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Konstant gut und trotzdem in der Kritik

Zwischen Papst und Totengräber! Der ehemalige Erfolgs-Coach der VEU-Feldkirch, Ralph Krueger, spaltet derzeit die Schweiz.

Die 12. Eishockey-WM in der Ära von Ralph Krueger wird seine schwierigste. Die ganze Schweiz erwartet vom Nationalteam bei der Heim-WM einen Spitzenplatz – wie 1998, als bei den Titelkämpfen überraschend Rang vier herausschaute. “Man kann mit harter Arbeit viel bewegen. Aber wir haben aufgehört, über Endresultate zu spekulieren”, erteilt Krueger im Vorfeld den Forderungen nach einer Medaille eine Absage.

Medialer Gegenwind

Unter dem 49-Jährigen, der die VEU Feldkirch zum Euroligasieg führte, hat sich die Schweiz seit 1997 zu einem Dauergast in der A-Gruppe entwickelt. Bei insgesamt elf Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen schaffte Kruegers Team neunmal den Sprung unter die besten acht. Obwohl der Deutsch-Kanadier mit Wohnsitz Wollerau am Zürcher See mehr richtig als falsch gemacht hat, steht er medial regelmäßig im Gegenwind. Einen Monat vor der WM startete das Boulevardblatt “Blick” eine Kampagne gegen Krueger. Titel: “Der WM-Totengräber”. Stagnation lautet der Vorwurf – weil der Nationalteamcoach auf Stars wie Reto von Arx (Davos) oder Marcel Jenny (Kloten) verzichtet. Seit einem Saufgelage bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City sind die beiden nicht mehr erste Wahl. Taktisch wird Krueger angelastet, zu wenig Mut für die Offensive zu besitzen. Kritik, die Krueger kalt lässt: “Ich lese keine Zeitung, höre kein Radio, sehe nicht fern und surfe nicht ich im Internet. Für die WM muss der Fokus ganz auf meiner Mannschaft liegen”, sagt er den “VN” nach dem Testspiel gegen Finnland (4:3) in Kreuzlingen. Fachleute zollen Krue­gers Wirken mehr Respekt: “Wir spielen gegen die bestgecoachste Mannschaft der Welt”, sagte der ehemalige Team-Kanada-Coach Andy Murray (nun St. Louis Blues) vor einem Spiel gegen die Eidgenossen. “Würde man das Schweizer Eishockey mit der Katholischen Kirche vergleichen, dann wäre Krueger ihr Papst”, lobt Fachjournalist Klaus Zaugg den charismatischen Coach. Selbst zum amerikanischen Präsidenten ist eine Affinität gefunden. “Yes we can” lautete Kruegers Credo in der Nati, lange bevor diesen Spruch Barack Obama für sich beanspruchte.

Schweres Erbe

“Der Trainer, der auf Krueger folgt, wird es schwer haben”, glaubt der ehemalige Teamcrack Martin Steinegger. “Die Leute werden staunen, wie schwierig es ist, so konstant gut zu sein.” Kruegers Vertrag läuft nach den Olympischen Spielen in Vancouver und der WM 2010 in Deutschland aus. Das Interesse an einer Verlängerung darf – beidseitig – ausgeschlossen werden.

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