AA

Putin: Abriegelung statt Einnahme von Stahlwerk in Mariupol

Ostukraine: Proviantlager in Großstadt Sjewjerodonezk vernichtet
Ostukraine: Proviantlager in Großstadt Sjewjerodonezk vernichtet ©APA
Russland gibt den Plan auf, das belagerte Stahlwerk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol zu erstürmen.
Neue Beweise zu Massaker in ...
Beschuss aus mehreren Orten gemeldet
Ukraine-Kommandant mit Hilferuf

Einen entsprechenden Befehl erteilte der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Stattdessen solle das riesige Werksgelände von Asowstal hermetisch abgeriegelt werden.

"Ich halte die vorgeschlagene Erstürmung des Gewerbegebiets für nicht notwendig", sagte Putin bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit Schoigu im Kreml. "Ich befehle Ihnen, es abzubrechen." Stattdessen sollten russische Truppen das Gelände blockieren. Noch nicht einmal eine Fliege dürfe unentdeckt auf das Areal gelangen. Den noch auf dem Werksgelände befindlichen ukrainischen Soldaten sagte Putin zu, dass sie mit dem Leben davon kämen, sollten sie sich ergeben. Sie würden mit Respekt behandelt.

2.000 Ukraine-Soldaten auf dem Gelände

Zuvor hatte Schoigu Putin mitgeteilt, dass sich noch etwa 2000 ukrainische Soldaten auf dem Gelände aufhielten. 1478 Kämpfer hätten sich bereits ergeben. Insgesamt sei die Lage in Mariupol ruhig. Zivilisten könnten in die Stadt zurückkehren. Schoigu erklärte zudem, Russland habe Mariupol unter Kontrolle.

Die Stadt am Asowschen Meer gilt als strategisch wichtig. Sie liegt zwischen den pro-russischen, selbst ernannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk und der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim. Russland hatte der Ukraine in den vergangenen Tagen mehrfach Ultimaten zur Kapitulation in Mariupol gestellt. Die Ukraine ließ sie verstreichen.

Süden und Osten im Fokus

Russland war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Die russische Führung bezeichnet die Invasion in das Nachbarland als militärischen Sondereinsatz, der der Demilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine sowie dem Schutz Russlands diene. Die Ukraine und der Westen dagegen sprechen von einem nicht provozierten Angriffskrieg. Zuletzt konzentrierte sich das russische Militär auf die Eroberung von Gebieten im Süden und im Osten der Ukraine. Ein Hauptziel dabei war die Einnahme Mariupols.

Russische Angriffe haben in der Nacht nach Angaben der Gebietsverwaltung in mehreren Städten des ostukrainischen Gebiets Luhansk schwere Schäden hinterlassen. "In Sjewjerodonezk ist nicht ein einziges heiles Proviantlager übrig geblieben", teilte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hadjdaj, am Donnerstag auf dem Facebook-Kanal der Gebietsverwaltung mit. Die Einwohner könnten nur noch mit humanitären Hilfslieferungen versorgt werden.

Zudem seien mehrere Häuser in den Städten Rubischne und Nowodruschesk zerstört worden, teilte Hajdaj weiter mit. Beide Städte gelten als schwer umkämpft. Prorussische Separatisten meldeten jüngst die Einnahme von Rubischne. Ukrainische Stellen bestätigen zumindest eine teilweise Eroberung der Stadt durch russische Einheiten. Unabhängig konnten die Berichte nicht überprüft werden.

Acht Wochen Krieg

Der von Russlands Präsident Wladimir Putin am 24. Februar befohlene Krieg gegen die Ukraine dauert inzwischen acht Wochen. Hatten die russischen Truppen das Nachbarland zunächst in einer Zangenbewegung aus drei Richtungen angegriffen, so konzentrieren sich die Angriffsbemühungen nun vor allem auf den Osten der Ukraine.

Waffenlieferungen

Die deutsche Regierung bereitet einen Ringtausch für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine vor. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Donnerstag soll dabei der NATO-Partner Slowenien eine größere Stückzahl seiner T-72-Kampfpanzer an die Ukraine abgeben und aus Deutschland dafür den Schützenpanzer Marder sowie den Radpanzer Fuchs erhalten.

Das noch aus der Sowjetzeit stammende Waffensystem T-72 wird vom ukrainischen Heer bereits eingesetzt und erfordert keine umfangreiche Zusatzausbildung. Nach Informationen der dpa aus Regierungskreisen hat Slowenien als Kompensation auch moderneres Gerät aus Deutschland angefordert, darunter den deutschen Kampfpanzer Leopard 2, den Radpanzer Boxer sowie den Schützenpanzer Puma, der in der Bundeswehr als Nachfolger des seit 50 Jahren genutzten Marder eingeführt wird.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bestätigte unterdessen am Donnerstag, dass Deutschland ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausbilden werde. "Weil wir das Knowhow haben, um daran auszubilden. Das ist eine Möglichkeit, um auch diesen Support zu leisten", sagte Lambrecht in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv.

Sanchez und Frederiksen in Kiew

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine dänische Kollegin Mette Frederiksen sind am Donnerstagmorgen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingetroffen. Das teilte die spanische Regierung mit. Die beiden Regierungschefs wollten sich demnach zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Sánchez hatte am Mittwoch erklärt, er wolle Selenskyj den "uneingeschränkten Einsatz der Europäischen Union" und Spaniens "für den Frieden" übermitteln.

Kramatork unter Raketenbeschuss

Die russischen Streitkräfte rücken nach britischen Angaben von ihren Aufmarschgebieten in der ostukrainischen Donbass-Region weiter in Richtung Kramatorsk vor. Die Stadt stehe weiterhin unter Raketenbeschuss, teilte das britische Verteidigungsministerium auf Basis eines Lageberichts des Militärgeheimdienstes mit. Das russische Militär versuche, die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten im Osten des Landes zu zerstören.

Bei der russischen Offensive gebe es aber wohl einen gewissen Zeitdruck. Russland sei wahrscheinlich bestrebt, vor den jährlichen Feierlichkeiten am 9. Mai zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland bedeutende Erfolge zu erzielen. "Dies könnte sich darauf auswirken, wie schnell und energisch sie versuchen, Einsätze im Vorfeld dieses Datums durchzuführen", hieß es in dem Tweet.

(APA/Reuters/AFP/dpa)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Ukraine-Krieg
  • Putin: Abriegelung statt Einnahme von Stahlwerk in Mariupol