Konzil von Konstanz - Vor 600 Jahren wurde am Bodensee getagt

Die Konzilsväter tagten unter anderem in dem noch heute bestehenden Konzilsgebäude
Die Konzilsväter tagten unter anderem in dem noch heute bestehenden Konzilsgebäude ©VN / Konzilsstadt Konstanz
Die Beseitigung des großen abendländischen Schismas - seit 1378 ein Papst in Rom, einer in Avignon, ab 1309 noch einer in Pisa - die Unterdrückung von Häresien und Bestrebungen zu einer Kirchenreform hatten vor 600 Jahren den römisch-deutschen König Sigismund bewogen, ein Konzil nach Konstanz einberufen lassen.

Die Konzilsväter traten am 5. November 1414 erstmals in der Bodenseestadt zusammen.

Sie tagten in dem noch heute im Hafengelände bestehenden Konzilsgebäude und im Münster und mehreren Kirchen der Stadt. Die Einberufung erfolgte durch den Pisaner Papst Johannes XXIII. Dieser gilt heute als Gegenpapst, deshalb wird der nunmehr heiliggesprochene Angelo Giuseppe Roncalli (1958-63) als rechtmäßiger Papst Johannes XXIII. angesehen.

 

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Wikipedia ©König Sigismund auf dem Zug ins Münster (Wikipedia)

Größte Kirchenversammlung

Rund 600 hohe und niedrige Kleriker waren nach Konstanz gekommen. Während der vierjährigen Kirchenversammlung, nach Historikern der größten des Mittelalters, fanden sich bis zu 20.000 Besucher in dem nur etwa 7000 Einwohner zählenden Konstanz ein . Man kann sich vorstellen, vor welchen logistischen Problem die Stadtväter in den vier Jahren bis 1418 standen.

Römisch-Deutsche Reich gefährdet

Da die drei Päpste in Rom, Avignon und Pisa von verschiedenen Herrschern bei ihren Ansprüchen unterstützt wurden, war das Römisch-Deutsche Reich von innen und außen gefährdet, so dass König Sigismund (Kaiser war er erst ab 1433) , ein Sohn Kaiser Karls IV., als Vogt und Beschützer (advocatus und defensor ecclesiae) treibende Kraft des Konzilsgedanken worden war. Anfangs waren nur Johannes XXIII. und die ihn unterstützenden Bischöfe gekommen, König Sigismund erst Ende 1414.

 

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Wikipedia ©Konzilssitzung im Konstanzer Münster (Wikipedia)

Neue Geschäftsordnung

Nach Rücksprache mit Theologen erzwang er eine Geschäftsordnung, wonach nach Nationen (Italien, Frankreich, Deutsches Reich mit mehreren Nebenländern, England, später auch Kastilien und Aragonien) und nicht nach Köpfen abgestimmt werden sollte, um eine Majorisierung durch italienische Bischöfe zu verhindern.

Flucht als Stallknecht

Im Februar 1415 erklärte sich Johannes XXIII. zum Rücktritt bereit, wenn die beiden anderen Päpste Gregor XII. (Rom) und Benedikt XIII. (Avignon) auch dazu bereit wären. Trotz eines Schwurs, Konstanz nicht zu verlassen, floh er in der Nacht auf 21. März 1415 , als Stallknecht verkleidet nach Freiburg im Breisgau, dabei unterstützt von Herzog Friedrich IV. von Tirol und Vorderösterreich (am Oberrhein), wegen seiner ständigen Finanznöte “Friedel mit der leeren Tasche” genannt.

 

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Wikipedia ©Gedenkplakette an Konstanzer Konzil (Wikipedia)

Druck auf Konzilsväter

Dies trug Friedrich für einige Zeit die Reichsacht ein. Johannes XXIII. wurde Ende April 1415 beim Überschreiten des Oberrheins, um ausländische Unterstützung zu erhalten, verhaftet, das Konzil beschloss seine Absetzung. Gregor XII. hatte schon Anfang April seinen Rücktritt erklärt. Benedikt XIII. verweigerte einen solchen Schritt, floh an die spanische Küste, seine Absetzung durch das Konzil erfolgte erst im Juli 1417, nachdem Sigismund und der König von Aragonien Druck auf die Konzilsväter ausgeübt hatten.

Konklave auf deutschem Boden

Nun konnte man an die Neuwahl eines Papstes schreiten. Am 8. November 1417 trat im Konzilgebäude ein Konklave – das einzige der Kirchengeschichte auf deutschem Boden – zusammen, das am 11. November dann Kardinal Oddo di Colonna zum neuen Papst Martin V. wählte, der im April 1418 das Konzil abschließen sollte.

(APA)

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