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King Arthur: Roleplay-Strategie

Knallharte Schlachten mit Gänsehautfaktor: King Arthur.
Knallharte Schlachten mit Gänsehautfaktor: King Arthur. ©Waibel
Es gibt sie noch, diese Perlen der Spielewelt – weitab von Shootern, Racegames und MMO-Einheitsbrei. „King Arthur“ von Ubisoft ist erfrischender Mix aus Rollenspiel, Rundenstrategie und Storytelling.  

Die Parallelen zur „Total War“-Reihe von Sega sind sicher nicht von ungefähr. Und dennoch: Das Setting ist neu, wird gewürzt mit Rollenspielelementen und einer durchaus zeitgemäßen Präsentation. Der Spieler bewegt seine Truppen rundenbasiert auf einer Übersichtskarte von Britannien und stürzt sich in hektische Echtzeitschlachten, in denen gewaltige Heere aufeinanderprallen. 

Im mittelalterlichen Britannien läuft einiges aus dem Ruder. Rivalisierende Lokal-Adlige und plündernde Ritter treiben einen Keil in das Volk. Christen und heidnische Druiden wetteifern um die theologische Vormacht. Zeit für einen König, der in der Lage ist, das Land zu einen. Einer der das Schwert aus dem Stein ziehen kann und sich deshalb von höheren Mächten auserkoren der Herausforderung stellen muss. Wir ahnen es schon – der Retter des Landes heißt Arthur, und er stellt sich mitsamt seinem mächtigen Schwert Excalibur mit Unterstützung des Magiers und Mentors Merlin allem Dunklen im Königreich entgegen.

Frieden durch Blut und Stahl lautet auch hier wieder die Devise, und so inszenieren die Entwickler von Neocore Games ein bildgewaltiges Schlachten-Epos, das sich in höchste Wertungsregionen spielen könnte, wenn – ja wenn da nicht der zuweilen brutale und unmenschliche Schwierigkeitsgrad wäre. Kurz gesagt: Der Fisch stinkt vom Kopf an – und wäre ein Prachtexemplar, wenn das Balancing nicht derart unterirdisch wäre.

Auf der dreidimensionalen Übersichtskarte bewegt der Spieler seine Truppen von Schauplatz zu Schauplatz, solange die Bewegungspunkte reichen. Auch neue Truppen werden rekrutiert, kleinere Multiple-Choice Adventure-Elemente lockern das Geschehen auf. Zudem muss auf die Moral der kämpfenden Truppe geachtet werden. Diese wird auch von Entscheidungen seines Heerführers nicht unwesentlich beeinflusst. Man hat zwar die Wahl zwischen brutalem Tyrannentum oder gerechter König sein, dient man dem aufblühenden Christentum oder folgt dem Alten Weg von Göttern, Geistern und Naturgewalten?

Jede Runde wird von einer neuen Jahreszeit eingeläutet – während in der schneefreien Zeit marschiert wird, bunkern sich die Kämpfer im Winter im Lager ein. Im Lager eröffnet sich auch das Skillsystem – hier werden im Kampf gewonnene Punkte in höhere Attributswerte und neue Fertigkeiten investiert. Ab da kommt das Role-Play ins Spiel. Erfahrene Truppen und Heerführer wachsen einem ans Herz, die lässt man nicht auf dem Feld der Ehre zurück. Somit eignet man sich rasch eine behutsame und sorgfältige Spielweise an – was auch bitter notwendig ist.

In den Schlachten selbst wird´s hektisch: In Echtzeit prallen hier wahre Riesen-Armeen aufeinander, müssen Schlüsselpunkte erobert werden. Während das gemeine Fußvolk mit primitiven Waffen aufeinander losgeht, lösen die Heerführer gewaltige Spezialfähigkeiten aus: Da rollen schon einmal Feuerwalzen übers Feld, Stürme fegen durch Baumkronen und Blitze schlagen ein. Magischer Nebel eignet sich hervorragend, gegnerischen Fernkämpfern die Sicht zu nehmen. Bogenschützen sind ohnehin die Rush-Truppe von King Arthur – zu mächtig ausgefallen. Trotz aller Hektik lässt sich das Geschehen immer wieder per Pausefunktion anhalten. Mittels frei bewegbarer Kamera kann man sich einen Überblick über das Schlachtfeld verschaffen, um neue Taktiken auszuknobeln und auf den Gegner zu reagieren. Die Kamera lässt sich auch direkt ins Geschehen zoomen – großes Hollywoodkino inklusive, wenn man schwer gerüsteten Kriegern beim Marsch auf den Feind zusehen kann, während im Hintergrund Riesen über den Hügel strömen.  

Fazit:

Wäre der Schwierigkeitsgrad nicht in weiten Teilen von „King Arthur“ selbst für erfahrene Strategen unmenschlich bockschwer geraten, man müsste für dieses Game Top-Wertungen in der Nähe der 90er aussprechen. So bleibt eine Perle des Strategiegenres vielen Spielern vorenthalten, denn nur äusserst frustresistente Spieler sollten sich an dieses hervorragend gemixte Roleplay-Strategiespiel wagen. „Total-War“-Fans kommen auf ihre Rechnung, aber auch wer “Heroes of Might & Magic” gespielt hat, wird sich hier zuhause fühlen. Leider eine Perle des Spieldesigns, das hinter seiner verdienten Wertung zurückbleibt, weil das Balancing für den Kübel ist.

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