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Kind in Duisburg soll vor 9/11 Gespräche über Anschläge gehört haben

Zwei Tage vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York und Washington soll ein damals fünfjähriger Bub im Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen) ein Gespräch über die Pläne belauscht haben.

Das berichtete der TV-Sender WDR am Montag. Das Innenministerium in Düsseldorf und die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärten dazu, die Spur sei geprüft worden und habe sich aber als nicht relevant erwiesen. Nach Angaben des Senders soll außerdem ein damals in Duisburg lebender Mauretanier an der Planung der Attentate in den USA beteiligt gewesen sein.

Nach dem Bericht des WDR soll der fünfjährige Bub arabischer Abstammung am 10. September 2001 in einer nicht genannten Stadt im Ruhrgebiet seiner Kindergärtnerin von einem Gespräch berichtet haben, das er am 9. September 2001 in einer Koranschule mitgehört haben wolle. Im benachbarten Moschee-Raum hätten Männer über ein großes Flugzeug gesprochen, das in ein Haus fliegen werde. Dabei werde es viele Tote geben. Die fragliche Moschee gelte als Treffpunkt radikaler Islamisten, berichtete der Sender.

Die Kindergärtnerin habe die Erzählung zunächst als Kinderfantasie abgetan und erst nach den Anschlägen in New York und Washington die Polizei informiert. Die Ermittler hätten schließlich drei Visitenkarten des Vaters des Buben in verlassenen Wohnungen der Hamburger Al-Kaida-Zelle um Mohammed Atta gefunden. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums erklärte, die Spur sei in den Jahren 2001 und 2002 „sowohl von den Behörden des Landes als auch des Bundes intensiv geprüft und als nicht relevant eingestuft“ worden. Auch ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte, die Spur sei „unmittelbar danach abgearbeitet“ worden und habe sich als nicht belastbar herausgestellt.

Nach dem Bericht des WDR gibt es eine Verbindung der Terroristen des 11. September nach Duisburg. Ein dort lebender mauretanischer Student, Mohamedou Ould Slahi, habe „die Attentate maßgeblich mit vorbereitet“, erklärte der Sender. Er sei ein Funktionär der Terrorgruppe Al Kaida und habe „mindestens zwei der Flugzeugentführer angeworben“. Ould Slahi sei Ende 2001 in Mauretanien festgenommen worden und sitze seitdem im US-Gefangenenlager Guantanamo. Unter Berufung auf Geheimdienstkreise meldete der Sender, Ould Slahi habe die ihm vorgeworfenen Taten weitgehend gestanden.

Der Name Ould Slahi taucht sowohl im Abschlussbericht der offiziellen amerikanischen 9/11-Untersuchungskommission aus dem Jahr 2004 als auch im Prozess gegen den Marokkaner Mounir El Motassadeq im Jahr 2005 in Hamburg auf. Demnach berichtete der als Terrorhelfer angesehene Ramzi Binalshibh, er habe zusammen mit zwei Mitgliedern der Hamburger Terrorzelle um Atta, nämlich Ziad Jarrah und Marwan al-Shehhi, den mauretanischen Studenten Ould Slahi im Oktober 1999 in Duisburg getroffen. Der habe ihnen Hinweise und Kontakte für die Einreise nach Afghanistan und ein Treffen mit Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden verschafft.

Nach dem Bericht der US-Kommission war der auch unter dem Namen Abu Musab auftretende Ould Slahi den US-Behörden ebenso wie den deutschen Diensten wohlbekannt. Es sei aber nicht klar gewesen, dass er Ende 1999 in Deutschland gewesen sei. In dem US-Bericht heißt es außerdem auf Seite 165, er scheine „unwahrscheinlich“, dass die vier Kernmitglieder der Hamburger Zelle, Atta, Binalshibh, Shehhi und Jarrah, bereits von den Anschlagsplänen mit Flugzeugen gewusst hätten, als sie Ende 1999 Deutschland mit Ziel Afghanistan verlassen hätten. Erst dort seien sie von Bin Laden in die geheimen Pläne für die Flugzeug-Anschläge eingeweiht worden.

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