein. Der russische Präsident Wladimir Putin kritisierte unterdessen die ethnischen Säuberungen scharf und forderte eine „entsprechend harte Reaktion zur Verteidigung der Serben“. Bei den Unruhen wurden nach UNO-Angaben in den vergangenen Tagen 28 Menschen getötet und mehr als 600 Zivilisten verletzt.

Die Serben in der Unruheprovinz müssten „mit allen Mitteln“ geschützt werden. „Russland kann nicht einfach zusehen, was dort geschieht“, sagte Putin einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Sogar unsere westlichen Kollegen geben zu, dass dies nichts anderes ist als eine ethnische Säuberung“, fügte er hinzu. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, die Zusammenstöße im Kosovo seien „eindeutig provoziert“. Putin beauftragte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu, nach Serbien-Montenegro zu reisen und mögliche Hilfsmaßnahmen für serbische Flüchtlinge zu erkunden.

Auch der NATO-Befehlshaber in Südeuropa, Admiral Gregory Johnson, sprach von ethnischen Säuberungen gegen die Serben. Er fordert ein Ende der „Mob-Gewalt und der kriminellen Aktivitäten“. Der Außenminister Serbien-Montenegros, Goran Svilanovic, sagte nach einem Treffen mit US-Vizeaußenminister Richard Armitage, die Ausschreitungen der Albaner seien von albanischen Extremisten organisiert gewesen – eine „gewaltige Aktion“, um die Serben aus dem Kosovo zu vertreiben. Dörfer und Häuser, aus denen die Serben fliehen mussten, wurden geplündert und zerstört. Über 100 Häuser wurden niedergebrannt.

Seit dem Kriegsende im Kosovo (1998/99) und der Stationierung der KFOR-Truppen vor fast fünf Jahren wurden über 130 serbisch-orthodoxe Kirchenbauten zerstört oder verwüstet. Allein bei den Angriffen albanischer Extremisten in den vergangenen drei Tagen wurden nach Angaben der serbischen Kirche 25 Kirchenbauten zerstört. Einige der Bauten mit wertvollen Ikonen zählten zu Meisterwerken der mittelalterlichen Baukunst, die auch von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Der Präsident von Serbien-Montenegro, Svetozar Marovic, appellierte in einem Brief an die UNESCO, sich für den Schutz der serbischen Kulturgüter in der Krisenprovinz einzusetzen.

Unterdessen trafen weitere internationale Soldaten im Kosovo ein. Nachdem bereits am Freitag 15 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres in die serbische Unruheprovinz Kosovo verlegt wurden, flogen Samstagmittag weitere 58 Soldaten des Sondereinsatzkommandos vom Militärflugplatz Linz-Hörsching in Oberösterreich in das Krisengebiet ab. Insgesamt sollen bis Sonntag 90 Soldaten zur Verstärkung des 510 Mann starken österreichischen Kontingents in die Provinz verlegt werden.

Die Soldaten sollen in der Provinz die örtlichen Polizeikräfte unterstützen und zum Schutz von Minderheiten dienen. Zusätzlich werde auch humanitäre Hilfe geleistet. Ebenso wurden am Samstag etwa 60 deutsche Bundeswehrsoldaten – als Vorauskommando für insgesamt etwa 600 zusätzliche Soldaten – in das Kosovo verlegt.

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