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Köln: Abendgebet mit 700.000 Gläubigen

700.000 Menschen haben am Samstagabend Benedikt XVI. begeistert auf dem Marienfeld bei Köln empfangen. Zu Beginn weihte der Papst eine Glocke zu Ehren Johannes Paul II., dem Begründer der Weltjugendtage.

In seiner Ansprache erinnerte das Kirchenoberhaupt die versammelten Weltjugendtags-Pilger an die Heiligen Drei Könige: Nachdem diese Jesus gefunden hatten, begann für sie ein neuer Weg, der ihr ganzes Leben veränderte. Benedikt XVI. betonte vor den Pilgern, dass Gott nicht in Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht trete. „Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der Welt. Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber.“ Zugleich warnte der Papst die Jugendlichen vor totalitären Strukturen. „Das Absolutsetzen dessen, was nicht absolut ist, sondern relativ ist, heißt Totalitarismus.“ Dies versklave den Menschen. Nicht Ideologien retteten die Welt, sondern allein die Hinwendung zu Gott, sagte er in seiner abwechselnd in mehreren Sprachen gehaltenen Predigt.

Zugleich erinnerte der Papst an das Schuldeingeständnis seines Vorgängers Johannes Paul II. für in der Vergangenheit begangene Fehler der Kirche aus dem Jahr 2000. „An der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut.“ Allerdings dürften die Kirchen hoffen, trotz all ihrer Fehler doch noch in der Nachfolge Jesu zu stehen, der ja gerade die Sünder berufen habe.

Tausende Kerzen verwandelten die Veranstaltung, während der Psalme rezitiert und mit Orchesterunterstützung Lieder gesungen wurden, zu einem Lichterfest. Viele Teilnehmer der Vigil wollten die Nacht auf dem Marienfeld verbringen, wo zum Abschlussgottesdienst am Sonntag rund 800.000 Menschen erwartet werden.

Unter frenetischem Jubel und „Benedetto“-Sprechchören der meist jungen Menschen fuhr der 78 Jahre alte katholische Oberhirte im Papamobil über das 27 Hektar große Areal und bestieg dort einen eigens für den Weltjugendtag geschaffenen Hügel, von dem er zu der Menge sprach. Nennenswerte Zwischenfälle gab es nicht. Ein Heißluftballon, der in die Flugverbotszone um Köln eingedrungen war, wurde am Abend zum Landen gezwungen.

Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt in einem eindringlichen Appell Moslems und Christen zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus aufgefordert. Eindringlich forderte er zum Dialog zwischen Christen und Moslems auf. Von einem solchen Dialog „hängt zum großen Teil unsere Zukunft“ ab, betonte er.

Die Urheber des Terrorismus, den er als „pervers“ und „grausam“ geißelte, wollten die Beziehungen zwischen den beiden Religionen vergiften, warnte Benedikt XVI. „Wenn es uns gemeinsam gelingt, das Hassgefühl aus den Herzen auszurotten, uns gegen jede Form der Intoleranz zu verwahren und uns jeder Manifestation von Gewalt zu widersetzen, dann werden wir die Welle des grausamen Fanatismus aufhalten“. Die Kirche wolle die Wege der Versöhnung suchen und lernen, „dass jeder die Identität des anderen respektiert“. Man müsse sich in seiner Verschiedenheit akzeptieren.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas, der dem Papst ein Exemplar des Korans mit deutschen Erläuterungen überreichte, forderte einen neuen und konstruktiven Anfang im Verhältnis mit der katholischen Kirche. Man solle einen Schlussstrich unter die schwarzen Kapitel der gemeinsamen Geschichte ziehen. „Nicht zuletzt unser gemeinsamer Feind, der Terrorismus, macht dies erforderlich“, erklärte er.

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