Klimawandel könnte Bierpreis verdoppeln

Bier könnte in 80 Jahren Mangelware werden.
Bier könnte in 80 Jahren Mangelware werden. ©APA/Rauch
Schwarzach - Klimaforscher warnen vor einer eher unerwarteten Nebenwirkung des Klimawandels: Der Preis von Bier werde die nächsten Jahrzehnte rasant ansteigen. 
Klimawandel macht Bier teurer

Bei einem ungebremsten Anstieg der Temperaturen würden sich die Bierpreise weltweit im Schnitt etwa verdoppeln, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt “Nature Plants”. Verantwortlich sei das häufigere gleichzeitige Auftreten von Dürre- und Hitzeperioden während der Wachstumsperiode von Gerste, was das Angebot an der Brauzutat verknappen würde.

Getreide leidet unter Klimaerwärmung

Anhand historischer Daten zur Anfälligkeit von Gerste für Wetterextreme wie Hitze und Dürre und deren Auswirkung auf die Erntemenge errechneten die Forscher mögliche Zukunftsszenarien für die Bierherstellung. Die Ernterückgänge reichen zum Ende des Jahrhunderts je nach Szenario von drei bis 17 Prozent. Der Weltklimarat warnt auch vor Ernteeinbußen bei den wichtigsten Getreidesorten Mais, Reis und Weizen.

Braugerste nur untergeordnete Rolle

Gerste wird vor allem als Wintergerste in der Futterindustrie eingesetzt, Sommergerste spielt als Braugerste nur eine untergeordnete Rolle. Hier gibt es international starke Unterschiede: 2011 wurden in Brasilien 83 Prozent der Gerste verbraut, in Australien nur neun Prozent. Deutschland ist nach Russland der zweitgrößte Gersteproduzent der Welt. Da Futtergerste den höheren Ertrag verspricht, drohen Ernterückgänge vor allem die Braugerste zu treffen.

Mohrenbräu: Erste Auswirkungen spürbar

Bereits jetzt zeigen sich die ersten Auswirkungen des Klimawandels auf die Gerste, bestätigt der Braumeister der Mohrenbrauerei in Dornbirn, Michael David. So sei der Eiweißgehalt im Malz höher, dafür weniger Extrakt. “Zudem gibt es mehr ganzglasige Körner, das heißt Qualitätsveränderungen, auf die der erfahrene Brauer richtig reagieren muss.”

Starke Preisschwankungen

Die Braugerste unterliegt dabei bereits heute starken Schwankungen im Ankaufpreis. Der Gerstenpreis ist direkt an den börsennotierten Weizenpreis MATIF gebunden und schwankt stark mit den Wetteraussichten in den Anbaugebieten. Für Braugerste direkt vom Erzeuger zahlte man in Österreich im heurigen Sommer 147,50 Euro pro Tonne, seit 2005 schwankten die Preise pro Tonne von 90 bis 208 Euro. Bei der Mohrenbrauerei sichere man sich über langfristige Lieferverträge mit Mälzereien ab. Braumeister David setzt langfristig auf Gerstenmalz aus verschiedenen Anbaugebieten und hofft auf neue widerstandsfähigere Braugerste-Züchtungen.

Preis könnte sich verdoppeln

Unter den extremsten klimatischen Veränderungen drohen Ländern wie Belgien, Tschechien oder Deutschland Einbußen in der Verfügbarkeit von Gerste von 27 bis 38 Prozent. Gleichzeitig würde das den Bierpreis deutlich in die Höhe treiben, nämlich durchschnittlich verdoppeln. Selbst unter einem weniger starkem Temperaturanstieg ist den Analysen zufolge mit einer Verteuerung von 15 Prozent zu rechnen. Die Studie beruht auf den derzeitigen Daten, mögliche Entwicklungen wie neue Gerstensorten sind nicht berücksichtigt.

Gewerkschaft warnt vor möglicher Bierknappheit

Doch nicht nur der Klimawandel macht den Bierbrauern zu schaffen. Die Brauerei-Mitarbeiter in Österreich schäumen und haben Betriebsversammlungen beschlossen, denn die Arbeitgeber “bieten nur ein Prozent mehr Lohn und Gehalt”, teilte die Gewerkschaft PRO-GE am Dienstag mit und warnte vor einer möglichen Bierknappheit, denn Kampfmaßnahmen sind möglich.

Die vierte Verhandlungsrunde blieb am Montag ergebnislos. “Die Fronten sind verhärtet”, so die Gewerkschafter. Sie fordern vier Prozent mehr Lohn/Gehalt, bei einer Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden täglich sollen etwa sämtliche Pausen bezahlt werden. Wie bei den Metallern wird auch ein 100-Prozent-Zuschlag für die 11. und 12. Arbeitsstunde verlangt.

Faires Verhandlungsergebnis nicht in Sicht

“Trotz eines Entgegenkommens des Verhandlungsteams der Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp ist ein faires Verhandlungsergebnis bei den Arbeitszeitforderungen und Einkommenserhöhungen weiterhin nicht in Sicht”, kritisieren die Arbeitnehmervertreter. “Daher werden noch vor der nächsten Verhandlungsrunde am 16. November Betriebsversammlungen einberufen, um über die weitere Vorgangsweise zu beraten und um mögliche Kampfmaßnahmen zu beschließen.”

Das 1-Prozent-Angebot sei “ein klarer Affront gegen die rund 3.500 Beschäftigten und völlig inakzeptabel”, sagen die beiden Arbeitnehmer-Verhandlungsleiter Anton Hiden (PRO-GE) und Bernhard Hirnschrodt (GPA-djp). “Die Braubranche hat ein Rekordjahr hinter sich. Teilweise waren sogar zu wenige Gebinde vorhanden, so gut lief das Geschäft.”

Nun wird mit “gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen” gedroht, “sollten die Arbeitgeberverhandler weiterhin einen fairen Abschluss blockieren”. Gefordert werden “seriöse sozialpartnerschaftliche Verhandlungen: Sonst könnte schon bald das Bier knapp werden.” Sollte es so weit kommen, seien die Arbeitgeber dafür verantwortlich, so Hiden und Hirnschrodt.

(VOL.AT, DPA, APA)

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