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Austrialia

Kommt Zeit ist Zeit. Unzeit. Mit der Zeit geht mir die Öster-Plotiki auf den Wecker. Trotzig zieh ich den Wecker auf, weil er noch einer ist, der sich aufziehen lässt wie ein Zeitzünder. Auch der Herbert lässt sich gut aufziehen, wenn dafür Zeit ist. Zur Zeit ist keine Zeit dafür, weil sie mir andauernd davon rennt, wenn ich sie brauche. Hat wer vielleicht die Zeit getroffen oder das Zeitliche gesegnet? Am 29. Februar nehme ich mir immer Tag und Nacht Zeit, um nach der Zeit zu sehen. Ich sah sie leider den ganzen Tag nicht, in der Nacht auch nicht, weil sie Im Schlaf verschwindet. Oder hat jemand im Schlaf etwa die Zeit gesehen? Tatsächlich sah ich sie erst am nächsten Tag wieder. Sie rannte, ich lief ihr wie immer nach, sie lief mir davon, immer schneller und schneller. Ich werde 21, renne, werde 34, renne, werde 46, 52, 63 und noch immer renne ich der Zeit nach. Inzwischen bin ich bald 69 und laufe immer noch der Zeit nach. Ich hätte nie gedacht, dass ich im Alter noch so rennen kann. Ich renne nämlich viel schneller als früher, als ich noch jung war und die Zeit langsamer. Jetzt rennt die Zeit über Stock und Stein die ganze Balkanroute hinunter und herauf. Einmal renne ich ihr bis nach Afghanistan nach. Dort läuft die Zeit aber in kürzester Zeit rückwärts, weil sie Mikl & Kurz für die 70% Analphabeten des Landes Plakate aufhängen sieht, auf denen zu lesen ist, Austria sei zeitlich befristet. Es ist Mikls Hussarenstück. „Austrialia“ sei jetzt noch strenger, lesen die andern 30% Afghanen, die halbwegs lesen können. Österreich habe keine Zeit – nur für Tiroler, Wald-, Wein- und Mostviertler und sonstige Schifahrer und Konsorten. Für Familien habe Austrialia überhaupt erst nach 9 Jahren Zeit, plakatiert die Automaten-Mikl und es ist ihr nicht einmal peinlich, aber mir. 90% der Afghanen wollen sowieso nicht nach Austrialia, sondern nach Germany. Was für eine Zeit! O tempora, o mores! Holt mich jetzt die Zeit ein oder ich sie? Ohne zu zögern renne ich einfach der Zeit voraus zurück und entschuldige mich bei den hiesigen Afghanen für das Kurz-Mikl-Theater. Auf dem Rückweg eilt die Zeit schon wieder vorne weg und mir erneut davon. Sie rennt zum Griechen, ich im Sauseschritt hinterher. Dort bestelle ich eine Flasche Retsina, entschuldige mich bei den hiesigen Griechen für die Unanständigkeiten unserer Abregierung. Als die Flasche leer ist, habe ich die Zeit vergessen. Die Zeit hat mich verschlungen. Da stellt sich plötzlich Zeitmangel ein. Ich kaufe eine Zeitkarte, um mehr Zeit zu haben. Prompt habe ich wieder viel zu viel Zeit. Ich schlage sie tot und telefonaniere, bis die Zeit zu Ende ist. Der Rat nämlich kommt nur mit der Zeit. Höchste Zeit auch.

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