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Knalleffekt in der Bush-Administration

US-Präsident George W. Bush baut sein Regierungsteam um. O'Neill ist der erste Minister der Bush-Regierung, der seinen Hut nimmt.

Nach der Rücktrittsankündigung von Finanzminister Paul O’Neill kündigte das Weiße Haus am Freitag auch die Demission von Bushs Berater in Wirtschaftsfragen, Lawrence Lindsey, an. O’Neill werde sein Amt in den kommenden Wochen aufgeben, teilte seine Sprecherin in Washington mit. O’Neill ist der erste Minister der Bush-Regierung, der seinen Hut nimmt. Den Rücktritt von Lindsey gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, bekannt. US-Präsident George W. Bush sucht nun nach Angaben des US-Präsidialamtes für die Neubesetzung seines Wirtschaftsstabes nach Kandidaten, die das Vertrauen der Märkte genießen und das Marktgeschehen aus eigener Erfahrung kennen, teilte Fleischer weiter mit.

Über die genauen Gründe für O’Neills Rücktritt wurde zunächst nichts bekannt. Der 67-Jährige galt unter vielen Kommentatoren jedoch als “Schwachstelle” im Regierungsteam. Kritiker warfen ihm vor, zu verbalen Schnellschüssen zu neigen. So hatte O’Neill schon kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vorhergesagt, dass die Aktienkurse innerhalb von 18 Monaten ein neues Hoch erreichen würden. In einem Brief an Bush schrieb O’Neill am Freitag, es sei für ihn ein “Privileg” gewesen, “in diesen schwierigen Zeiten” das Amt des Finanzministers bekleidet zu haben – eine Anspielung auf die Rezession nach dem 11. September.

O’Neill ist der zweite Vertreter von Bushs Wirtschaftsteams, der seinen Posten verlassen muss. Zuvor hatte der Chef der Börsen- und Wertpapieraufsicht (SEC), Harvey Pitt, seinen Rücktritt erklärt. O’Neill war in der Vergangenheit mehrfach wegen verwirrender oder überraschender Aussagen kritisiert worden, die die Märkte verunsicherten. Er war auch bei der republikanischen Führung im Kongress umstritten. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN hatte das Weiße Haus O’Neill zunehmend gedrängt, seinen Posten zur Verfügung zu stellen.

Schlagzeilen machte O’Neill zuletzt, als er mit dem irischen Rocksänger Bono durch Afrika reiste, um sich vor Ort ein Bild von der Armut machte. O’Neill hatte seit seiner Ernennung Skeptiker gegen sich. Der frühere Chef des Aluminiumkonzerns Alcoa galt zwar als erfahrener Manager, doch er hatte nicht das Vertrauen der Wall Street. Zudem galt er als zweite Wahl für den Posten.

Kurz vor O´Neill´s Rücktrittsankündigung wurden die aktuellen US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Die US-Arbeitslosenquote ist im November auf 6,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit April dieses Jahres gestiegen. Hier war eine Zunahme auf lediglich 5,8 Prozent prognostiziert worden. Im Oktober hatte die US-Arbeitslosenquote bei unrevidiert 5,7 Prozent gelegen.

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