Können Schnuller Leben retten?

Eine medizinische Studie belegt, dass Schnuller Babys vor plötzlichem Kindstod schützen können. Vorarlberger Ärzte sind skeptisch: Der Schnuller nur eine von vielen Vorsorgemaßnahmen.

Es gibt kaum einen Schicksalsschlag, den glückliche Eltern mehr fürchten als den plötzlichen Kindstod. Das Baby verstirbt aus ungeklärter Ursache zwischen dem ersten und dem zwölften Lebensmonat. Meistens im Schlaf.

Nach dem aktuellen Stand der Forschung könnten 50 bis 90 Prozent aller Fälle durch Vorsorgemaßnahmen verhindert werden. Eine dieser Präventivmöglichkeiten ist der Einsatz des Baby-Schnullers.

Warum der Schnuller das Risiko des plötzlichen Todes minimiert, kann bisher nur vermutet werden. Möglich ist, dass er ein Zurückfallen der Zunge und damit ein Verschließen der Atemwege verhindert. Auch stimulierende Effekte auf die Atmung sind möglich. Das Baby sollte den Sauger allerdings nicht die ganze Nacht, sondern nur während des Einschlafens im Mund behalten.

Eine Analyse verschiendener medizinischer Studien im vergangenen Jahr ergab: Die Schutzwirkung von Schnullern vermindert das Kindstod-Risiko um 53 Prozent. Eine weitere Untersuchung, die kurze Zeit später veröffentlicht wurde, belegte sogar eine 90-prozentige Risiko-Minimierung.

Christian Huemer, Primar für Kinderheilkunde am Landeskrankenhaus Bregenz, bleibt skeptisch: „Mit diesen Ergebnissen sollten wir sehr vorsichtig umgehen. Der plötzliche Kindstod ist ein komplexes Thema. Es wäre toll, wenn der Schnuller allein das Risiko minimieren könnte. Tatsächlich ist er jedoch nur eine von vielen Vorsorgemaßnahmen.“

Der Primar rät, das Baby beim Einschlafen immer auf den Rücken zu legen. Wird der Säugling in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt, kann sich das ebenfalls positiv auswirken.

In Vorarlberg hat es in den vergangenen zwei Jahren keinen einzigen Fall von plötzlichem Kindstod gegeben. Österreichweit hat sich die Zahl der Todesfälle im vergangenen Jahr jedoch nahezu verdoppelt. 2004 starben 16 Babys aus unerklärlicher Ursache. 2005 waren es 31.

Wie lassen sich die Zahlen erklären? „In den Vorarlberger Krankenhäusern bieten wir allen Müttern ein gutes und umfassendes Vorsorgeprogramm. Wir informieren ausführlich über die gesamten Risikofaktoren.“

Zu diesen zählen auch Polster und Stofftiere im Gitterbett des Säuglings. Kinder, die im Mutterleib Alkohol und Drogen ausgesetzt waren, leben ebenfalls mit einem erhöhten Risiko. Auch Zigarettenrauch und zu warme Schlafräume sind für die Kleinen schädlich. Babys schlafen am liebsten und am sichersten bei einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad.

Nicht nur ein Schnuller, auch die Rückenlage, das Stillen und eine kühle Temperatur im Schlafzimmer vermindern das Risiko des plötzlichen Kindstods.

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