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Kirche Vorarlberg erinnert an NS-Opfer Lampert

Bregenz - Die Katholische Kirche Vorarlberg erinnert rund um den Todestag des Vorarlberger Geistlichen und NS-Opfers Provikar Carl Lampert mit einer Reihe von Veranstaltungen an die Zeit des Nationalsozialismus.

Lampert wurde am 13. November 1944 in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vom Nazi-Regime durch das Fallbeil enthauptet. Im Zentrum der Gedenkwoche von 9. bis 15. November steht zudem Josef Anton King, dessen Engagement für die Zwangsarbeiter ihn das Leben kostete. Gedenkveranstaltungen, Vorträge und Gottesdienste in Rankweil, Göfis, Bregenz, Dornbirn und Silbertal beschäftigen sich mit der Erinnerungskultur in Vorarlberg.

Die Gedenkwoche “Carl Lampert – erinnern 2008” wurde am Sonntag mit einem Gottesdienst für die Opfer des Nazi-Regimes in der Basilika in Rankweil eröffnet. Höhepunkt der Erinnerungswoche ist am Donnerstag die Präsentation des Buches “Selig, die um meinetwillen verfolgt werden. Carl Lampert – ein Opfer der Nazi-Willkür. 1894-1944” im Diözesanhaus Feldkirch mit dem Herausgeber Richard Gohm sowie dem Zeitzeugen Alt-Bischof Reinhold Stecher. Gohm hat das Leben Lamperts auf rund 400 Seiten wissenschaftlich aufgearbeitet.

Die “Provikar-Lampert-Akademie 2008” befasst sich am 15. November im ORF-Publikumsstudio Dornbirn mit der “Erinnerungskultur im Wandel” in Vorarlberg. Geplant sind Referate von Bruno Winkler, dem Leiter der Geschichtswerkstatt Silbertal, und der Zeithistorikerin Heidemarie Uhl, sowie ein Podiumsgespräch, zu dem auch Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, und der Liturgiewissenschaftler Reinhard Meßner erwartet werden.

Die Gedenkwoche widmet sich auch einem weiteren NS-Opfer in Vorarlberg: Am Montagabend steht in Bregenz die Veranstaltung “Gedenken begehen” für Josef Anton King aus Hörbranz (Bezirk Bregenz) auf dem Programm. Zu Biografie und Schicksal des 1922 geborenen angehenden Geistlichen, der seine Tätigkeit als Dolmetscher und Briefzensor für die Gestapo zur Unterstützung der Zwangsarbeiter nützte, wird der Historiker Meinrad Pichler sprechen. Wegen “Konspiration mit den Kriegsgefangenen” wurde King am 6. Juni 1944 verhaftet und schließlich im KZ Mauthausen inhaftiert. Dort wurde er 1945 hingerichtet.

Carl Lampert wurde 1894 in Göfis geboren und 1918 zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren als Kaplan in Dornbirn und Studienjahren in Rom wurde Lampert 1939 von Bischof Pauls Rusch zum Provikar (Bischofs-Stellvertreter) der damaligen Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sah sich auch die katholische Kirche in Tirol und Vorarlberg repressiven Maßnahmen ausgesetzt. Der Tiroler Gauleiter Franz Hofer, der etwa den ersten “kösterfreien Gau” errichten wollte, lehnte Bischof Rusch ab. Nachdem Bischöfe aber nur auf Befehl Hitlers behelligt werden durften, nahm sich Hofer Lampert als Opfer.

Lampert wurde als “gefährlichster Mann innerhalb des Klerus” dreimal verhaftet und 1940 für Monate ins KZ Dachau eingeliefert. Nach der Entlassung folgten Bespitzelung und Beschattung. Lampert wurde des Gaus verwiesen und nach Stettin verbannt. Durch einen Gestapo-Spitzel wurde er in eine angebliche “Spionage-Affäre” verwickelt und gemeinsam mit dem Stettiner Priesterkreis im Februar 1943 verhaftet. Bis zu seiner Hinrichtung wurde Lampert dreimal zum Tod verurteilt. Am 13. November 1944 wurde der Priester in Halle/Saale gemeinsam mit dem Kaplan Herbert Simoneit und dem Oblatenpater Friedrich Lorenz enthauptet.

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