"Klaurenner Nr. 1" ist ein Hornhauthobel - Wo Langfinger das Verlangen packt

Kleine Produkte mit hohem Wiederverkaufswert werden häufig entwendet
Kleine Produkte mit hohem Wiederverkaufswert werden häufig entwendet ©Beispielbild/Bilderbox
Was macht einen Hornhauthobel so begehrenswert für Ladendiebe? Und warum steht Babynahrung plötzlich bei Langfingern so hoch im Kurs? Die Frage treibt den Einzelhandel um. Er investiert enorme Summen, um seine Produkte besser zu schützen.

Bei der Firma Scholl hält sich die Begeisterung über den neuen Titel in Grenzen. Einer ihrer Hornhauthobel wurde gerade in der Rossmann-Mitarbeiterzeitung zum neuen “Klaurenner Nr. 1” in den bundesweit gut 2000 Filialen der Drogeriemarktkette gekürt. “Solche Publicity wünscht man sich eigentlich nicht”, sagt eine überraschte Scholl-Sprecherin am Donnerstag.

Hoher Wiederverkauf zieht Langfinger an

Klein und handlich sind sie – und mit rund 40 Euro Ladenverkaufspreis offenbar eine ideale Beute für Ladendiebe. Die im März auf den Markt gekommene Deluxe-Variante “wet & dry” bringt es sogar auf rund 50 Euro. “Geklaut wird alles, was klein und teuer ist”, bestätigt Ute Holtmann vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. Im Elektronikhandel sind das Smartphones und Speicherkarten, bei den Baumärkten Akku-Schrauber, beim Bekleidungshandel Gürtel, Tücher oder teure Funktionsbekleidung – etwa für Sportler oder Wanderer.

Babynahrung aus Europa ist in China beliebt

“Sehr begehrt ist zur Zeit auch Babynahrung”, sagt Holtmann. Palettenweise werde sie immer öfter aus den Läden entwendet. Als Hintergrund gilt das brummende Geschäft damit in Asien, das die Preise hoch treibt. Chinesische Eltern schrecken nach einer Reihe von örtlichen Lebensmittelskandalen vor heimischen Produkten zurück und greifen verstärkt zu Babynahrung aus Europa.

Schaden durch Diebstähle bei deutschen Firmen in Milliardenhöhe

Nach einer EHI-Studie betrug der Verkaufswert der 2015 von Kunden gestohlenen Waren rund 2,24 Milliarden Euro. Dazu kommen Diebstähle durch eigene Mitarbeiter in Höhe von 810 Millionen Euro. Rechnet man noch die 340 Millionen Euro an Verlusten durch Lieferanten und Servicekräfte mit ein, beträgt der Gesamtschaden durch Diebstahl knapp 3,4 Milliarden Euro. Weitere Kosten entstehen unter anderem durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz.

(dpa/red)

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