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Ökoenergie-Branche hofft auf Aufwind

Europas Ökoenergie-Branche hofft, dass das EU-Klimaschutzpaket noch heuer, also während des französischen Vorsitzes, beschlossen wird.

Wird die in dem Paket enthaltene Richtlinie für Erneuerbare Energien wie geplant umgesetzt, würde es im Jahr 2020 zwei Millionen “grüne Jobs” geben, sagte Peter Vis, Kabinettsmitglied des EU-Energiekommissars Andris Piebalgs, in Brüssel anlässlich einer Pressereise des Österreichischen Biomasse-Verbands. Die Umweltvorhaben des neuen US-Präsidenten Barack Obama werden es der EU erleichtern, ihre Klimaziele zu verfolgen.

Gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs müssten Energieeffizienz und Erneuerbare Energien forciert werden, so Vis. Die USA hätten schon erkannt, dass Erneuerbare Energien ein Ausweg aus der Finanzkrise sind, meinte Christine Lins, Generalsekretärin des European Renewable Energy Council (EREC). Obama wolle 150 Mrd. Dollar in Erneuerbare Energien investieren und beim UN-Klimagipfel Ende 2009 in Kopenhagen ambitionierte Umweltschutz-Ziele durchsetzen. Bei der Konferenz in der dänischen Hauptstadt soll ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls unterzeichnet werden, die Vorverhandlungen dazu haben am 1. Dezember im polnischen Posen begonnen. Wenn Europa in puncto Klimaschutz jetzt nicht am Ball bleibe, bestehe die Gefahr, “von der USA überrannt zu werden”, so die gebürtige Oberösterreicherin.

Momentan arbeiten laut EREC, Dachorganisation der 13 europäischen Ökoenergieverbände, in Europa 400.000 Menschen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Der Jahresumsatz der Branche betrage etwa 40 Mrd. Euro – vor vier Jahren seien es 25 Mrd. Euro gewesen. Nur der IT-Sektor habe ähnlich hohe Zuwachsraten. In der österreichischen Umwelttechnik-Industrie arbeiten nach Angaben des Biomasse-Verbands 25.000 Personen. Der Branchenumsatz liege bei sechs Mrd. Euro.

Das EU-Klimaschutzpaket enthält sechs Richtlinien und soll Mitte Dezember oder spätestens Mitte Jänner vom EU-Parlament abgesegnet werden, so Vis. Die Richtlinie für Erneuerbare Energien sieht vor, dass bis 2020 im Europa-Durchschnitt mindestens 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus regenerativen Energien gewonnen werden. In Österreich soll der Anteil 34 Prozent ausmachen.

“Die Spekulationsware Erdöl hat ausgedient”, sagte Ernst Scheiber, Geschäftsführer des Biomasse-Verbands, in Amsterdam. Die EU müsse momentan mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs importieren und sei abhängig von politisch teils instabilen Ländern. Die derzeit fallenden Ölpreise dürfen laut Scheiber nicht zum Anlass genommen werden, über diese Entwicklungen hinwegzusehen.

Die EU und Österreich müssten endlich auf Erneuerbare Energien setzen. Der Biomasse-Verband will das österreichische 34-Prozent-Ziel sogar übertreffen und bereits 2025 die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs aus “sicheren und sauberen Quellen” gewinnen. Dafür brauche es den politischen Willen, der in Scheibers Augen in der Vergangenheit nicht immer ausreichend vorhanden war. EU-weit sei der Anteil der regenerativen Energien seit 2001 gestiegen, in Österreich hingegen um rund drei Prozent gefallen.

Schuld sei das Ökostromgesetz aus dem Jahr 2006, das durch die zu niedrigen Einspeisetarife sowie die Kontingentierung der Förderungen zu einem Ausbaustopp von “grünem Strom” geführt habe, wie der Biomasse-Verband wieder einmal kritisierte. Vom neuen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) wünscht sich Scheiber deshalb eine Neufassung des Gesetzes. Wie das aussehen soll, wollen die heimischen Ökostromverbände in Kürze in einem eigenen Entwurf darlegen. Die österreichische Ökostrom-Novelle 2008 befindet sich gerade im EU-Genehmigungsverfahren.

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