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Klimawandel zwischen Frankreich und den USA

©AP
Ein Ehepaar lädt das andere Paar zum Essen ein, eigentlich kein großes Ding. Doch in diesem Fall sind es US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura, die am Samstag zum Mittagessen in der Sommerresidenz im US-Staat Maine bitten, und ihre Gäste sind Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und seine Frau Cecilia, die in der Nähe Urlaub machen.

Unmöglich sich vorzustellen, dass Bush den früheren französischen Präsidenten Jacques Chirac privat zum Mittagessen geladen hätte – oder dass dieser hingefahren wäre. Offenbar stehen die Beziehungen der beiden Länder „am Rande eines neuen Zeitalters“, wie Bushs Sprecher Tony Snow sagt.

Sarkozy macht kein Geheimnis aus seiner Begeisterung für die USA. Im Internet kursiert ein Laienfilmchen, das den französischen Staatschef mit einigen Begleitern beim Joggen zeigt. Er hat ein dunkelblaues T-Shirt, auf dem „NYPD“ steht – New York Police Department. Die Vereinigten Staaten haben es dem Franzosen so sehr angetan, dass er nicht nur in einem T-Shirt der New Yorker Polizei Laufen geht, sondern dass er sogar den ersten Urlaub seiner Amtszeit in Amerika verbringt, was einige seiner Landsleute unerhört finden.

Den französischen Staatssekretär Roger Karoutchi wundert es nicht. Sarkozy bewundere das amerikanische Demokratiemodell sehr, meint er. In vielen Punkten sei es moderner als das französische Modell, auch wenn es viele Schwächen habe. „Man muss im amerikanischen Modell das suchen, was gut für Frankreich ist, und den Rest weglassen.“ Natürlich wolle aber niemand behaupten, dass sich das amerikanische Modell übertragen ließe oder dass es sogar besser sei, schränkte Karoutchi ein. „Wir haben eine andere Geschichte.“

Auch Sarkozy selbst versteht die Aufregung seiner Landsleute nicht. „Jedes Jahr fahren 900.000 Franzosen in die USA“, sagte er vor ein paar Tagen bei einer Pressekonferenz in seinem Ferienort Wolfeboro, im nordöstlichen US-Staat New Hampshire. „Ich bin bloß einer von ihnen.“ Er wolle das echte Amerika kennenlernen, „die Wälder, die Seen, die Stille“. Früher habe er dazu nicht die Gelegenheit gehabt, fügte der Präsident an.

Es ist das erste Mal, dass die beiden Staatschefs sich treffen, seit Sarkozy im Mai sein Amt angetreten hat, und auch für den US-Präsidenten sei es naheliegend, ein engeres Verhältnis zu Frankreich aufzubauen, sagen politische Beobachter. „Bush sucht nach persönlichen Freunden in Europa“, meint Simon Serfaty vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS). Dem Präsidenten sei nach Jahren sein engster Verbündeter in Europa abhandengekommen, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, der das Amt vor wenigen Wochen abgab. Zudem habe er Spaniens früheren Regierungschef als Verbündeten verloren, Jose Maria Aznar, und den ehemaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi.

So sieht es auch Dominique Moisi vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI). Blair habe eine Lücke hinterlassen, und „Sarkozys Zeit war reif“, sagt der Fachmann. Der unkonventionelle diplomatische Stil des Franzosen komme in der englischsprachigen Welt gut an, und auch im Inland sei er beliebt. „Sarkozy rechnet damit, dass er sich an der diplomatischen Front alles erlauben kann, wenn er einmal ein Vertrauensverhältnis mit Bushs Amerika aufgebaut hat“, schätzt Moisi.

Die Bushs wollten Nicolas und Cecilia Sarkozy in lockerer Atmosphäre bewirten, wie US-Sicherheitsberater Gordon Johndroe sagte. Es sei eine gute Gelegenheit für die beiden Präsidenten und ihre Frauen, „sich besser kennenzulernen“. Ein offizielles Treffen werde es später geben, „irgendwann im Herbst“. Auch Bushs Sprecher Tony Snow sagte, für das Mittagessen sei keine Tagesordnung vorgesehen. „Auf der Agenda steht: Kommt vorbei, treffen wir uns.“ Bestimmt würden auch „internationale Themen“ zur Sprache kommen, sagte Snow. Aber es sei kein Gipfeltreffen.

Und vielleicht darf Sarkozy – mit seiner Vorliebe für die amerikanischen Wälder und Seen – sogar mit Bush Angeln gehen, wie Johndroe andeutete. George Bush senior, der frühere Präsident und eigentliche Gastgeber, dem das Anwesen in Kennebunkport gehört, sei da immer sehr großzügig.

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